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Aachen: Exportstarke Unternehmen geben sich gelassen

Aachen : Exportstarke Unternehmen geben sich gelassen

Der zeitweilige Höhenflug des Euro gegenüber dem US-Dollar ist in der traditionell stark exportorientierten Industrie im Kammerbezirk Aachen überwiegend gelassen aufgenommen worden.

„Uns sind bis jetzt keine Klagen von Kammerunternehmen bekannt”, stellt Frank Malis fest. Er ist IHK-Geschäftsführer und zuständig für die Außenwirtschaft.

Auch wenn die endgültigen Zahlen fehlen, dürfte das vergangenen Jahr wieder ein Spitzenergebnis für den Export gebracht haben.

Bis September 2003 - neuere Angaben gibt es nicht - kletterte die Exportquote im Kammerbezirk auf 40 Prozent und lag damit deutlich über dem NRW-Durchschnittsergebnis von 36 Prozent.

Die Gelassenheit der hiesigen Unternehmen gegenüber der Euro-Entwicklung der letzten Monate hängt auch damit zusammen, dass trotz der hohen Exportzahlen nur ein geringer Teil der Waren in Dollar fakturiert wird.

Insgesamt hat die deutsche Wirtschaft nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 664 Milliarden Euro exportiert - zwei Prozent mehr als im Vorjahr. 43 Prozent davon gingen in den Euro-Raum und sind damit unabhängig von der aktuellen Kurs-Entwicklung zu betrachten.

Nach Angaben des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) gelangen 12 Prozent der deutschen Ausfuhren direkt nach USA und insgesamt ein fünftel in den Dollar-Raum.

Ähnlich dürften die Verhältnisse auch in der Region Aachen liegen, wobei hier allerdings die Ausfuhren in den Benelux-Raum und nach Frankreich und Großbritannien traditionell größere Bedeutung haben.

„Mit einem Kurs von 1,20 und etwas mehr können wir leben”, stellt Franz-Josef Ritzen, Geschäftsführer der Maschinenfabrik Neuman & Esser in Übach-Palenberg fest.

Der mittelständische Hersteller von Kompressoren ist weltweit aufgestellt und erzielte 2003 mit 730 Mitarbeitern einen Gruppenumsatz von 110 Millionen Euro. Knapp ein Drittel des Geschäfts werden auf Dollar-Basis berechnet.

Sollte der Euro zu einem weiteren Steilflug ansetzen, werde man den Anteil der Maschinen-Komponenten aus dem Dollar-Raum erhöhen, erklärt Ritzen.

Wegen der seit Jahren praktizierten internationalen Strategie habe man im Augenblick mit den Produkten aus dem amerikanischen Tochterunternehmen in Texas gute Erfolge auf dem asiatischen Markt.

twas anders sieht es bei der Bohrmaschinenfirma Wirth in Erkelenz aus. Dort wurde in der vergangenen Woche für einen Teil der 546 Mitarbeiter Kurzarbeit bis Juni angemeldet.

Als Grund gibt die Firmenleitung die Verteuerung der eigenen Angebote durch den Euro-Kurs an, was zur unerwarteten Stornierung eines bereits sicher geglaubten Auftrags geführt habe.

Langfristig zeigt man sich bei Wirth allerdings vor allem wegen des großen Absatzchancen in China sehr zuversichtlich.

Wenn bei Neuman & Esser und anderen Firmen die Euro-Kursentwicklung auf Gelassenheit stösst, hängt das auch mit den Erfahrungen aus den Jahren 1995/96 zusammen.

Damals war der Dollar zur Mark auf den Wert von 1,38 gefallen. „Wir haben diese Situation schon einmal überlebt”, stellt Ritzen lakonisch fest.