Aachen: Familienfreundlichkeit hält Unternehmen zukunftsfähig

Aachen : Familienfreundlichkeit hält Unternehmen zukunftsfähig

Noch vor einigen Jahren hätten vermutlich nur wenige die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens unmittelbar mit dem Begriff der Familie zusammengebracht. Doch gerade deren Vereinbarkeit mit der beruflichen Karriere ist heute auf dem umkämpften Arbeitsmarkt ein entscheidendes Kriterium — oft noch vor der Höhe des Gehalts.

Auch viele Unternehmen in der Region arbeiten derzeit an ihrer Familienfreundlichkeit, und elf davon wurden nun sogar dafür ausgezeichnet. Mit dem Projekt „Next Step“ haben die Vereinigten Unternehmerverbände (VUV) Aachen vor allem kleine und mittlere Unternehmen an das Thema herangeführt. „Bei den großen Konzernen, die für Personal und Kommunikation eigene Abteilungen haben, ist das in der Regel kein Problem. Aber es sind eben auch kleine Betriebe darauf angewiesen, Fachkräfte gewinnen und halten zu können“, sagt Stefan Versinger, der Leiter des Projekts bei den VUV.

Mit an Bord war auch André Schülke von der Aachener Unternehmensberatung AC Consult. Damit sich Karriere und Familie nicht im Weg stehen, erklärt er, müssten die Betriebe nicht etwa alles umkrempeln, wie einige vermuteten. Oft reichten schon kleine Maßnahmen wie mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, auch von zu Hause aus zu arbeiten. „Wenn zum Beispiel in einem Unternehmen die wichtigste Sitzung des Tages jeweils um 17 Uhr stattfindet, dann mag das organisatorisch klug sein, aber für Eltern von kleinen Kindern wird es dann schwierig“, so Schülke.

Solche und ähnliche Impulse hat er als Berater während des Projektzeitraums in die teilnehmenden Betriebe getragen. Vor allem, dass sich das starre Korsett der festen Arbeitszeiten etwas löst, halte er für entscheidend. „Vor diesem Hintergrund muss man feststellen, dass das Arbeitszeitengesetz den heutigen Bedürfnissen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern etwas hinterherhinkt“, sagt Schülke. Denn zusehends gehe es nicht nur um zu betreuende Kinder, sondern auch die Pflege von älteren Angehörigen, die viele Beschäftigte selbst übernehmen würden.

Wie das im Arbeitsalltag ganz unkompliziert funktioniert, zeigt das Beispiel der Beratungsgesellschaft für kommunale Infrastruktur (BKI). Das Planungsunternehmen gehört zu jenen elf Firmen, die sich durch ihre familienfreundliche Entwicklung besonders hervorgetan haben und daher am Montag von den VUV mit Siegel und Urkunde ausgezeichnet wurden.

Uwe Schulz, der bei der BKI als Architekt und Stadtplaner arbeitet, schätzt vor allem den hohen Grad an Vertrauen und Eigenverantwortung, der ihm dort entgegengebracht werde. „Wenn in der Familie irgendwas ist, kann man jederzeit kurz weg und es fragt auch niemand, wenn man morgens einmal später kommt“, sagt er.

Die Teilnahme an dem Projekt habe bei der BKI vor allem dazu beigetragen, diese Unternehmenskultur zu manifestieren. In manchen anderen Betrieben, die er im Außendienst sehe, sei das jedoch noch lange nicht so ausgeprägt, sagt Uwe Schulz.