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Aachen: Handwerk zehrt von der Substanz

Aachen : Handwerk zehrt von der Substanz

Von der konjunkturell schwierigsten Phase seit 50 Jahren spricht die Aachener Handwerkskammer.

Viele Betriebe zehrten von der Substanz und bewegten sich an den Grenzen ihrer Existenzfähigkeit.

Dieses Fazit zog Hauptgeschäftsführer Ralf W. Barkey am Dienstag bei der Erläuterung der Frühjahrsumfrage im Kammerbezirk, die die Lage in den letzten sechs Monaten skizziert und laut Barkey das schlechteste Umfrageergebnis seit 1972 erbrachte.

Die Antworten von 631 Betrieben spiegeln in der Tat ein pessimistisches Stimmungsbild wider. Die deutlichen Rückgänge bei Umsätzen, Aufträgen sowie steigende Kosten und Preise lassen kaum Spielraum für Investitionen - nur vier Prozent der Betriebe wollen dafür mehr Geld ausgeben - und insbesondere für Neueinstellungen.

Nur 2,4 Prozent der Unternehmen prüfen eine Vergrößerung der Belegschaft, nachdem 40 Prozent im Winter Stellen abgebaut haben. Die Hochrechnung der Kammer besagt, dass im vergangenen Jahr rund 5000 Arbeitsplätze im Handwerk zwischen Erkelenz und Euskirchen gestrichen wurden - die Gesamtzahl fiel entsprechend von 110 000 auf 105 000 in den registrierten 14 000 regionalen Handwerksbetrieben.

Aber wenn auch 55 Prozent der befragten Betriebe bei Umsätzen und Aufträgen weitere Rückgänge erwarten und Personal abbauen wollen - damit übersteigt erstmals das so genannte Stimmungsbarometer die 50-Prozent-Marke - , so spricht Barkey mit Blick auf den Arbeitsmarkt doch vom „Prinzip Hoffnung”.

Der Stellenabbau werde sich jedenfalls verlangsamen, sagt Barkey und verweist darauf, dass auch zehn Prozent der Betriebe von unbesetzten Stellen sprechen. Die Zahl der offenen Stellen im Vollhandwerk belaufe sich jedenfalls rechnerisch auf 0,2 Prozent pro Betrieb, so das man „realistischerweise” davon ausgehen könne, dass zwischen 500 und 1000 neue Mitarbeiter gesucht würden. Dabei handelt es sich vorwiegend um Metall- und Straßenbauer, Mitarbeiter in Bäckereien und Gebäudereiniger.

Und nicht zuletzt: In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer sind zur Zeit 290 freie Stellen gemeldet, obwohl laut Barkey die neuen Ausbildungsordnungen zusätzliche Unsicherheiten für die ausbildenden Betriebe bringen.