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Aachen: In Gemeinschaftspraxis nur einmal pro Quartal zahlen - Gesundheitsreform-Serie Teil 8

Aachen : In Gemeinschaftspraxis nur einmal pro Quartal zahlen - Gesundheitsreform-Serie Teil 8

Müsste das „(Un-)Wort” für 2004 jetzt schon gewählt werden: Die „Praxisgebühr” hätte sicher beste Chancen.

Über die für viele Patienten ärgerliche Tatsache hinaus, 10 Euro auf die Theke der Arztpraxis legen zu müssen, sorgen zahlreiche Zweifelsfragen dafür, dass Unmut über die neue Zwangsabgabe in der gesetzlichen Krankenversicherung herrscht.

ie Kassenärztliche Bundesvereinigung hat solche Zweifelsfragen zusammengestellt - und beantwortet. Eine Auswahl:

Ein Zivildienstleistender muss die 10 Euro nicht berappen, da er nicht als „gesetzlich Krankenversicherter” zum Arzt geht, Soldaten der Bundeswehr ebenfalls nicht.

Auch Beamte sind von der direkten Zuzahlung ausgenommen; sie werden im Rahmen der Beihilfe zur Kasse gebeten (wenn auch nach bisheriger Rechtslage im Regelfall weniger stark).

Auch nach einem Arbeitsunfall wird nicht kassiert.

Ein 17-Jähriger geht einen Tag vor seinem 18. Geburtstag zum Arzt - und ist befreit. Zwei Tage später kommt er zur Nachuntersuchung - und muss 10 Euro mitbringen.

Ein Versicherter hat bei seinem Hausarzt 10 Euro bezahlt. Er wechselt die Krankenkasse und wird vom selben Arzt weiterbehandelt. Es wird keine neue Gebühr fällig - auch nicht nach einer Überweisung zu einem Facharzt im selben Quartal.

Ein Versicherter ist in hausärztlicher Behandlung und hat 10 Euro bezahlt. Er zieht um und wird von einem anderen Hausarzt am neuen Wohnort weiterbehandelt. Dort hat er im selben Quartal erneut 10 Euro zu berappen - es sei denn, er hat sich vom bisherigen Hausarzt eine Überweisung ausstellen lassen.

Ein freiwillig Versicherter hat mit seiner Krankenkasse „Kostenerstattung” vereinbart. Er braucht beim Arzt keine 10 Euro zu hinterlegen, da ihm dieser Betrag von der Summe abgezogen wird, die ihm seine Krankenkasse ersetzt.

Ein Versicherter wird in einem Krankenhaus ambulant operiert und zahlt 10 Euro. Zur Nachbehandlung geht er zu seinem Hausarzt. Er braucht dort nicht erneut die Praxisgebühr zu zahlen.

Auch bei (nur) einem telefonischen Arzt-Patientenkontakt ist die Praxisgebühr zu bezahlen. Der Patient muss den Betrag überweisen oder in die Praxis bringen. Entsprechendes gilt, wenn ein Patient beim Besuch der Praxis kein Geld dabei hat.

Ein Patient wird wegen eines akuten Vorfalls von einem „nicht zugelassenen” Arzt behandelt. Falls der keine Privatrechnung ausstellt, sondern sich bei der Kassenärztlichen Vereinigung einen „Notfallschein” besorgt, werden die 10 Euro fällig.

Ein Augenarzt stellt eine Operation in Aussicht. Der Patient geht im selben Quartal noch zu einem anderen Augenarzt, um eine „Zweitmeinung” einzuholen. Die Gebühr wird erneut fällig.

Ein Hausarzt überweist Ende März einen Patienten zum HNO-Arzt, wo er allerdings aus Termingründen erst Anfang April untersucht werden kann. Die Gebühr wird zweimal fällig.

Ein Versicherter wird ambulant im Krankenhaus operiert. Dabei wird Gewebe entnommen und beim Pathologen histologisch untersucht. Die Gebühr fällt nur einmal an, da beim Pathologen nicht der Patient, sondern Körpermaterial untersucht wurde.

Ein Versicherter, der ohne Überweisungsschein nach dem Hausarzt einen Augenarzt aufgesucht (und dort abermals 10 Euro bezahlt) hat, erhält nachträglich einen Überweisungsschein und bittet den Augenarzt um Rückzahlung der 10 Euro. Der Augenarzt ist dazu nicht verpflichtet (es ist ihm aber nicht verboten).

Ein Versicherter legt bereits Anfang März eine Bescheinigung seiner Krankenkasse vor, nach der die Belastungsgrenze von einem oder zwei Prozent erreicht hat. Er sucht einen Facharzt ohne Überweisungsschein auf. Die an sich fälligen 10 Euro brauchen nicht bezahlt zu werden.

Nachdem eine Krankenkasse einen Befreiungsausweis ausgestellt hatte, wird eine andere Kasse zuständig. Solange von dort noch keine weitere Befreiungsbescheinigung vorgelegt werden kann, ist beim nächsten Arztbesuch die Praxisgebühr wieder fällig. Sie wird auf Antrag von der neuen Krankenkasse erstattet.

Eine Versicherte erhält eine Schutzimpfung; Die Frau wird ansonsten nicht behandelt. Es besteht keine Zahlungspflicht. Entsprechendes gilt für Leistungen im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge und für Früherkennungsuntersuchungen.

Ein Hausarzt geht in Urlaub und wird durch einen in der Nachbarschaft tätigen Hausarzt vertreten. Dort wird die Praxisgebühr nicht erneut fällig. Entsprechendes gilt, wenn der Hausarzt (oder ein erstbehandelnder Facharzt) erkrankt ist.

Ein Versicherter wird von einem in einer Gemeinschaftspraxis tätigen Mediziner behandelt und hat 10 Euro bezahlt. Wenig später konsultiert er einen anderen der Gemeinschaftspraxis angehörenden Arzt. Er braucht die Gebühr nicht erneut zu entrichten.

Anderes Recht gilt für Praxisgemeinschaften. Wechselt hier ein Patient ohne Überweisung zu einem anderen Arzt der Gemeinschaft, so hat er erneut die 10 Euro aufzubringen.

Ein Versicherter, der bereits von seinem Hausarzt behandelt wurde, muss während des Urlaubs ebenfalls einen Arzt für Allgemeinmedizin aufsuchen. Er wird auch dort mit 10 Euro zur Kasse gebeten.