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Fahrten mit dem Auto zur Arbeit: Fiskus beteiligt sich an Tankunfällen

Fahrten mit dem Auto zur Arbeit: Fiskus beteiligt sich an Tankunfällen

Morgens zu spät aus dem Haus gehetzt, an zwei roten Ampeln gestanden und dann ist auch noch der Tank leer. Das alles ausgerechnet an einem Tag, an dem der Chef eine perfekte Power Point Präsentation erwartet. Verständlich, dass es da passieren kann, dass man beim hektischen Hantieren an der Zapfsäule zum falschen Schlauch greift — und statt Diesel Benzin tankt.

Mit einer Power Point Präsentation pünktlich um 8.30 Uhr wurde es beim Kläger vor dem Niedersächsischen Finanzgericht an diesem Tag nichts mehr. Kurze Zeit nach dem Verlassen der Tankstelle fing der Motor an zu stottern. Der Angestellte schaffte es gerade noch mit seinem Auto bis zur nächsten Werkstatt. Dann war die Fahrt für diesen Tag zu Ende.

Folgen der Schusselei in den frühen Morgenstunden: rund 4300 Euro Reparaturkosten. Die wollte sich der Kläger zunächst bei seinem Arbeitgeber wiederholen. Schließlich war der „Unfall“ auf dem Weg zu seiner Arbeit passiert. Doch der Chef lehnte jede Kostenübernahme ab. Also reichte der Kläger die Werkstattrechnung sowie das Ablehnungsschreiben seines Arbeitgebers bei der Steuererklärung mit ein.

Dabei stellte er sich auf den Standpunkt, dass diese Aufwendungen neben der Pendlerpauschale berücksichtigt werden müssten. Die 30 Cent pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsplatz pro Tag würden nur die laufenden Kosten für Sprit, Versicherung, Wartung und Abnutzung abgelten. Nicht Aufwendungen für Reparaturen, wenn auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit nach Hause ein Unfall passiere. Das falsche Betanken des Tanks sei einem Unfall gleichzustellen. Folglich müsse sich der Fiskus an den Kosten beteiligen.

Doch das Finanzamt überzeugte die Argumentation des Klägers nicht. Der Sachbearbeiter schaute in ein aktuelles Anwendungsschreiben und strich die Tank-„Unfallkosten“ als Werbungskosten. Wer aus Unachtsamkeit zum falschen Zapfhahn greift, erleidet keinen Unfall im Sinne eines plötzlichen Ereignisses, das von außen unerwünscht einwirkt, führte er an. Entstehen dadurch Reparaturkosten, werden diese steuerlich durch die Pendlerpauschale abgegolten. Im Klartext: Wer auf dem Weg zur Arbeit schusselig ist und zum falschen Zapfhahn greift, muss selbst für die Reparatur aufkommen.

Ein Herz für den Falschtanker

Das Niedersächsische Finanzgericht zeigte Herz für den Falschtanker (9 K 218/12). Nach dem Willen des Gesetzgebers soll die Pendlerpauschale nur die gewöhnlichen Fahrtkosten abgelten, nicht hingegen außergewöhnliche Wegekosten, erklärte das Gericht. Dazu zählen Reparaturkosten aufgrund von Unfällen auf dem Weg zur Arbeit, aber auch die Kosten für die Behebung von Motorschäden durch falsches Betanken.

Der Kläger konnte die 4300 Euro Reparaturkosten also neben der Entfernungspauschale absetzen. Bei der Entscheidung ließ das Gericht ausdrücklich dahinstehen, ob der Kläger möglicherweise grob fahrlässig gehandelt hatte. Nur wenn es Anhaltspunkte dafür gegeben hätte, dass er am besagten Morgen noch Restalkohol im Blut hatte, wäre die Entscheidung anders ausgefallen. Dafür hatte das Gericht aber keinerlei Anhaltspunkte. Nur auf den 15,26 Euro zusätzlichen Spritkosten für das Betanken nach der Reparatur blieb er sitzen.

Ob dies das letzte Wort in der Sache ist, steht allerdings noch nicht fest. Da die Finanzverwaltung in einer Anweisung (BMF-Schreiben vom 03.01.2013, IV C 5 — S 2351/09/1002) Reparaturkosten infolge einer Falschbetankung nicht zusätzlich neben der Pendlerpauschale akzeptiert, hat das Finanzamt Revision gegen das Urteil eingelegt. Das letzte Wort hat also der Bundesfinanzhof.

Tipp: Geben Sie außergewöhnliche Kfz-Kosten, die bei Fahrten auf dem Weg zur Arbeit anfallen, sei es durch einen erlittenen Unfall, falschen Griff zum Zapfhahn oder andere Umstände, gesondert neben der Pendlerpauschale in Ihrer Steuererklärung an. Berufen Sie sich bei Reparaturen durch falschen Treibstoff im Tank auf das oben genannte Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichts, falls das Finanzamt die Kosten ablehnt. Das Aktenzeichen der Revision können Sie in Kürze unter www.bundesfinanzhof.de unter „Anhängige Verfahren“ abrufen. Bis der Bundesfinanzhof entschieden hat, bleibt Ihr Fall automatisch offen. Falls dieser ebenfalls zugunsten des Falschtankers entscheidet, erhalten auch Sie einen Zuschuss für Schusselei durch Stress in den frühen Morgenstunden.