Börse in Frankfurt: Hoffnung im Handelsstreit beflügelt Dax

Börse in Frankfurt: Hoffnung im Handelsstreit beflügelt Dax

Positive Signale im US-Handelsstreit mit China sowie unerwartet gute Wirtschaftsdaten haben dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag einen kräftigen Schub nach oben gegeben.

Der Dax schloss mit einem Plus von 1,49 Prozent bei 10 780,51 Punkten und machte damit seinen Kursrückgang von rund 1,5 Prozent zum Wochenstart wieder wett. Allerdings büßte der Leitindex ein gehöriges Stück seines satten Nachmittagsgewinns im späten Handel wieder ein. Auch die Kursgewinne im MDax bröckelten im Schlussgeschäft merklich ab, der Index gewann letztlich 0,67 Prozent auf 22 220,88 Zähler.

In den Handelskonflikt zwischen China und den USA scheint Bewegung zu kommen. US-Präsident Donald Trump sprach am Dienstag auf Twitter von „sehr produktiven Gesprächen mit China“. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor gemeldet, China bewege sich in Richtung einer Senkung der Zölle auf importierte US-Autos. Im späten Handel sorgte jedoch die Meldung für einen erheblichen Dämpfer, wonach ein ehemaliger kanadischer Diplomat in China verhaftet worden sei. Dies löste Spekulationen über eine mögliche chinesische Vergeltungsaktion für die Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada aus.

Der EuroStoxx 50 endete 1,27 Prozent höher bei 3055,32 Punkten. Für den Pariser Leitindex Cac 40 und den Londoner FTSE 100 ging es um jeweils rund 1,3 Prozent nach oben. Der Dow Jones Industrial stand zum Handelsschluss in Europa mit etwa 0,2 Prozent im Plus.

Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im Dezember überraschend weiter verbessert. Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte, stieg der entsprechende Indikator, während Analysten im Schnitt einen Dämpfer erwartet hatten.

Unterdessen geht die Hängepartie um den Brexit weiter und könnte jederzeit wieder zur Belastung für die Märkte werden. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schloss am Dienstag Nachverhandlungen über die Vereinbarung mit Großbritannien noch einmal kategorisch aus: „Jeder muss wissen, dass der Austrittsvertrag nicht noch einmal aufgemacht wird“, sagte Juncker. May hatte das für Dienstagabend geplante Parlamentsvotum über das Brexit-Abkommen abgesagt, weil eine Ablehnung absehbar war.

Aus Branchensicht gehörten Autowerte wegen neuer Hoffnungen im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt zu den attraktivsten Sektoren. So verteuerten sich die Aktien von Daimler, BMW und Volkswagen zwischen 1,8 und 3,6 Prozent. BMW und Daimler lassen für den chinesischen Markt bestimmte Fahrzeuge unter anderem in den USA fertigen.

Unter den Einzelwerten waren Linde-Aktien mit einem Plus von mehr als 4 Prozent Spitzenreiter im Dax. Wie bereits am Vortag bekannt wurde, will Linde nach dem Zusammenschluss mit Praxair Aktien im Umfang von bis zu einer Milliarde US-Dollar zurückkaufen.

Aktien von Bayer gewannen 3,4 Prozent. Laut Händlern liefern weiterhin Spekulationen über die Pläne des umtriebigen Hedgefonds Elliott Rückenwind. Der fordert laut jüngsten Medienberichten eine Zerschlagung des Agrarchemie- und Pharmakonzerns. Die Aktien der ehemaligen Bayer-Tochter Covestro erholten sich nach einer Empfehlung der Bank Morgan Stanley um 2,8 Prozent.

Die Einführung von Apple Pay bei den Bezahlsystemen von Wirecard war ganz nach dem Geschmack der Anleger. Die Papiere rückten um 3,2 Prozent vor.

Nach einer Gewinnwarnung brachen die Papiere der Hornbach Holding um mehr als 16 Prozent ein und fielen auf den tiefsten Stand seit acht Jahren.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,11 Prozent am Vortag auf 0,13 Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,13 Prozent auf 141,58 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,16 Prozent auf 163,44 Punkte zu. Der Euro verlor nachmittags stärker an Wert und notierte zuletzt bei 1,1310 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1379 Dollar festgesetzt.

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