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Katheter-Hersteller Vygon baut am Prager Ring: „Know-How, das nicht zu verlagern ist“

Katheter-Hersteller Vygon baut am Prager Ring : „Know-How, das nicht zu verlagern ist“

Der erste Spatenstich erfolgte im Sommer: Der Medizinprodukte-Hersteller Vygon baut am Prager Ring ein Produktionsgebäude, das – anschließend an das bestehende Firmengebäude – neue Kapazitäten auf rund 3.000 Quadratmetern bieten soll.

„Wir sind in der Produktion über mehrere Jahre zweistellig gewachsen“, erklärt Geschäftsführer Raymund Heiliger. Gleichzeitig wolle man die Produktion umstellen. „In Zukunft werden wir nur noch in einer Ebene produzieren. Das heißt, das Material muss nicht mehr aufwändig über Aufzüge hoch- und runtergefahren werden.“

Rund sechs Millionen Euro investiert Vygon in den Neubau. Ende 2020 soll er in Betrieb genommen werden.

„Ein klares Bekenntnis zu unserem Standort in Aachen“, betont Heiliger: „Wir verfügen hier über eigenständiges Know-how bei den Mitarbeitern und grundsätzlich hier im Unternehmen, das nicht zu verlagern ist.“ Ein Beispiel für die Aachener Expertise sei das Fertigen von besonders kleinen Kathetern für Säuglinge und Frühgeborene – ein Nischenmarkt, den Vygon weltweit bedient. „Die Katheter haben einen Außendurchmesser von 0,3 und einen Innendurchmesser von 0,2 Millimetern. Der Draht, der per Hand zur Stabilisation eingeführt wird, ist dünner als ein Frauenhaar“, führt der promovierte Ingenieur aus.

Auch verschiedene Beschichtungsverfahren kämen exklusiv in Aachen zum Einsatz – etwa die Beschichtung der Katheter mit einem Antibiotikum und einem Fungizid, damit Bakterien und Pilze auf dem Katheter abgetötet werden. „Wir machen hier Dinge, die sonst keiner macht“, konstatiert Heiliger.

Insgesamt verfügt Vygon über neun Produktionsstätten weltweit, davon drei in Frankreich: 1962 wurde das Unternehmen in Ecouen nahe Paris gegründet, bereits 1968 erfolgte die Gründung der deutschen Niederlassung und schließlich der Bau der ersten Produktionsstätte am Prager Ring.

Seitdem sei das Unternehmen kontinuierlich gewachsen, aktuell auch durch die Entwicklungen am Homecare-Markt, also dem Markt für häusliche Pflege. „Der Patient möchte nicht mehr Wochen im Krankenhaus verbringen, nur weil er eine Antibiotika-Therapie erhält“, sagt der Vygon-Geschäftsführer. Seine Vision: „Der Arzt platziert den Katheter, der Patient verlässt das Krankenhaus und geht nach Hause, um dort von einem Homecare-Dienst betreut zu werden.“

Das sei nicht nur im Sinne des Patienten, sondern würde auch die Kosten der Krankenhäuser deutlich reduzieren. Der Knackpunkt: Wenn über den Katheter eine Infektion aufsteigt oder er sich verschließt, könnte der Patient in eine lebensbedrohliche Situation kommen. Hier setzt Vygon an mit geschultes Pflegepersonal, das vom Unternehmen sogar selbst zertifiziert wird. Außerdem fertigt Vygon Produkten, die einen höheren Sicherheitsstandard bieten als die Standardprodukte im Krankenhaus.

Der Medizinprodukte-Hersteller Vygon investiert rund sechs Millionen Euro in Aachen und will 50 neue Arbeitsplätze schaffen. Foto: Vygon

Eine Million Katheter pro Jahr

„Wir stecken viel Geld in diesen Bereich“, erzählt Heiliger. Ein zusätzlicher Außendienst in Deutschland – als Schnittstelle zwischen den Pflegediensten und dem regulären Krankenhaus-Außendienst von Vygon – befinde sich gerade im Aufbau. Auch eine Nachtschicht für die Produktion wurde unlängst eingeführt – auf freiwilliger Basis: „Sonst könnten wir unsere Aufträge nicht mehr abdecken.“

Derzeit verlassen etwa eine Million Katheter pro Jahr das Werk – durch den von der Aachener Planungsgesellschaft Plan AG konzipierten Neubau sollen es demnächst anderthalb bis zwei Millionen sein, die dann zwecks Sterilisation zunächst in ein zentrales Lager nach Frankreich verschickt werden. Außerdem sollen im Zuge der Expansion in den nächsten Jahren 50 neue Arbeitsplätze am Prager Ring entstehen.

„Die Investition ist auch ein wichtiges Signal für unsere rund 300 Mitarbeiter“, bekräftigt Heiliger, der bereits vor 31 Jahren – zunächst als Projektleiter – ins Unternehmen kam. Seit November 2000 ist er Geschäftsführer. „Ich bin da aber keine Ausnahme“, sagt er: „Wir haben viele Mitarbeiter, die hier ihre Firmenjubiläen feiern, die seit 20, 30 oder 35 Jahren bei uns sind.“

Seit 2000 Geschäftsführer von Vygon: Raymund Heiliger (62). Foto: ZVA/Harald Krömer

Und das solle auch in Zukunft so bleiben: „Es ist wichtig, dass wir die Dinge hier so betreiben, dass auch unsere Nachfolger sie weiter betreiben können, und dass die Leute, die heute bei uns anfangen, auch in 30 Jahren noch hier sind.“