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Saarbrücken/Sankt Augustin: Kampf um die Bezirksmeisterschaft: Das Schornsteinfeger-Monopol fällt

Saarbrücken/Sankt Augustin : Kampf um die Bezirksmeisterschaft: Das Schornsteinfeger-Monopol fällt

Hausbesitzer müssen sich hin und wieder auf das Dach steigen lassen - oder in den Heizungskeller: Die Sicherheitsüberprüfungen durch einen Schornsteinfeger sind Pflicht.

Diese besaßen bislang das sogenannte Kehrmonopol auf die entsprechenden Dienstleistungen. Nun aber bekommen sie Konkurrenz: Die größte Reform des Schornsteinfegerwesens seit 1935 sieht vor, dass grundsätzlich auch ausländische Kaminkehrer und Sanitärbetriebe beauftragt werden dürfen.

Für Kunden bedeutet die Neuerung also eine größere Auswahl und unter Umständen geringere Kosten - sie bringt ihnen aber auch mehr Pflichten. Bis sämtliche Auswirkungen spürbar werden, vergehen allerdings noch einige Jahre.

Im Kern geht es um Folgendes: Ab sofort können Kunden entscheiden, ob sie für die gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfungen und Reinigungen den zuständigen Bezirksschornsteinfeger oder einen ausländischen Dienstleister beauftragen. Auch ein Kaminkehrer aus Frankreich, Polen oder Österreich könnte nach der neuen Regelung diese Aufgaben ausführen. „Davon profitieren vor allem Kunden an grenznahen Standorten”, sagt Gerhard Luther, Experte für Energieversorgung an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.

Auf diese Änderung des deutschen Schornsteinfegergesetzes hatte die Europäischen Union gedrängt, weil es ihrer Auffassung nach der Dienstleistungsfreiheit widersprach, dass Schornsteinfeger aus anderen EU-Ländern hierzulande nicht kehren durften. In der Praxis ist aber noch gar nicht gesagt, dass ausländische Betriebe den deutschen Kollegen die Hoheit auf deutschen Dächern streitig machen. Immerhin müssen Kunden die Anfahrtsgebühren berücksichtigen. Dadurch könnte die Rechnung für einen möglicherweise günstigeren Kaminkehrer unter dem Strich teurer ausfallen.

Für viele Immobilieneigentümer dürfte eine gewisse Wahlfreiheit daher erst Realität werden, wenn auch die Konkurrenz auf dem Binnenmarkt wächst. Bislang sichert der Gesetzgeber einem Schornsteinfegermeister ein Monopol in einem von 8000 deutschen Kehrbezirken zu. Andere inländische Schornsteinfeger haben dort vorerst weiter nichts zu suchen. Das ändert sich erst in vier Jahren, wenn ein bis dahin vereinbarter Bestandsschutz ausläuft. „Derzeit gibt es für Verbraucher noch keine sichtliche Änderung”, sagt Frank Ebisch, Sprecher des Zentralverbandes Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK) in St. Augustin bei Bonn. Der Verband vertritt unter anderem die Heizungsbauer und -installateure.

Frühestens ab 2013 können sich Heizungsbesitzer auch zwischen inländischen Handwerkern entscheiden, die die Heizungsanlage reinigen und warten. Zum Jahresende 2012 könnten die Sanitärbetriebe verstärkt auf den Markt für Schornsteinfegerdienstleistungen gehen. Ob sich das für Verbraucher günstig auswirken wird, ist allerdings noch nicht absehbar. Denn bestimmte hoheitliche Sicherheitsüberprüfungen darf auch dann weiter nur der Schornsteinfeger übernehmen.

Das gilt für die sogenannte Feuerstättenschau sowie für die Bauabnahme neuer Heizungen. Soll der beauftragte Handwerksbetrieb auch diese Aufgaben ausführen, wird er einen ausgebildeten Schornsteinfeger anstellen müssen, sagt Achim Heckel, Vorstand des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) in Saarbrücken.

Verbraucher erhalten mit den neuen Regelungen langfristig aber nicht nur mehr Auswahl - sie werden auch stärker in die Pflicht genommen. Von 2013 an müssen sie zum Beispiel selbst daran denken, dass gesetzlich vorgeschriebene Überprüfungen der Brandschutzvorschriften sowie Umweltschutzmessungen an ihren Anlagen vorgenommen werden. Bislang besuchte der Schornsteinfeger jeden Haushalt in seinem Kehrbezirk automatisch mindestens einmal im Jahr.

Künftig wird lediglich die Feuerstättenschau noch regelmäßig - zwei Mal in sieben Jahren - vom Schornsteinfeger vorgenommen. „Es ist zu befürchten, dass die Mängel an Feuerstätten zunehmen werden. Der angekündigte Besuch des Schornsteinfegers diente erfahrungsgemäß bei vielen Hausbesitzern als Erinnerungsstütze, vorher eine Wartung durchführen zu lassen”, sagt Heckel. Und wenn Heizungsbetreiber sich nicht regelmäßig um eine Wartung kümmern, zahle im Schadensfall möglicherweise die Versicherung nicht - so sehen es die Schornsteinfeger.

Aus Sicht des Eigentümerverbandes Haus & Grund in Berlin besteht aber wenig Anlass zur Sorge: „Vor dem Hintergrund des technologischen Fortschritts und eines allgemein hohen technischen Standards ist eine Überwachung der Feuerungsanlagen alle fünf Jahre vollkommen ausreichend”, sagt Präsident Rolf Kornemann. Das kurze Intervall entspreche eher den Interessen der Schornsteinfeger. Kornemann ärgert eher, dass sich auch fortan grundsätzlich zwei Handwerker um die Ordnung im Heizungskeller kümmern müssen: ein Heizungsinstallateur und ein Schornsteinfeger. Das sorge dafür, dass „Haus- und Wohnungseigentümer sowie Mieter weiterhin zu hohe Gebühren zahlen müssen”.

Üblich ist, dass ein Fachbetrieb beim Einbau eines neuen Kessels oder einer Gastherme misst, ob das Gerät einwandfrei arbeitet und nicht zu viele Abgase durch den Schornstein bläst. Etwas später klingelt dann der Schornsteinfeger und wiederholt bei seiner Routinekontrolle die Untersuchungen. Die teure Doppelarbeit ist aus Expertensicht unbegründet: „Heizungsfachleute und Schornsteinfeger verfügen über die gleichen Messgeräte”, sagt Luther. „Und es reicht, wenn einer von beiden die Sicherheit überprüft.” Schon jetzt würden Heizungsbauer die gleichen Tests wie die Karminkehrer vollziehen, um Beanstandungen und damit weitere Kontrolltermine zu vermeiden.