Aachen: Firmen trumpfen auf mit „traumhaften Werten”

Aachen: Firmen trumpfen auf mit „traumhaften Werten”

Mit bester Laune trat Jürgen Drewes am Mittwoch vor die Presse. Der Hauptgeschäftsführer der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK) präsentierte die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage zur Entwicklung der Konjunktur von Aachen bis Euskirchen, von Heinsberg bis zur Eifel.

Dabei sprach er von aktuell „traumhaften Werten”, die sogar noch die Boomphase nach der Wiedervereinigung überböten. Sein Fazit: „Wir haben einen gut unterlegten Aufschwung.” Die Wirtschaft im Kammerbezirk arbeite - parallel zur Entwicklung auf Bundesebene - mit voller Kraft.

An der jüngsten Umfrage haben sich 345 Unternehmen mit mehr als 40.000 Mitarbeitern beteiligt. Dem Ergebnis nach setze sich also die wirtschaftliche Erholung in der Region Aachen „ungebremst fort”, schwärmte Drewes. Diese positive Entwicklung werde durch weiterhin verbesserte Auslandsumsätze, aber auch durch eine anziehende Binnennachfrage getrieben, fügte er ab. Zudem sei die Auslastung der Firmenkapazitäten erneut angestiegen.

Und auch die Ertragslage im Kammerbezirk habe sich weiterhin positiv entwickelt. „Wir sind schneller als erwartet aus dem Keller herausgekommen, der Einbruch während der Finanzkrise ist überwunden”, fügte Drewes an. Als „Traumbeispiel” dieser sonnigen Perspektiven nannte er den Herzogenrather Hightech-Anlagenbauer Aixtron, der seine Umsätze binnen zwei Jahren verdreifacht habe.

Trotz allem Optimismus ist der Hauptgeschäftsführer nicht frei von Sorgen bezüglich der Fortsetzung des Aufschwungs. Und die macht Drewes insbesondere an den steigenden Rohstoff- und Energiepreisen fest. Insbesondere der angestrebte Atomausstieg „wird uns alle massiv Geld kosten”. Angesichts dieser Entwicklung hält er eine „leicht anziehende Inflation für unausweichlich” - sprich: Die Preise dürften steigen. Die Unternehmen seien indes gefordert, durch Produktions- und Verfahrensinnovationen weiter ihre Kosten zu senken und Wettbewerbsvorteile herauszuholen.

Die Geschäftslage der Industriebetriebe habe sich seit dem Jahresbeginn erneut verbessert. Zwei Drittel der Unternehmen, so Drewes, hätten von guten Geschäften berichtet. Und nur jeder 16. Befragte habe eine schlechte Geschäftslage gemeldet. Die durchschnittliche Produktionsauslastung sei auf 82 Prozent angestiegen und liege damit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Daraus leitet Drewes auch einen wachsenden Investitionsbedarf ab. Bei sieben von zehn Unternehmen seien die Umsätze in den letzten Monaten gestiegen, die Ertragslage habe sich bei jedem zweiten Betrieb aufgehellt.

Zufrieden zeigt sich Drewes auch mit der Entwicklung bei den Dienstleistern. Sechs von zehn Unternehmen bezeichneten die aktuelle Geschäftslage als gut, lediglich sieben Prozent sprächen von schlechten Geschäften. Gleichfalls freuten sich 60 Prozent der Befragten über steigende Umsätze. Auch im Handel gebe es eine Verbesserung der Lage. Mehr als die Hälfte der Befragten bezeichnete sie als gut, lediglich fünf Prozent seien nicht zufrieden.

Ein Aufschwung, der laut Drewes „in die Breite geht”: Innerhalb der Stadt Aachen sei die Zuversicht der Betriebe am größten. Hier schätzen 68 Prozent der Betriebe die Lage positiv, nur neun Prozent negativ. Am unteren Ende der Skala steht der Kreis Heinsberg: 52 Prozent sind optimistisch.

Am Bau rechnet Drewes nach Auslaufen der Konjunkturprogramme mit einem „sich selbst tragenden Aufschwung”, wobei neben Gewerbebau auch der Wohnungsbereich für Nachfrage sorge. Etwas problematisch seien Investitionen in öffentliche Infrastruktur angesichts der angespannten Haushalte vieler Kommunen.

Auf dem Arbeitsmarkt erwartet Drewes angesichts der guten Entwicklung eine weitere Verbesserung der Beschäftigungslage. Dabei müssten die Betriebe im Auge behalten, dass „gute Leute knapp werden”. Im Gleichklang mit den Gewerkschaften plädierte Drewes dafür, „stärker wegzukommen von befristeten Arbeitsverhältnisse” zugunsten dauerhafter Anstellungen. Jede dritte befragte Firma plant Personalaufbau, mit einem Abbau rechnen nur zehn Prozent.