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Aachen: Kohl Automobile GmbH: Im Hinterhof gegründet

Aachen : Kohl Automobile GmbH: Im Hinterhof gegründet

1967 wurde das Autohaus Kohl als bescheidene Reparaturwerkstatt in einem Aachener Hinterhof gegründet. Seit 1972 werden BMW-Fahrzeuge vertrieben. Heute zählt die Kohl Automobile GmbH zu den führenden BMW-Händlern in Deutschland.

Dazu verkauft das Familienunternehmen mit 600 Beschäftigten und einem Umsatz von 160 Millionen Euro an mehreren Standorten in der Region Aachen auch Fahrzeuge von Opel, Renault, Land Rover und Mini.

Beim 8. IHK-Forum „Unternehmen in der Technologieregion Aachen”, organisiert von der Industrie- und Handelskammer und der Aachener Zeitung, stand Gisela Kohl-Vogel AZ-Redakteur Bernd Büttgens Rede und Antwort.

Einen Blick hinter die Glitzerfassade eines florierenden Autohauses erlaubte Gisela Kohl-Vogel, die zusammen mit anderen Familienmitgliedern in der fünfköpfigen Geschäftsleitung des Unternehmens sitzt.

Anschaulich schilderte sie im Haus der IHK in Aachen das oft schwierige Verhältnis zwischen den Autoherstellern und der meist mittelständischen Händlerschaft: „Das ist manchmal gar nicht so prickelnd.”

Zustimmendes Gemurmel im Auditorium, wo auffallend viele Mitwettbewerber Platz genommen hatten.

Gisela Kohl weiter: So könnten die großen Autokonzernen schon ziemlich fordernd auftreten, wenn es um die Innen- und Außendarstellung der Verkaufsräume gehe, um Abnahmeverpflichtungen für Neuwagen oder den Zwang zur Lagerhaltung.

Einschneidende Änderungen für den gesamten Branche erwartet Gisela Kohl-Vogel, wenn die Liberalisierungsanstrengungen für den Autohandel von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti Wirklichkeit werden.

Durch die Aufhebung der Sonderregeln in der so genannten Gruppenfreistellungsverordnung werden Händler künftig Fahrzeuge verschiedener Hersteller anbieten können, und das auch überregional. Zudem werden freie Anbieter den Markenwerkstätten stärker Konkurrenz machen.

In der Kohl-Geschäftsleitung stellt man sich im Augenblick auf die neue Situation ein. Mögliche Alternativen werden durchgespielt und die Risiken und Chancen erörtert. Dabei stehe, so Gisela Kohl-Vogel, die Frage im Vordergrund: Wo sind unsere künftigen Tätigkeitsfelder?

Schon jetzt stehe fest, dass man das Geschäft internationaler auf den Benelux-Raum ausrichten werde. „Wir wollen dort Kunden gewinnen, um sie in unser Boot zu holen.”

Allerdings sei im Augenblick noch nicht daran gedacht, in diesem Markt auch mit einem eigenen Standort präsent zu sein.

In Zukunft wolle man auch verstärkt die multimedialen Möglichkeiten nutzen, den Internet-Auftritt optimieren, die Internet-Akquisition verstärken und so auch eine intensivere Kundenbindung erlangen.

Zudem komme es darauf an, die Geschäftspolitik nach den veränderten Rating-Kriterien der Kreditinstitute - Stichwort: Basel II - auszurichten.

Trotz der zahlreichen anstehenden Veränderungen ist ein Grundsatz für Gisela Kohl-Vogel unveränderlich: „Wir bleiben auch in Zukunft ein Familienunternehmen.”