Aachen: Konferenz in der Nadelfabrik: Digitales im Braunkohlerevier

Aachen : Konferenz in der Nadelfabrik: Digitales im Braunkohlerevier

Die Frage, wie sich Digitalisierung in den Unternehmen auswirkt, lässt sich nicht einheitlich beantworten. Aber dass sie Auswirkungen haben wird, steht außer Zweifel — auch im Rheinischen Braunkohlerevier. Über die Entwicklungsmöglichkeiten der Firmen, der Kommunen und der Städte diskutierten nun Experten der IT-Branche bei der Konferenz „Digitales Revier — Aktivitäten und Ausblicke“ in der Aachener Nadelfabrik.

Einer, der die Digitalisierung in Aachen aus nächster Nähe miterlebt, ist Michael Bayer, Vorstand des Digital Hub und Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. „Aachen ist vielleicht eher bekannt als Standort für Maschinenbau und Produktionstechnik, aber der weitaus größere Teil der Beschäftigten arbeitet inzwischen in der Digitalwirtschaft“, sagte er. Entsprechend sei die Idee hinter dem Digital Hub nicht, dass man jetzt plötzlich zum Medienstandort werde, sondern vielmehr die Maschinenbauer an die digitale Wirtschaft heranführen könne.

Im ganzen Bundesland tätig ist hingegen die Initiative „Digital in NRW“ mit ihrem Geschäftsstellenleiter Sebastian Groggert. Er und sein Team beraten Unternehmen direkt vor Ort, die sich entweder aufgrund des Konkurrenzdrucks oder aus Eigenantrieb mit dem digitalen Wandel in ihrem Betrieb auseinandersetzen. „Man kann aber feststellen, dass sich insgesamt immer mehr Unternehmen damit aktiv beschäftigen und merken, dass die Digitalisierung auch Vorteile mit sich bringt.“ Gerade in der Industrie 4.0 — also der vernetzten Entwicklung und Produktion — sähen viele Unternehmer Potenzial und zeigten entsprechendes Interesse, das in ihrem Betrieb auszuprobieren.

Ob der ganzen digitalen Kommunikation sollten hingegen die realen Kontakte nicht unterschätzt werden, mahnte Johanna Schäfer. Sie hat nach ihrem Studium in Bonn ein sogenanntes Stadtteil- labor ins Leben gerufen, das in erster Linie ein offener Treffpunkt für alle Bürger sein soll. „Da kommen Jung und Alt zusammen: Gründer, soziale Initiativen aus der Flüchtlingshilfe oder auch Biobauern mit Restaurants, die regionale Produkte anbieten möchten“, erklärte sie. Solche Freiräume fehlten in vielen Städten und die Menschen würden sich dann notgedrungen in Wohnzimmern oder in der Universität treffen, wo aber kaum Querverbindungen zustande kämen.

Es ist vielleicht eine der beruhigenden Erkenntnisse bei all dem Wirbel um die Digitalisierung: Der persönliche Kontakt verliert dadurch nicht an Bedeutung. So überraschte es auch nicht, dass der nächste Programmpunkt am Tag darauf der Besuch in der „Digital Church“ war, wo die Konferenzteilnehmer ihre Ideen zum Wandel im Rheinischen Revier weiterentwickelten.

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