Firma Digatron aus Aachen feiert 50. Jubiläum

Firma Digatron wird 50 : Von der elterlichen Garage in Aachen hinaus in die Welt

Als 20-Jähriger arbeitete Rolf Beckers bei einer Computerfirma, als die eine Anfrage des Batteriekonzerns Varta ablehnte. Anstatt Batterien wie bisher manuell zu prüfen, wollte der Konzern auf ein elektronisches Prüfsystem umstellen.

Beckers damaligem Arbeitgeber fehlte dazu zwar nicht die zündende Idee, wie Beckers heute sagt. Dennoch entschied man sich dagegen, das mit der Entwicklung verbundene Risiko einzugehen. Beckers ergriff die Initiative und stellte das gewünschte Gerät kurzerhand selbst her — allein in der Garage seines Elternhauses in Aachen-Verlautenheide.

„Hunderte Transistoren parallel zu schalten und so bis zu 1000 Ampere Leistung zu erzeugen, war schon ein bisschen mutig“, sagt Beckers heute, 50 Jahre später. Das sei auch der Grund dafür, dass Beckers Geräte zunächst einmal konkurrenzlos blieben.

Sein Mut hat sich ausgezahlt: Heute beschäftigt Digatron rund 300 Mitarbeiter auf drei Kontinenten und stellt Hard- und Software für die Prüfung von wiederaufladbaren Akkus jeder Größe her: Vom Handyakku über die Autobatterie bis zur großen Industriebatterie prüfen die Geräte zum Beispiel die Kapazität, Lebensdauer und das Verhalten bei Überladung.

Nach rund einem Jahr war Beckers’ Prototyp betriebsbereit. 1969 installierte Varta die neue Prüfanlage im Werk in Hannover. Bald folgten weitere Anfragen von den Tochterfirmen des Konzerns. Beckers machte sich selbstständig und begann, mit der Produktion in Serie zu gehen. Der gelernte Radio- und Fernsehtechniker war unverhofft zur eigenen Firma gekommen. „Wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt er selbst.

Von der Garage breitete sich die Produktion auf den Hobbykeller aus. Innerhalb von zwei Jahren erhielt Beckers so viele Aufträge, dass der Platz nicht mehr ausreichte. Er baute an das Haus an, das er inzwischen übernommen hatte. „Das war einfach genau das richtige Produkt zur richtigen Zeit für den richtigen Kunden“, sagt Beckers. Anfang der 70er Jahre sei die Firma „unwahrscheinlich gewachsen“. Digatron gewann unter anderem durch die Belieferung weiterer Varta-Töchter Kunden im europäischen und internationalen Raum.

50 Jahre später: Rolf Beckers hat alte Hobbys wiederentdeckt, verbringt aber noch immer viel Zeit in der Firma. Foto: M. Jaspers

1983 zog die Firma in die heutigen Geschäfts- und Produktionsräume an der Tempelhofer Straße in Aachen. Der Einstieg in den amerikanischen Markt gestaltete sich zunächst schwierig, erst mit der Übernahme einer US-Firma konnte Digatron jenseits des großen Teichs Fuß fassen. Auf Anhieb den richtigen Riecher bewies der Unternehmer dagegen bei der Expansion nach China: Über Jahre habe die Firma sich hier mit Seminaren einen Namen gemacht, bevor sie 2004 die Produktion an einem eigenen Standort in Qingdao begann, erzählt Beckers.

Elektro- und Hybridfahrzeuge eröffnen der Firma heute ein ganz neues, weites Betätigungsfeld. „Das schwächste Glied an den Fahrzeugen ist noch immer die Batterie“, sagt Beckers.

Er selbst steht eigentlich mit einem Bein im Ruhestand. Auf die Frage, wie viel Zeit er noch in der Firma verbringe, sagt er dennoch, eigentlich sei er immer da.

Seit fünf Jahren widmet er sich aber auch wieder der Leidenschaft seiner Jugend: historischen Radio- und Fernsehgeräten. Seit ihm zum 65. Geburtstag ein solches Schätzchen geschenkt wurde, hat ihn die Sammellust gepackt. Mehr als 500 teils von ihm selbst restaurierte Geräte im besten Zustand zählt seine Sammlung inzwischen.

Wenn er wollte, könnte der Firmengründer noch mehr Zeit in sein Hobby investieren, seine Nachfolge ist bereits geklärt. Die Hauptverantwortung für das Tagesgeschäft liegt bereits bei Geschäftsführer Kevin Campbell und den Leitern des kaufmännischen, vertrieblichen und technischen Bereichs.

Noch findet Rolf Beckers die Entwicklung der Branche aber zu spannend, um sich gänzlich auszuklinken. Die Zukunft der Akkumulatoren liegt in der Weiterentwicklung von Brennstoffzellen, ist Beckers überzeugt. Entsprechende Prüfgeräte stehen folglich auf der langfristigen Agenda. Erst vor zwei Wochen hat Digatron zudem eine neue Halle zugekauft, wo ab 2019 Testgeräte für Elektrofahrzeug-Batterien gefertigt werden sollen. 20 Ingenieure und 30 Techniker will das Unternehmen dazu einstellen.

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