1. Wirtschaft

Aachen: Hohe Kosten begraben Baubetriebe unter sich

Aachen : Hohe Kosten begraben Baubetriebe unter sich

Die Auftragseingänge bei der regionalen Bauwirtschaft ziehen zwar wieder an, doch der Personalabbau in den Stammbelegschaften geht weiter. Die Löhne sind zu hoch, zudem verteuern sich Beton und Stahl beträchtlich.

Wie die Vertreter der Industrie, Joachim Neßeler und Peter Derichs, sowie des Handwerks, Georg Quadflieg, am Dienstag in Aachen erklärten, seien die Personalkosten für inländische Beschäftigte jetzt derart hoch, dass „auf keiner Baustelle mit deutschen Löhnen kalkuliert” werden könne. Würden die Betriebe dies tun, lägen sie 20 bis 30 Prozent über den Angeboten der Konkurrenten.

Die inländischen Unternehmen können sich damit arrangieren, indem mehr EU-Ausländer in Subunternehmen herangezogen würden. Für deutsche Maurer oder Betonbauer bedeute das aber die Arbeitslosigkeit. „Es geht um den deutschen Bauarbeiter.” Gegensteuern ließe sich mit einer „Verlängerung der Wochenarbeitszeiten ohne Lohnausgleich” sowie mit weniger Urlaubstagen.

2003, dem elften Rezessionsjahr der Branche, verringerten die in der Statistik erfassten 84 Baubetriebe zwischen Erkelenz und Euskirchen die Beschäftigtenzahl um 5,9 Prozent auf 5192, die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter stieg um 3,9 Prozent auf 2527. Die Umsätze schrumpften um 5,0 Prozent auf insgesamt 596,3 Millionen Euro, doch die Auftragseingänge kletterten um 4,6 Prozent auf 557 Millionen Euro.

Scharfe Kritik übte Quadflieg an dem 2. Modellversuch des Landes NRW „VOB/A” (Verdingungsordnung für Bauleistungen). Mit dem Projekt sollen in ausgewählten Kommunen, darunter die Städte Aachen, Düren und Eschweiler, deutliche Einsparungen bei Bauaufträgen erzielt werden. Das vereinfachte Vergabeverfahren „öffnet der Korruption Tür und Tor”, so Quadflieg. Wer meine, billiger bauen zu können, irre. „Das Gegenteil wird der Fall sein.” Das Projekt gestattet u.a., Nachverhandlungen über Preise, Qualität sowie die technische Ausführung mit den Bietern zu führen.