Düren: M-Real: 180 Arbeitsplätze kaum zu retten

Düren: M-Real: 180 Arbeitsplätze kaum zu retten

Der finnische Papierhersteller M-Real wird sich endgültig vom Standort Düren verabschieden. Am Mittwoch gab der Konzern bekannt, dass er sich bis zum Jahresende komplett aus dem Bereich Spezialpapiere zurückzieht und sich auf das Karton-Geschäft konzentriert.

Nach dem im vergangenen Jahr erfolgten Verkauf der größten Papiermaschine im Dürener Werk Reflex (PM5) an den Schwesterkonzern Metsä Tissue und der Mitte April unterzeichneten Absichtserklärung, die Zanders-Premium-Papier-Sparte an die Papierwerke Lenk AG aus dem Schwarzwald zu veräußern, will M-Real die Produktion von Durschreibepapieren (Autocopy) in Düren nun komplett einstellen.

Darüber hinaus gaben die Finnen bekannt, keine weiteren Produkte mehr im Werk Reflex produzieren zu wollen. Während rund 100 der derzeit noch rund 280 M-Real-Mitarbeiter an der Veldener Straße mit der Übernahme durch die Lenk AG rechnen dürfen - der Verkauf soll noch in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen werden -, stehen die verbleibenden 180 in Produktion, Werkstatt und Verwaltung damit vor dem Verlust des Arbeitsplatzes.

Markt im Abwärtsstrudel

„Natürlich mussten wir mit diesen Schritt irgendwann einmal rechnen, da der Markt der Durchschreibepapiere seit Jahren auf dem absteigenden Ast ist”, erklärte Betriebsratsvorsitzender Norbert Werres im Gespräch mit der DZ. „Die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt ist dennoch ein Schock.” Noch vor Monatsfrist habe Zanders-Geschäftsführer Heikki Husso auf Nachfrage erklärt, man werde auch noch eine Lösung für die Autocopy-Sparte finden, berichtete Werres. „Jetzt wissen wir wenigstens, was er damit gemeint hat.”

Eine kleine Hoffnung hat der Betriebsrat noch: Die Verarbeitungslinie, auf der das Autocopy-Papier seit der Verlagerung der Rohmaterialproduktion nach Bergisch-Gladbach in Düren veredelt wird, sei hochmodern. Mit ihr sei man auch in der Lage, eine ganze Reihe anderer Produkte, beispielsweise Thermopapiere, zu verarbeiten. Daher will der Betriebsrat nun auch selbst aktiv am Markt nach einem Käufer Ausschau halten, der die Anlage weiterbetreiben und damit noch einen Teil der Arbeitsplätze retten könnte. „Wir werden die Hände sicher nicht in den Schoß legen”, verspricht Werres seinen Kollegen. Auf M-Real verlassen will sich der Betriebsrat nicht mehr. Zu oft seien die Mitarbeiter seit 2004 von den Finnen enttäuscht worden.

„Während wir immer wieder Zugeständnisse gemacht haben, um unsere Arbeitsplätze zu retten, kam von der Geschäftsführung nichts”, erklärte ein sichtlich enttäuschter Betriebsrat. Von der Ankündigung Hussos, im Rahmen des Papier-Park-Konzepts weiter einen Käufer für die aktuell betroffenen Anlagen zu suchen, wollen sich die Arbeitnehmervertreter daher ebenso wenig blenden lassen wie vom Hinweis auf einen „vagen Interessenten”. Allerdings wissen sie auch, dass die Suche schwierig wird. Denn seit dem Verkauf der PM5 fehlt es an einer Produktionsmaschine für das benötigte Rohpapier. Das müsste in jedem Fall angeliefert werden, so dass angesichts der Transportkosten nur ein Interessent aus der Umgebung in Betracht kommt. Für den Fall, dass kein Käufer gefunden wird, kündigte Werres schon einmal harte Sozialplan-Verhandlungen an.

Das „Aus” der Produktion in Düren war am Mittwoch nicht der einzige Einschnitt, den M-Real bekanntgab. Auch die Werke im französischen Alizay und in Bergisch-Gladbach sollen verkauft oder geschlossen werden. „Diese Maßnahmen sind nötig, um die Rentabilität des Unternehmens auf das angestrebte Niveau zu steigern”, erklärte der M-Real-Vorstandvorsitzende Mikko Helander. Angesichts hoher Überkapazitäten auf dem europäischen Markt, machten die Werke in Düren und Bergisch-Gladbach bereits seit langer Zeit hohe Verluste, begründete der Konzern den Schritt.