Friseurin gewinnt Visionplus-Unternehmerinnepreis

Unternehmerinnenpreis 2018 : Eine mutige Friseurin auf Expansionskurs

Der Visionplus-Unternehmerinnenpreis zeichnet Frauen aus, die mit Erfolg den Schritt in die Selbständigkeit gewagt haben. In diesem Jahr wird die Friseurmeisterin Andrea Bäcker ausgezeichnet.

„Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende“, sagte Nina Leßenich, Redakteurin des Zeitungsverlages und Moderatorin bei der Verleihung des Visionplus-Unternehmerinnenpreis 2018 am Montagabend in den Räumen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen. Besonders viel Glück stand Andrea Bäcker ins Gesicht geschrieben. Sie gewann an diesem Abend den mit 3000 Euro dotierten Preis.

Die gelernte Friseurmeisterin hat mit „Einfach schönes Haar“ seit 2009 ein Friseurunternehmen aufgebaut, mit dem sie neue Wege geht: Sie übernimmt bestehende Friseurläden, die keinen Nachfolger finden, macht sie zu eigenen Filialen und modernisiert sie bei bestehender Mitarbeiterschaft behutsam.

Sieben Salons und 45 Mitarbeiter

Mittlerweile hat die 36-Jährige aus Würselen sieben Salons mit 45 Mitarbeitern, darunter zehn Auszubildende. Und ihr Unternehmen soll weiter wachsen. „Wenn erst mal alles läuft, kribbelt es schon bald wieder“, wusste sie von bisher nicht versiegtem Unternehmerinnengeist zu berichten.

Die Jury hatte besonders die pragmatische Herangehensweise Bäckers überzeugt. „Es braucht eben nicht viel, um zu modernisieren“, lautete eine Jury-Begründung. Zudem sei der Umgang mit dem Fachkräftemangel wegweisend: Bäckers Ansatz: gute Führung, gute Bezahlung und die Möglichkeit für Filialleiterinnen, in das Unternehmen miteinzusteigen.

Zweiter Platz für Manuela Baier

Auch Manuela Baier durfte sich freuen: Für ihre Visionen und Umsetzungen rund um ihr „Landhotel Kallbach“ in Simonskall wurde sie mit dem zweiten Platz von Visionplus ausgezeichnet und durfte ein Preisgeld von 1500 Euro in die Eifel nehmen. „Genau vor vier Jahren habe ich mich mit dem Vorbesitzer auf einen Preis geeinigt. Wer hätte gedacht, dass ich heute dafür schon mit einem Preis belohnt werde?“, wunderte sich die 52-Jährige selbst ein wenig über den Erfolg.

Die Jury war besonders von Baiers unbändiger Kreativität, gespeist von vielen verschiedenen Gästewünschen, beeindruckt: „Sie erfüllt nicht nur mit zeitlich versetzten Schwerpunkten auf die Gästegruppen Familien, Tagungsgäste und Feierwillige in ihrem Hotel viele Wünsche und erreicht damit eine sehr gute Auslastung von 80 Prozent. Sie hat auch den Ort mit ihren Ideen neu belebt.“ Eine Abenteuergolf-Anlage ist bereits in Betrieb, Events wie Oktoberfest und Weihnachtsmarkt sind in der Planung.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war für Sanya Kraus und Christiane Hartmann aus Roetgen Anlass, ihre „Mobile Seniorenbetreuung“ vor fünf Jahren zu gründen und wurden dafür jetzt mit dem dritten Platz des Unternehmerinnenpreises 2018 und einem Preisgeld von 750 Euro belohnt. „Mittlerweile haben sie nicht nur für sich selbst familienfreundliche Arbeitsplätze geschaffen, sondern auch für weitere acht Mitarbeiter. Außerdem gehen sie mit der Besetzung dieser Nische in einem Wachstumsmarkt ein weiteres gesellschaftliches Problem an: Die Sorge um die Alten“, lobte die Jury.

Nominiert waren außerdem Stefanie Rahn für „Pilates Lesson“ aus Erkelenz, Susanne Bielen für die „Adolf Jungfleisch GmbH“, ebenfalls aus Erkelenz, sowie Barbara Frett für „Frettwork network GmbH“ aus Aachen. Sechs weitere Unternehmen von insgesamt 29 Bewerberinnen kamen in die Vorauswahl.

Gerade die Sorge um die Vereinbarkeit von Familie und Unternehmen halte viele Frauen am Ende doch von dem Gang in die Selbstständigkeit ab. So hat es die IHK festgestellt: „45 Prozent Frauenanteil haben wir in den Informationsveranstaltungen für Gründer. In die Umsetzung gehen dann aber nur 30 Prozent, eine stagnierende Zahl“, sagte Christian Laudenberg, Geschäftsführer der Gründerregion Aachen. Verschiedene Unterstützungsangebote der IHK sollen das ändern. „Besonders die Digital Natives, auch viele Frauen, kommen jetzt ins Gründeralter. Sie haben andere Ideen, aber auch andere Bedürfnisse“, sagte Wolfgang Mainz, Präsident der IHK Aachen. Vor allem gelte es ihnen Mut zu machen, denn der stehe eben am Anfang des
Handelns.

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