Kronenbrot-Betriebsversammlung: Arbeitnehmer erhalten Insolvenzgeld

Betriebsversammlung bei Kronenbrot : Arbeitnehmer erhalten nun Insolvenzgeld

Knapp 30 Minuten lang informierte der Insolvenzverwalter die Belegschaft von Kronenbrot, dann war die außerplanmäßige und nicht-öffentliche Betriebsversammlung auch schon wieder beendet.

Insolvenzverwalter Dr. Biner Bähr teilte am Freitagnachmittag den 530 Mitarbeitern bei Kronenbrot mit, dass bei der Agentur für Arbeit Insolvenzgeld als Lohnersatz beantragt werde.

Insolvenzgeld wird für maximal drei Monaten gezahlt. Kurzfristig ist den Arbeitnehmern geholfen, auch wenn sich die Lohnzahlung, die regulär immer Mitte des Monats erfolgt, ein paar Tage noch hinziehen dürfte. Die Stimmung in der Belegschaft beschrieb ein Teilnehmer der Veranstaltung dennoch als „sehr schlecht“.

Bei der letzten Insolvenz vor drei Jahren hatten die Angestellten, Tarifeinschnitte akzeptiert, um zur Sicherung des Betriebes beizutragen. Jetzt stehen sie erneut vor völlig ungewissen Zeiten. In der Stellungnahme der Geschäftsleitung war davon die Rede, dass der Standort Witten eine gute Perspektive „als möglicher Kern für eine Neuausrichtung“ haben könnte. Der Standort Köln oder das Mutterhaus in Würselen wurden nicht erwähnt.

Vor Ort versuchte der Insolvenzverwalter am Freitag die Arbeitnehmer zu beruhigen. Konkreter wurde auch er nicht, er verschafft sich naturgemäß noch einen Überblick über die Ausgangslage. Ab Montag, so berichtet es ein Zuhörer, will der Jurist die Fahndung nach neuen Investoren aufnehmen.

Im Geschäftsbericht für 2017 (2018 ist noch nicht veröffentlicht) wies Kronenbrot einen Fehlbetrag von 7,37 Millionen aus. Die Zukunft wurde in dem Bericht noch durchaus rosig beschrieben. "Das von der Gesellschaft definierte und sich bereits in der Umsetzung befindende Restrukturierungsprogramm mit seinen strategischen, strukturellen und operativen Maßnahmen wird dazu beitragen, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit und die Möglichkeiten der Marktpositionierung weiter verbesser“, ist da zu lesen. „Die Weiterentwicklung und Umsetzung der Maßnahmen werden in den Geschäftsjahren 2018 und 2019 erfolgreich fortgeführt.“ Das war der Anspruch nach der ersten Insolvenz. Inzwischen weiß man, dass es ganz anders gekommen ist.

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