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Berlin/Washington: Immer mehr Spione forschen Wirtschaft aus

Berlin/Washington : Immer mehr Spione forschen Wirtschaft aus

Das Stelldichein der Spione aus aller Welt in Deutschland wird „immer heftiger und umfangreicher”. So stellte ein Verfassungsschützer am Wochenende die „Spionagelage” in der Bundesrepublik dar.

Selbst befreundete Länder würden vor der Ausspähung der deutschen Spitzentechnologie nicht zurückschrecken. Um Komplikationen zu vermeiden, würden solche Erkenntnisse aber „lieber untergebuttert”.

In Washington bestätigte ein CIA-Mann: „Wir bekommen auch schon mal einen Auftrag für einen Einsatz in Deutschland”. Im neuen Verfassungsschutzbericht wird die „immer drastischere Wirtschaftsspionage in Deutschland” angeprangert.

Unverblümt stellt der Report fest, dass „mit massiven Computer-Spähattacken und dem Einsatz von Spionen der Bundesrepublik geschadet wird”.

Die Angriffe werden nach Darstellung von Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm „dreister”. Beklagt wird in dem Bericht, dass „Wirtschaftsspionage im Rahmen des globalen Ringens um Markanteile und Dominanz immer mehr an Bedeutung gewinnt”.

Das schädige die deutsche Wirtschaft und vernichte Arbeitsplätze. Wie zu erfahren war, liegen die Verluste in „hohen Milliardensummen”. Die aktuell gefährlichste Bedrohung sieht der Verfassungsschutzreport in Angriffen aus dem Internet auf Wirtschaftsunternehmen und Regierungsstellen.

Fromm wies darauf hin, dass gerade die Ausspähung von brisanter deutscher Rüstung abgewehrt werden müsse. Ohne den Iran zu nennen, meinte Fromm, es müsse verhindert werden, dass Material Deutschland verlasse, das zur Herstellung und Verbreitung von Massenvernichtungswaffen dienen könnte.

Der iranische Geheimdienst nutzt seit vielen Jahren ein in der Bundesrepublik eingerichtetes geheimes Netzwerk zur Beschaffung von solchem Material.

Welche Länder in Deutschland besonders aktiv und hartnäckig spionieren, übergeht der Report der Verfassungsschützer dezent. Ausdrücklich wird nur Russland genannt.

In einem „Befehl” hatte Ex-Präsident Wladimir Putin seine Dienste angewiesen, die Rüstungsindustrie Deutschlands noch stärker auszuspähen, um sich Eigenentwicklungen zur schnelleren Verstärkung seiner Armee zu ersparen.

Hunderte von russischen Spionen sollen sich als Diplomaten, Journalisten und Kaufleute getarnt auf deutschem Boden tummeln. Eine weitere „Spitzenstelle” auf dem Spionagemarkt in der Bundesrepublik nehmen die Chinesen ein.

Sie hatten es sogar fertig gebracht, „Trojaner” auf zahlreichen Computern des Bundeskanzleramtes und mehrerer Bundesministerien zu etablieren. Chinas Spionage spiele sich in Deutschland in Sachen Wirtschaft hauptsächlich auf dem elektronischen Sektor ab, berichtete ein Verfassungsschützer.

Auch andere fernöstliche Länder haben es auf die moderne deutsche Telekommunikationstechnik im Computerbereich abgesehen. „Die Wirtschaftsspionage von unseren besten Freunden und Verbündeten ist ein ganz heißes Eisen”, erläuterte ein Verfassungsschützer.

„Darüber wird nicht gesprochen, wenn so etwas auffliegt”. Er erinnerte an das „ französische Beispiel”. Die Franzosen hatten seinerzeit mit ihrem Geheimdienst DGSE (Direction Generale de la Securite Exterieure) die Verhandlungen von Siemens über die Lieferung von schnellen Zügen an Südkorea belauscht.

Der französische Konkurrent TGV konnte dadurch die Deutschen unterbieten und erhielt den Zuschlag. In aller Stille wurde vor geraumer Zeit ein US-Diplomat von der Bundesregierung ausgewiesen.

Er war ein CIA-Mann und war auf deutsche Hightech-Firmen angesetzt. Der Amerikaner hatte versucht, Verbindung zu einem Beamten im Wirtschaftsministerium aufzunehmen. Washington nahm die Blamage mit eisigem Schweigen hin.