Finale beim Visionplus Unternehmerinnenpreis

Unternehmerinnenpreis : Visionplus geht in den Endspurt

Wer gewinnt den Visionplus Unternehmerinnenpreis 2018? Das entscheidet sich am Montag. Dann müssen sich die Finalistinnen mit ihren Konzepten und ihrer ganz persönlichen Vision vor der Jury präsentieren. Wir stellen die sieben Frauen vor.

Seit 2000 verleiht die Gründerregion Aachen alle zwei Jahre den Visionplus Unternehmerinnenpreis. Er richtet sich an Frauen aus der Wirtschaftsregion Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg, die in den letzten Jahren erfolgreich ein eigenes Unternehmen aufgebaut oder als Nachfolgerin ein Unternehmen übernommen haben. Die drei Gewinnerinnen werden zudem im Anschluss an die Jurysitzung öffentlich prämiert und mit Geldpreisen in Höhe von 3.000, 1.500 und 750 Euro ausgezeichnet. Von 29 Bewerberinnen haben es in diesem Jahr sieben ins Finale geschafft. Das sind sie:

Sanya Kraus und Christiane Hartmann (beide 31), Mobile Seniorenbetreuung Christiane Hartmann Sanya Kraus GbR,
Roetgen:

Die beiden Betreuungsfachkräfte kennen sich seit der Kindheit. Beide haben einige Zeit als Angestellte in einer Pflegeklinik gearbeitet, bis Christiane Hartmann irgendwann vorschlug, sich gemeinsam mit einer mobilen Seniorenbetreuung selbstständig zu machen. Mittlerweile sind die beiden Unternehmerinnen im fünften Jahr in der Städteregion unterwegs, um die Arbeit der Pflegedienste zu ergänzen. „Wir machen all das, was die Pflegedienste nicht leisten können“, erklärt Kraus. Insbesondere wenn es darum gehe, Angehörige zu entlasten oder zu beraten, etwa bei Behördengängen und Anträgen. Ihr Team besteht aus acht Personen, gerne würden sie noch mehr einstellen. „Aber in unserer Branche ist es wirklich schwierig, gute Leute zu finden.“ Ideen haben sie noch viele - vor allem, wenn es darum geht, Transparenz in den Pflegedschungel zu bringen.

Andrea Bäcker, 36, Einfach schönes Haar bei Andrea Bäcker, Würselen:

Eigentlich wollte die Friseurmeisterin einmal den Salon ihrer Mutter übernehmen. Doch die habe ihn partout nicht abgeben wollen, erzählt Andrea Bäcker lachend. Also beschloss sie, sich nach anderen Friseursalons umzusehen, die zum Verkauf standen. Inzwischen gehören ihr sieben Salons in der Region. So reibungslos sei es längst nicht immer gelaufen, sagt Andrea Bäcker. Ihre erste Übernahme drohte zu platzen, weil die Bank ihre Kreditzusage kurzfristig zurückzog. Also sprang die Familie bei der Finanzierung ein, denn sie glaubt an die junge Unternehmerin. Heute hat Andrea Bäcker 45 Mitarbeiter. Viele davon haben schon für die Vorbesitzer der Salons gearbeitet. „Meine Mitarbeiter sind mir das Wichtigste, und ich weiß, dass ich mich zu hundert Prozent auf sie verlassen kann“, sagt sie. An zwei Tagen pro Woche steht sie selbst noch im Salon, die restliche Zeit hält sie sich im Hintergrund.

Manuela Baier, 52, Landhotel Kallbach, Simonskall:

Kurz vor ihrem 50. Geburtstag hatte Manuela Baier genug von ihrem Leben als Angestellte in der Modebranche. Sie habe gut verdient und sei in der Welt herum gekommen, sagt sie. „Aber ich wollte mal etwas anderes machen.“ Als Mädchen hatte sie von einem eigenen kleinen Hotel geträumt. Im Internet machte sich auf der Suche nach einem geeigneten Objekt. Auf dem Land sollte es sein, das stand fest. Fündig wurde sie schließlich im winzigen Örtchen Simonskall in der Eifel. 2014 eröffnete sie dort das Landhotel Kallbach. Eine aufregende Zeit habe begonnen, die bis heute anhalte, sagt sie. Zwar sei sie selbstständig. „Aber meine Chefs heißen jetzt eben Bank, Steuerberater und Finanzamt.“ Schon bald nach der Eröffnung des Hotels habe sie vor der Aufgabe gestanden, eine jüngere Zielgruppe zu erreichen, sagt sie. Die Idee und ihre Umsetzung ließen nicht lange auf sich warten: 2016 eröffnete Manuela Baier „Kallbach’s Adventure Golf“. Die Bank hatte ihr davon abgeraten, auch mit ihrem Mann gab es viele Diskussionen. Doch der Erfolg gab ihr recht. Und das schönste Kompliment kam von einer Nachbarin: „Danke, Du hast das Kinderlachen zurück nach Simonskall gebracht.“

Stefanie Rahn, 46, Stefanie Rahn Pilates Lesson, Erkelenz:

Ihre Karriere als Unternehmerin hat die ausgebildete Tänzerin und Tanzpädagogin mit einem 45 Quadratmeter großen Studio begonnen. Inzwischen sind daraus 300 Quadratmeter geworden. Sie beschäftigt neun Mitarbeiterinnen. Qualität lautet ihr Credo, denn sie ist vom Deutschen Pilates-Verband anerkannte Ausbilderin und will dem gerecht werden. Zudem geht es ihr auch immer darum, Freude an Gesundheit und Bewegung zu vermitteln. „Physiotherapeuten schicken ihre Patienten zur Reha zu uns, das macht uns natürlich stolz“, sagt sie. Dafür muss sie immer auf dem neuesten Stand sein, regelmäßige Fortbildungen sind Pflicht. Um sich mit Kollegen auszutauschen, hat sie ein Pilates-Netzwerk gegründet. Auch als Autorin, Referentin und Dozentin ist Stefanie Rahn unterwegs. „Ich kann mir noch vieles mehr vorstellen“, sagt sie. „Jeder ist seines Glückes Schmied.“

Susanne Bielen, 55, Adolf Jungfleisch GmbH, Erkelenz:

26 Jahre hat Susanne Bielen in der Textilbranche gearbeitet, zuletzt als Countrymanagerin. Zunehmend habe sie die Schnelllebigkeit der Branche hinterfragt und immer weniger Sinn in ihrem Tun gefunden, sagt sie. Da kam ihr der Vorschlag ihrer Freundin Sylvia Laufer recht: Zu je 50 Prozent übernahmen die beiden Frauen 2015 die 1919 gegründete Adolf Jungfleisch GmbH in Gerderath, einen Spezialisten für Arbeitsschutz mit maßgeschneiderten Produkt- und Servicekonzepten für Großunternehmen, Mittelständler und Handwerksbetriebe. Seither haben sie das Angebot des traditionsreichen Unternehmens ausgebaut und die Zahl der Mitarbeiter von zwölf auf 22 gesteigert. 2016 brachten sie mit dem „Feuermeister“ einen Barbecue-Handschuh auf den Markt - dafür erhielten sie im vergangenen Jahr den mit 5000 Euro dotierten ersten Preis der AC2-Wachstumsinitiative ausgezeichnet. Beim wettbewerb wurde auch die Idee geboren, mit der „Feuermeisterin“ einen Backhandschuh anzubieten.

Barbara Frett, 50, Frettwork network GmbH, Aachen:

Die leidenschaftliche Netzwerkerin blickt auf über 20 Jahre Erfahrung als Personalmanagerin zurück. Begonnen hat sie ihre Karriere bei Vobis und seitdem in leitender Funktion in einer Reihe von nationalen und internationalen Konzernen gearbeitet. „Mich hat oft geärgert, dass die Unternehmen nicht gut mit ihren Mitarbeitern umgegangen sind. Ich wollte eine andere Personalkultur“, sagt Barbara Frett. Eine Freundin, die sich bereits als Human-Resources-Managerin selbstständig gemacht hatte, riet Barbara Frett, es ihr gleich zu tun. „Ende 2014 war meine GmbH dann in trockenen Tüchern.“ Ihre damalige Stelle hatte sie allerdings noch nicht gekündigt, also ging es parallel neben der regulären 60-Stunden-Woche an die Kundenakquise. 2015 erlaubte es der Umsatz dann bereits, einen Mitarbeiter einzustellen. Inzwischen sind es neun und auch eine weitere Niederlassung im Rhein-Main-Gebiet gibt es. Als nächstes könnte es einen Standort in Übersee geben, denn die Zeitverschiebung mache telefonischen Kontakt mit einigen Kunden derzeit schwierig, erklärt Barbara Frett.

(chm)
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