1. Wirtschaft

Kleinunternehmeer und Azubis besonders in Not.

IHK zieht erste Hochwasser-Bilanz : Etwa 2500 Unternehmen in der Region von Hochwasser betroffen

Im IHK-Bezirk Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg sind 2500 Unternehmen vom Hochwasser betroffen. Besonders hart habe es Kleingewerbetreibende und Azubis getroffen.

Das Ausmaß der Katastrophe wird deutlicher: Nach Beratungsgesprächen mit Unternehmern sowie Recherchen ergibt sich für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen ein genaueres Bild darüber, wie stark die Wirtschaft in der Region Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg von den Hochwasserschäden betroffen ist: Demnach sind etwa 2500 Betriebe in den beschädigten Gebieten im IHK-Bezirk ansässig.

Bei 60 Prozent davon handelt es sich um Kleingewerbetreibende. Besonders betroffen ist dabei der innerstädtische Einzelhandel. Im Bezirk der IHK Aachen sind das etwa 500 Händler. Hinzu kommen Cafés und Restaurants, die ihren Sitz in den betroffenen Stadtzentren haben. „Viele Unternehmen, vor allem kleinere, sind nach der Coronavirus-Pandemie jetzt das zweite Mal in größte Not geraten – völlig unverschuldet und innerhalb kürzester Zeit. Sie stehen nun vor enormen Herausforderungen, einigen droht sogar das Aus“, sagt IHK-Geschäftsführer Hendrik Pauge.

Zu den betroffenen Unternehmen zählen auch viele Ausbildungsbetriebe, die ihrer Verpflichtung aufgrund der Notlage nicht wie gewohnt nachkommen können. „Die Ausbildung muss möglichst schnell wieder aufgenommen werden – denn viele Azubis haben bereits durch die Corona-Pandemie Fehlzeiten. Diese gilt es nun zu vermeiden“, erklärt Heike Borchers, Geschäftsführerin der IHK-Abteilung Aus- und Weiterbildung.

 Auf der Karte wird das Ausmaß deutlich: Die braunen Areale kennzeichnen die Bereiche, die vom Hochwasser besonders betroffen waren – hier in der Stolberger Innenstadt.
Auf der Karte wird das Ausmaß deutlich: Die braunen Areale kennzeichnen die Bereiche, die vom Hochwasser besonders betroffen waren – hier in der Stolberger Innenstadt. Foto: IHK Aachen

Damit Auszubildenden aus betroffenen Unternehmen eine schnelle Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit ermöglicht werden kann, hilft die IHK bei der temporären oder dauerhaften Vermittlung an andere Firmen. In mehreren Fällen haben sich bereits Betriebe bereiterklärt, vorübergehend Auszubildende aufzunehmen und deren Ausbildung fortzusetzen, bis eine Rückkehr möglich ist. Unternehmer, die Auszubildende aufnehmen können oder die eine temporäre Alternative für ihren beruflichen Nachwuchs suchen, können sich bei der Kammer melden.

Um notleidende Kleinunternehmer aus ihrem Bezirk zu unterstützen, hat die IHK zudem ein Spendenkonto eingerichtet und mit dem gespendeten Geld bereits die ersten Betroffenen in Form von Mikrozuschüssen unterstützt. Auf diesem Weg wurde in kurzer Zeit ein fünfstelliger Betrag gesammelt. So hat die IHK Aachen nach eigenen Angaben von Montag den ersten neun Kleinunternehmern jeweils 2500 Euro überwiesen. „Wir bedanken uns jetzt schon bei allen Spendern. Durch ihre Solidarität können wir denjenigen helfen, deren Situation derzeit besonders aussichtslos scheint“, sagt IHK-Geschäftsführer Pauge. Um zusätzliche Mikrozuschüsse gewähren zu können, ruft er zu weiteren Spenden auf. Diese können auf das Spendenkonto der IHK Aachen (IBAN: DE12 3905 0000 1073 7974 49, Verwendungszweck: Hochwasserhilfe) überwiesen werden.

Eine außerordentliche Hilfsbereitschaft erfahre die IHK Aachen derzeit auch aus der IHK-Organisation. „Besonders die ostdeutschen IHKs, die im Sommer 2002 mit der sogenannten Jahrhundertflut Ähnliches erlebt haben, haben vom ersten Augenblick an Solidarität gezeigt“, berichtet Pauge. Deren Erfahrungen ermöglichen es nun, schnelle und unbürokratische Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um der Wirtschaft vor Ort zu helfen.

Für eine finanzielle Überbrückung der Notsituation haben Unternehmen die Möglichkeit, die Soforthilfe der nordrhein-westfälischen Landesregierung in Anspruch zu nehmen und eine Auszahlung von bis zu 5000 Euro zu erhalten. Darüber hinaus können Darlehen zur Liquiditätssicherung bei der NRW-Bank über das Hausbankverfahren beantragt werden.

Fragen zu den finanziellen Hilfen, zu rechtlichen Ansprüchen oder sonstigen Aspekten rund um die Hochwasserschäden beantwortet die IHK Aachen unter der Hotline 0241/44600. Wer einen Beratungstermin mit einem IHK-Experten vor Ort im eigenen Unternehmen vereinbaren möchte, kann sich bei Philipp Piecha (Telefon: 0241 4460-270) melden. Darüber hinaus koordiniert die IHK unter dem Motto „Unternehmen helfen“ Angebote regionaler Betriebe, die beispielsweise mit Sach- oder Geldspenden unterstützen oder Gewerberäume, Geräte oder Personal kurzfristig zur Verfügung stellen. Weitere Informationen gibt es auf der IHK-Website.

(red)