1. Wirtschaft

Würselen: Hans Peter Simons: „Da tobt ein riesiger Kampf”

Würselen : Hans Peter Simons: „Da tobt ein riesiger Kampf”

Im Besprechungs- zimmer bestimmen auf weißer Glasfasertapete zahlreiche Karikaturen die Atmosphäre: Alle beschäftigen sich mit der Steuerpolitik. Von Waigel bis Eichel.

Sie sind eine Botschaft, und die lautet: Der Mittelstand hat es nicht einfach in diesem Land. Hans Peter Simons kann leicht und aus dem Stehgreif das Kapitel rhetorisch fortsetzen.

44 Jahre ist er „im Geschirr”, wie der Inhaber des Möbelhauses „Wohnwelt Pallen” im Gewerbegebiet Aachener Kreuz das selber nennt. 30 Jahre alt wird das Unternehmen an dem Standort in diesen Tagen, und seit über 30 Jahren ist Hans Peter Simons dabei, davon 27 Jahre als Inhaber.

Die Erfolgsstory reklamiert er nicht für sich alleine. Er nennt seine Frau, die ganze Familie, seine beiden Geschäftsführer Jürgen Haas und Dirk Hoppe in einem Atemzug.

Und natürlich seine Mitarbeiter, die aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden stammen und dem Unternehmen auch auf diese Weise eine euregionale Attitüde verleihen. Das entspricht dem Anspruch des Hauses, das sich so euregional versteht - natürlich mit Kunden in den Nachbarländern.

Während wir uns unterhalten, sind die Parkplätze draußen allmählich wegen Überfüllung geschlossen.

Bleibt noch das Parkhaus für 1000 Autos. Das hat er vor fünf Jahren bauen lassen. Es ist Teil einer ständigen Erweiterung gewesen, die Simons in der Retrospektive so beschreibt: „Wir haben immer dann investiert, wenn wir Geld dafür hatten.” Das ist die Philosophie des Mittelstandes.

Begonnen hatte alles in einer alten Broichweidener Zigarrenfabrik, und der junge Simons setzte seinem Chef Pallen - wieder eigene Diktion - „die Pistole auf die Brust”.

Und sprach: „Entweder bauen wir auf dem Kaninsberg neu oder ich gehe.” Hans Peter Simons blieb und Pallen baute neu. Der damalige Großhandel eröffnete am 22. September 1972 auf der grünen Wiese, die heute längst ein viel beachtetes Gewerbegebiet ist.

Drei Jahre später kaufte Simons den Betrieb, freilich noch anders als bei späteren Investitionen, „auf Pump. total auf Pump”. 1984 machte er aus dem Großhandel einen Einzelhandel: Die „Wohnwelt” war geboren. Unter diesem Label sind mittlerweile 33 Fachmärkte angesiedelt.

Diese Konzeption gibt es in Deutschland so nur zwei Mal, außer in Würselen noch in Süddeutschland. Natürlich hat er damals auf billige Ware gesetzt, aber das hat sich geändert.

Die Palette ist groß, 154 Marken sind vertreten. Und drei Restaurants. Und ein Konzept, das der Fachmann neudeutsch „Kids World” nennt.

Service ist beim Chef natürlich Chefsache, weil Stammkunden immer wichtiger werden. Und das erlaubt uns einen Blick auf den Markt der Möbel: „Alleine in den letzten zwei, drei Jahren sind im Großraum Aachen 100 000 Quadratmeter Fläche neu entstanden. Da tobt ein riesiger Kampf, völlig idiotisch.”

Umso wichtiger sei es momentan, auf Stammkunden setzen zu können. „Das bestätigt, dass es die einzig richtige Entscheidung war, auf Service und Zuverlässigkeit zu bauen.” Das beinhaltet neben der normalen Garantie Kulanz und ständigen Preisvergleich.

„Wahnsinnig schwierig” nennt Hans Peter Simons die Suche nach motivierten und kompetenten Verkäufern. Die Arbeitszeiten seien wenig attraktiv, das bekannte Bild deutscher Dienstleistungsmentalität spiegelt sich hier eindrucksvoll wider.

Ideen, Schnelligkeit, Einstellung auf den Markt, Ehrlichkeit gegenüber Kunden und Mitarbeitern: Das seien die Garanten für den Erfolg und nicht nur Kapital. Vor allem in schlechten Zeiten. „Der Markt ist so schlimm, so etwas kenne ich gar nicht.”

Seit knapp zwei Jahren brechen die Umsätze ein, die Konjunktur setzt enge Grenzen. Und so spricht Simons wohl für den Großteil der Branche, wenn er sagt, dass viele Leute Angst haben, Geld auszugeben und den Kauf der neuen Polstergarnitur erst einmal verschieben. Auch die Abhängigkeit von der Bauindustrie ist eklatant: Wenn seltener neue Wohnungen bezogen werden, spielen neue Möbel nicht die große Rolle.

Und so stagniert der Markt auch in der Entwicklung, zum Beispiel bei den Oberflächenhölzern. Ähnlich gilt das für das Design. Entwürfe liegen zwar in den Schubladen der Fabriken, aber die haben für neue Entwicklung nicht das nötige Geld.

Gestatten wir uns zum Schluss dennoch einen Ausblick: Das typische Stilmöbel wird immer uninteressanter, gefragt ist moderne Kreativität, und das zum attraktiven Preis.

„Der Kunde kauft nicht mehr fürs Leben. Wir brauchen Produkte, die zu einem bezahlbaren Preis eine entsprechende Optik schaffen.” So sei es kein Wunder, dass es parallel zum Originalmarkendesign oft ein „Schwesterchen und Brüderchen” gebe.

Da sind wir fast schon wieder bei der Familie. Tochter Alexandra Simons-de-Ridder war ebenfalls einige Jahre im Unternehmen, ehe sie als Dressurreiterin und Mannschaftsolympiasiegerin eine sportliche Erfolgsgeschichte schrieb. Und sicher weiter schreibt. Das liegt eben in der Familie.