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Aachen: Interview: Ramòn Somoza von IBM über den Umgang mit IT

Aachen : Interview: Ramòn Somoza von IBM über den Umgang mit IT

IBM war einmal ein reiner PC-Konzern, ein klassischer Hardware-Hersteller. Dann entdeckte der Branchenriese, dass die Zukunft mehr verlangt und entwickelte sich vor allem zu einem IT-Dienstleister. Denn das erwarten die Kunden heute, wie Ramòn Somoza, Director Technical Support Service Offerings bei IBM Europe, weiß.

Davon berichtete er am Donnerstag auf dem 17. Aachener Dienstleistungsforum im Cluster Logistik auf dem Campus der RWTH Aachen. Das Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH hatte an zwei Tagen Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammengebracht. Im Interview mit unserem Redakteur Thorsten Karbach erklärt Somoza, vor welcher Herausforderung IBM steht.

Früher verkaufte IBM Hardware, jetzt sind es komplette IT-Lösungen. Warum ist es für Unternehmen wichtig, sämtliche IT-Dienstleistungen aus einer Hand zu bekommen und nicht aus ganz vielen Händen zu beziehen?

Somoza: Mit fortschreitender Globalisierung und Digitalisierung — und vor allem in Bezug auf die Kommunikation mit Kunden — wollen Unternehmen heute Lösungen, die ihnen einen schnellen Geschäftsnutzen bringen und Agilität sowie Flexibilität bieten. Diese Lösungen sind meist sehr komplex, teilweise werden sie von verschiedenen Anbietern geliefert oder sie kombinieren unterschiedliche Bezugsmodelle wie beispielsweise im Unternehmen betriebene Softwarelösungen und Cloud-Dienste. Die Anforderung besteht nun darin, die verschiedenen Lösungen und Lösungskomponenten aufeinander abzustimmen und zu integrieren. Im Sinne des Kundennutzens ist es am effektivsten, wenn ein Dienstleiter diese Aufgaben übernimmt und die Verantwortung für die Gesamtlösung trägt. Der Kunde hat somit für alle Fragen einen Ansprechpartner.

Systemausfälle im IT-Bereich können für Unternehmen Millionenausfälle bedeuten. Wie steht es denn um das Bewusstsein der Unternehmen, ihre IT entsprechend aufzustellen und zu pflegen?

Somoza: Das Selbstverständnis der IT wandelt sich: So zeigt die aktuelle IBM-CIO-Studie 2014, dass es IT-Chefs heute eher um die Unterstützung von Geschäftsprozessen geht. IT-Verfügbarkeit ist das Gebot der Stunde, denn es hat sich auch im Bewusstsein der Unternehmen verankert, dass Technologie einer der Treiber für Unternehmenswachstum ist. Heute lauten die Messkriterien, wie schnell die IT einen Service bereitstellen kann — beispielsweise zur Analyse von Kundenwünschen in Social-Media-Kanälen — und wie flexibel sie auf geänderte Marktbedingungen reagieren kann. Ob die IT im eigenen Haus bereitgestellt oder im Outsourcing- oder Cloud-Modell von einem Dienstleister wie IBM bezogen wird, spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Welche Erwartungen haben die Kunden?

Somoza: Kunden wollen in ihrem Markt mit ihren individuellen Wünschen verstanden werden. Es geht um eine Partnerschaft, in dem Anbieter wie ihr Kunde fühlen, denken und agieren. Wir müssen die Branche des Kunden mit ihren Besonderheiten ebenso wie sein Geschäftsmodell verstehen, um ihn zu beraten, ein individuelles Konzept zu entwickeln und so einen echten Mehrwert in die Partnerschaft zu bringen. Dieses Motto „Be interested, be interesting“ begleitet mich in vielen Kundengesprächen. Es beginnt mit Zuhören, als Basis für maßgeschneiderte und individuelle Lösungen.

Und welche Möglichkeiten können Sie den Unternehmen aufzeigen, von denen diese vielleicht noch gar nichts wissen?

Somoza: Wenn Unternehmen wüssten, was sie wissen! Unternehmen verfügen über eine Unmenge an Daten — auch Big Data genannt. Sie nutzen diese meist noch nicht gewinnbringend, weil ihnen die Werkzeuge fehlen und sie sich des Wertes dieser Daten nicht voll bewusst sind. Rund 80 Prozent des Gesamtdatenvolumens besteht aus unstrukturierten Daten, die durch intensive Social-Media-Kommunikation, die Nutzung von mobilen Endgeräten oder durch Sensoren — Stichwort Internet der Dinge — entstehen. Wir unterstützen Unternehmen mit Technologien dabei, diese Daten intelligent zueinander in Beziehung zu setzen und möglichst in Echtzeit zu analysieren, so dass Geschäftsabläufe und Entscheidungsprozesse gezielt unterstützt werden.

Was verspricht die Zukunft beispielsweise mit Blick auf Clouds?

Somoza: Cloud Computing wird aus dem Unternehmensalltag nicht mehr wegzudenken sein, ist es doch die Basis für Transformation und Innovation des Geschäftsprozesses im Unternehmen. Sie können so schneller auf aktuelle Geschäftsentwicklungen reagieren. Denn: Mit zunehmender Digitalisierung und kundenzentrierten Geschäftsmodellen geht es um schnelle Reaktion und Aktion, und hier ist Cloud häufig die wirtschaftlich beste, manchmal auch einzig mögliche Lösung.