Verbrennung in Weisweiler?: Kein Konsens beim Klärschlamm

Verbrennung in Weisweiler? : Kein Konsens beim Klärschlamm

Eigentlich wollten die Vertreter des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) am Dienstag im Aufsichtsrat der AWA Entsorgung GmbH vortragen, welch hervorragende Perspektiven der Bau einer großen Klärschlammverbrennungsanlage gleich neben der Müllverbrennungsanlage (MVA) Weisweiler der gesamten Region eröffne.

Doch wurden sie kurzerhand „wieder nach Hause geschickt“, wie Mitglieder des Aufsichtsrats berichteten. Den Vortrag über das Bauvorhaben, aus dem unsere Zeitung tags zuvor zitiert hatte, wollte man dort nicht hören – und zwar, weil man sich in dem Gremium sozusagen nicht zuständig fühlte.

Einem solchen Großprojekt könne man nicht mit einem Votum über einen Grundstücksverkauf vorentscheidend den Weg bereiten, lautete nach Informationen unserer Zeitung der Beschluss des Aufsichtsrates. Ursprünglich hatte die Klärschlamm-Kooperation  Rheinland (KKR), der neben dem WVER unter anderem die Städte Köln und Bonn angehören, darauf gehofft, grünes Licht für den Kauf von 30.000 Quadratmetern neben der MVA zu erhalten. Doch dazu kam es nicht.

Stattdessen soll die weitreichende Standortfrage zunächst in den betroffenen Kommunalparlamenten entscheiden werden. Hierzu soll es vorab noch im November eine gemeinsame Informationsveranstaltung organisiert werden.

Grüne kritisieren Großprojekt

Dann werden die Vertreter des WVER ihren Vortrag halten dürfen: Das Projekt sieht gleich neben der MVA bis 2028 den Bau einer Anlage vor, in der bis zu 90.000 Tonnen Klärschlamm als Trockenmasse pro Jahr aus dem gesamten südlichen Rheinland, dem Lebensraum von vier Millionen Menschen, verbrannt werden könnten. Da der Schlamm aber auch in Weisweiler getrocknet werden soll, müssten jährlich insgesamt 360.000 Tonnen Originalmasse, die zu drei Vierteln aus Wasser besteht, per Lkw antransportiert werden.

Unter anderem dies macht aus Sicht des Dürener Bundestagsabgeordneten der Grünen, Oliver Krischer, „keinen Sinn“, wie er Dienstag mitteilte. Mindestens bräuchte es dann eine dezentrale Vortrocknung und Vergärung an den Kläranlagen. Besser wäre aus Sicht der Grünen jedoch eine dezentrale Verbrennung. „Jede Region sollte sich selbst um ihre Hinterlassenschaften kümmern“, erklärte Krischer. Dazu hatten die Grünen bereits vor einigen Jahren vorgeschlagen, für die Klärschlämme aus dem Bereich des WVER eine Verbrennungsstraße der MVA Weisweiler zu nutzen.

(stm/os)
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