Aachen: Konjunkturumfrage: Handwerk will im Winter durchstarten

Aachen: Konjunkturumfrage: Handwerk will im Winter durchstarten

Darauf können nicht nur Maurer aufbauen: „Die Stimmung im Handwerk ist hervorragend“, resümiert Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen die aktuelle Konjunkturumfrage für den Herbst 2013. 16.300 regionale Betriebe wurden zu ihrer Stimmung für das kommende Halbjahr befragt. Auch die vergangenen sechs Monate waren Teil der Umfrage. Zuversicht und Optimismus herrsche in den Betrieben, sagt Deckers.

„Vor allem wenn es um den kommenden Winter geht.“ Der überwiegende Teil der Betriebe, nämlich 82 Prozent im Kammerbezirk erwarten eine gute Geschäftslage in den nächsten Monaten. „Das ist schon bemerkenswert“, findet Deckers.

„Zumal das Winterhalbjahr eigentlich das schlechtere ist.“ So auch im letzten Jahr: Anhaltendes Frostwetter, eine mäßige Weltwirtschaftslage und die andauernde EU-Finanzkrise machten dem Handwerk zu schaffen. Jetzt scheine die Delle wieder überwunden, sagt Deckers und auch die Wirtschaft in der Europäischen Union erhole sich wieder. „Das ist natürlich auch gut für das Handwerk in Deutschland.“

35 Prozent der Betriebe bewerten demnach ihre Geschäftslage gut, knapp die Hälfte finden sie befriedigend. Das sind 84 Prozent aller Handwerksbetriebe in der Region und damit deutlich mehr als noch im Frühjahr. Nur 72 Prozent der Betriebe hatten positiv in die Zukunft geblickt.

Plus in der Baubranche

Das Geschäft läuft in den einzelnen Handwerkssegmenten allerdings unterschiedlich: Ein Plus gibt es vor allem in der Baubranche — im Ausbau vermelden 89 Prozent der Betriebschefs gute oder befriedigende Geschäfte, im Bauhauptgewerbe, also bei Dachdeckern, Zimmerern, Maurern und ähnlichen Gewerken sind es 87 Prozent.

Weniger gut lief es in Betrieben, die für den persönlichen Bedarf arbeiten, also bei Friseuren, Fotografen, Kosmetikern oder Schuhmachern. Nur 73 Prozent der Betriebe finden ihre Geschäftslage im Gegensatz zum Vorhalbjahr gut oder befriedigend.

Sorgenkind bleibt das Kfz-Gewerbe. Mehr als jeder fünfte Chef kämpft hier mit einer schlechten Geschäftssituation. „Die Auftragslage macht den Leuten zu schaffen“, sagt Deckers. „Auch wenn ein Erholungsprozess sichtbar ist.

Der Euro scheint inzwischen wieder lockerer zu sitzen.“ Auch die Bäcker, Konditoren und Fleischer sind nicht mehr so positiv gestimmt, wie noch im Zeitraum von 2010 bis 2012. Deckers gibt zu, man könne von einer strukturellen Verschiebung in Richtung der großen industriellen Betriebe sprechen. „Klar spielen da die Verkaufstheken in den Supermärkten eine Rolle. Auch die Übernahme eines Bäcker- oder Fleischerbetriebs ist einfach teuer.“

Insgesamt sei die Auftragslage der Handwerksbetriebe aber gut, berichtet Deckers. 75 Prozent der Befragten vermeldeten eine gestiegene oder zumindest stabile Kundennachfrage. Erneut schneidet das kommende Winterhalbjahr gut ab: 80 Prozent erwarten ein Auftragswachstum oder gleichbleibende Nachfrage.

Entsprechend der guten Erwartungen ist auch die Umsatzlage der Betriebe. 69 Prozent der Betriebe konnten im letzten halben Jahr ihren Umsatz steigern (24 Prozent) oder ihre guten Zahlen halten (45 Prozent). Auch auf die Beschäftigtenzahlen wirkt sich das positiv aus: 17 Prozent der Unternehmen haben in den vergangenen sechs Monaten mehr Menschen eingestellt, 80 Prozent gehen davon aus, in der nächsten Zeit ihre Personalstärke beizubehalten.

Sechs Prozent planen Neueinstellungen. Ein großes Problem für das Handwerk ist allerdings nach wie vor der Fachkräftemangel. „Der Markt ist ausgetrocknet“, mahnt Deckers. „Das wird auch in Zukunft wachsende Bedeutung haben.“ Derzeit werden 778 Fachkräfte gesucht. Im vergangenen Herbst waren es noch 981 Stellen, die ausgeschrieben waren. „Ich denke, die Unternehmen resignieren einfach bei ihrer Suche“, sagt Deckers.

Bisher sind 2351 neue Lehrverträge abgeschlossen worden, das sind 3,9 Prozent weniger als im Vorjahr. „Damit sind wir im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von fünf Prozent mit einem blauen Auge davon gekommen.“ 2600 Vertragsabschlüsse erwarte er bis Jahresende, so Deckers.

Im Vergleich zum Vorjahr gibt es sogar mehr Betriebe, in denen man eine Ausbildung beginnen könnte. 19 Unternehmen mehr sind inzwischen bei der Kammer angemeldet, das sind 0,11 Prozent. Rund sieben Milliarden Euro haben die Handwerksbetriebe im letzten Jahr erwirtschaftet.

„Jeder siebte Umsatz-Euro wird also vom Handwerk erarbeitet“, sagt Deckers. Das lässt ihn auch gut gelaunt in die Zukunft blicken: „Insgesamt kann man von einem positiven weiteren Jahresverlauf und einem guten Start ins Jahr 2014 ausgehen.“