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Banken und Verbände gemeinsam gegen die Krise: Im Schulterschluss für die Unternehmen

Banken und Verbände gemeinsam gegen die Krise : Im Schulterschluss für die Unternehmen

Die Krise ist beispiellos, die Gegenwehr aber auch. Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie rückt die regionale Wirtschaft so eng zusammen wie nie zuvor.

Innerhalb von nur 72 Stunden hat sich eine Allianz aus insgesamt 42 Sparkassen, Geschäfts- und Genossenschaftsbanken, Kammern und Verbänden formiert. Von der Industrie- und Handelskammer bis zu den Volksbanken, von den Kreishandwerkerschaften und dem Hotel- und Gaststättenverband bis zu den Wirtschaftsförderern zwischen Heinsberg und der Eifel eint sie ein Ziel: Helfen, wo Hilfe in diesen Tagen dringend nötig ist – „mit allen unseren Möglichkeiten“, wie Norbert Laufs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen am Mittwoch in einem Pressegespräch mit anderen Vertretern des Bündnisses betonte.

„Für viele Betriebe und Einzelhändler ist die Lage existenzbedrohend“, sagte Laufs. Das zeigt sich an dem enormen Beratungsbedarf: Nicht nur bei den Kammern und Banken glühen in diesen Tagen die Hotlines. Der Sparkassenchef lobt den außerordentlichen Einsatz der Berater, bittet aber auch um Verständnis, wenn etwas mal nicht auf Anhieb klappt.

Vorsitzender der Sparkasse Aachen: Norbert Laufs. Foto: Sparkasse Aachen

Lob gibt es für Bund und Länder, die in Rekordzeit gigantische Hilfspakete auf den Weg gebracht haben, oder für die Bezirksregierung, die bei der Auszahlung der Soforthilfen Tempo macht: „Das läuft super.“ Forderungen an die Politik gibt es allerdings auch, etwa die, die Haftungszusagen für Kredite noch weiter ausweiten. Das sieht auch Gisela Kohl-Vogel so, die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen.

Vor allem Firmen mit mehr als 50 Mitarbeitern müsse mehr geholfen werden. Auch sie bräuchten vielfach Liquiditätshilfen. Förderbanken wie die KfW und die NRW.Bank könnten ihre Prüfungsverfahren stärker vereinfachen. Aber auch die Solidarität der Firmen untereinander sei gefordert wie nie zuvor: „Die Starken müssen den Schwächeren helfen“, sagte die IHK-Chefin. Aber, das sei überall zu beobachten: „Die Hilfsbereitschaft ist riesengroß.“

IHK-Präsidentin Gisela Kohl-Vogel blickt zuversichtlich in die Zukunft. Foto: MHA/Stadtbild/Renate Schütt

Dieter Philipp, ihr Kollege von der Handwerkskammer Aachen, pflichtete bei: „Jetzt geht es darum, die Lasten gemeinsam zu tragen und die Folgen der Krise gemeinsam zu ertragen.“ Corona trifft nach Philipps Ansicht nicht alle gleich heftig. Da gibt es den Friseur oder die Kosmetikerin, die von einem auf den anderen Tag keinen Euro mehr einnehmen und nicht wissen, wie sie die nächste Ladenmiete zahlen sollen. Und dann gibt es andere, deren Auftragsbücher (noch) gut gefüllt sind und die flexibel handeln können.

Natürlich, betonte der Handwerkskammerpräsident, geht es jetzt zuerst um die Gesundheit der Bürger und das Stabilisieren der Wirtschaft. „Aber die Krise darf nicht dazu führen, dass sich der Fachkräftemangel durch Entlassungen noch weiter verschärft“, warnte Philipp. Da lauere „ein ganz großes Risiko“.

Der Lockdown stellt auch viele Gründer vor Probleme. Vor allem, was die finanzielle Zukunftsplanung betrifft. Denn viele Businesspläne würden in diesen Tagen zu Makulatur, sagte Lothar Mahnke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Agit. Ob und wie Staat und Banken gezielt schlingernden Start-ups helfen können, diese Frage stelle sich eher in der zweiten Jahreshälfte.

Bei aller Besorgnis sieht Sparkassen-Chef Laufs in der Krise auch Chancen. Die Gesellschaft brauche in der Nach-Corona-Zeit ein neues Verständnis von Solidarität, gerade mit dem lokalen Handel. „Es ist nicht gut, immer dem billigsten Anbieter hinterherzulaufen“, sagte er. „Wir sind für Sie da!“, versichern die Vertreter der Allianz allen, die Hilfe suchen. Das sei ein klares Signal – ein Signal der Hoffnung in harten Zeiten.