1. Wirtschaft

Aachen: Luxus-Toiletten für die Scheichs

Aachen : Luxus-Toiletten für die Scheichs

Als einer der ersten Leser reagierte Peter Wirtz aus Monschau-Imgenbroich am vergangenen Dienstag auf unsere Berichterstattung über die Praktiken der Herzogenrather Firma Eurolink.

Wie viele andere Unternehmer zahlte auch er dubiose Gebühren - und wartet bis heute auf den Geschäftsabschluss.

Trotzdem ist sein Fall speziell, denn der Unternehmensberater, der den Kontakt zu Eurolink herstellte, wurde Wirtz von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen vermittelt.

„Mir ging es geschäftlich sehr schlecht”, erinnert sich Peter Wirtz an den Sommer des vergangenen Jahres. Also wandte er sich an die IHK Aachen, die ihm einen Gutachter zur Verfügung stellte. So weit ist das ein völlig normaler Vorgang.

„Das sind Berater, die wir in Krisenfällen einsetzen und die dann gegen geringes Honorar bei den bedrohten Firmen eine erste Analyse machen”, erklärt Christoph Schönberger, Geschäftsführer der IHK Aachen.

Genau das geschah auch im Fall der Firma Peter Wirtz Produktionstechnik. Kurz darauf entstand über den Berater von Wirtz der Kontakt zu Eurolink. Angeblich hätten Investoren in den Vereinigten Arabischen Emiraten für ein großes Hotel- und Villenprojekt Interesse an einer speziellen Toilette, die Wirtz erfunden hatte und für die er in Deutschland nicht sofort einen Abnehmer fand.

Wie viele andere wurde der Monschauer dann auf die Reise nach Dubai geschickt, um die potenziellen arabischen Käufer seiner Produkte zu treffen - allerdings erst nach Zahlung von 6000 Euro. „Ich habe auch für den Berater bezahlt”, erzählt Wirtz.

Die folgenden Forderungen von Eurolink konnte Wirtz nicht mehr erfüllen und schlug vor, den Betrag von der Investitionssumme von 1,5 Millionen Euro, die im Raume stand, abzuziehen. „Dann kam gar nichts mehr”, sagt der 61-Jährige. Wirtz blieb am Ball, wurde mit immer neuen Ausreden vertröstet.

Mit der Zeit wächst das Misstrauen

Mit schwindender Euphorie über das überlebenswichtige Geschäft wuchs das Misstrauen. Gleichzeitig reifte ein Verdacht in Wirtz.

„Ich habe den Eindruck, dass der Berater schon öfter mit Eurolink Geschäfte gemacht hat”, mutmaßt der Mann aus Imgenbroich und erinnert sich an die Selbstverständlichkeit, mit der sich der Berater in den Firmenräumen von Eurolink in Herzogenrath und auf der Dubai-Reise bewegte.

Bei der IHK Aachen schrillen derweil die Alarmglocken. „Es hätte natürlich Konsequenzen, wenn es da eine versteckte Vernetzung geben würde”, stellt Schönberger klar, auch wenn jeder Berater frei sei, „die Instrumente zu wählen, die er für opportun hält. Wir vermitteln ihn nur.”

Zur Klärung des Sachverhalts hat Schönberger den Unternehmensberater jedenfalls am kommenden Montag zum Gespräch gebeten. Der betreffende Berater selbst wollte im Vorfeld der Unterredung keine Stellungnahme abgeben, zeigte aber seine Bereitschaft an, sich im Anschluss an das Treffen zu erklären.

Wenn man sich vorstellt, dass jemand gezielt Kontakt zu wirtschaftlich angeschlagenen Firmen aufnehmen wollte, wäre die Zusammenarbeit zu einem solchen Berater natürlich eine wertvolle Verbindung.

Egal, ob man es Naivität oder Verzweiflung nennt - für Peter Wirtz gab es in seiner Lage keine Alternative: „Was tut man denn in einem Moment, wo einem das Wasser bis zum Hals steht? Ich habe es riskiert und bin auf die Nase gefallen.”

Zwei seiner Luxus-Toiletten hat er als Muster extra für die Araber entworfen und gebaut - für weitere 2500 Euro. Kein schönes Andenken an eine offensichtlich fehlgeschlagene Beratung...