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München/Aachen: „Expo Real“: Delegation aus der Region schlägt sich hervorragend

München/Aachen : „Expo Real“: Delegation aus der Region schlägt sich hervorragend

345 Euro kostet die billigste Eintrittskarte für Besucher, für einen Burger sind 9,50 Euro fällig. Das sind selbst für Münchener Verhältnisse prächtige Preise. Wer auf die größte Gewerbeimmobilienmesse Europas „Expo Real“ vor den Toren der bayrischen Landeshauptstadt will, braucht eine Menge Kleingeld — und Appetit auf Profit.

Und ein Hotelzimmer, das nach dem Oktoberfest wegen der bestenfalls betuchten Immobilienmesse-Besucher an der Isar noch einmal teurer wird.

Unter diesen Vorzeichen wundert es kaum, dass die 1663 Aussteller aus 34 Ländern um Investitionen in Milliardenhöhe für teils gigantische Bauvorhaben rund um den Globus buhlen. Über 35.000 Immobilien-Experten drängeln und drängen hier, schieben sich Geschäfte zu. Die Gänge auf dem 64.000 Quadratmeter großen Messegelände sind noch bis zum Mittwoch rappelvoll. Genauso wie die Portfolios der weltweiten Immobilien-Anbieter. Hotelketten, Einkaufszentren, Fürstenpaläste — hier ist zwischen Schanghai und Eschweiler so ziemlich alles auf dem Markt, was Rendite verspricht.

Grellgrüner Magnet

Trotz der überbordenden Konkurrenz schlägt sich die rund 100-köpfige Delegation am grellgrünen Messestand „aachen1a — drei Länder, ein Standort“ augenscheinlich hervorragend. Tausende schauen hier vorbei, beschnuppern die Bauprojekte, die als quadratmetergroße Modelle in Glasvitrinen sowie Hochglanzprospekten angepriesen werden.

Hauptaugenmerk gilt seit einigen Jahren dem RWTH Campus. Rund 800.000 Quadratmeter gilt es für gewinnbringende Kooperationen von Wissenschaft und Industrie zu bebauen. „Seitdem die ersten architektonisch anspruchsvollen Bauwerke auf dem Campus realisiert sind spüren wir weiter steigendes Interesse“, sagt Campus-Geschäftsführer Klaus Feuerborn. Der Aachener Investor Norbert Hermanns, der das erste privatwirtschaftlich finanzierte Gebäude auf dem RWTH-Campus realisiert hat, stimmt zu: „Das ist eine so noch nie dagewesene Chance für die ganze Region. Der RWTH Campus wird Aachen und die ganze Region in eine neue Liga schießen“, prognostiziert er.

Jenseits der Grenze trifft das auf niederländische Nutznießer zu. Ron de Goeij und Anne Syndram (van Aken architekten) errichten in Vaals Appartment-Komplexe für Studierende, bauen in Würselen eine alte Fabrik um. „Wir bauen keine Luftschlösser“, sagt de Goeij. Apropos: Ein solches will auch das deutsch-niederländische Gewerbegebiet Avantis nicht mehr sein. „Der Dornröschenschlaf ist endgültig vorbei“, berichtet der Aachener Wirtschaftsförderer Dieter Begaß. Gespräche mit weiteren Interessenten laufen.

Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders hat in den vergangenen Jahren jedes Mal einen großen Investor aus München mitgebracht. „Jetzt wollen wir den Zentralparkplatz im ehemaligen Zechengelände bebauen; auch da bin ich mehr als zuversichtlich, dass wir hier de richtigen Partner finden“, erklärt er. Ähnlich geht es Ilker Simons: 50 Millionen Euro soll der Wohnkomplex namens Quartier 74 („Karlspalais“) kosten, der in Aachen-Burtscheid über den heißen Quellen geplant ist. Architekt Gerhard Wittfeld erklärt: „Hier kommt die Wärme direkt aus dem Boden. Nächstes Jahr geht es los“, kündigt er an. Einen ähnlich ökologischen Ansatz verfolgt Bauunternehmer Gereon Frauenrath beim 30-Millionen-Euro-Projekt „Wohnen plus“ in Heinsberg und Erkelenz. Im Schulterschluss mit den Kommunen und der S-Immo Heinsberg wachsen dort über 130 Wohnungen in Klimaschutzsiedlungen, die vor allem auf Senioren ausgerichtet sind.

Einer der besten Testkurse

Vollgas ist unterdessen in Aldenhoven angesagt: „Mittelständische Unternehmen aus der Automobilbranche, die einen der besten Testkurse Europas nutzen möchten, finden bei uns mit dem ATC die richtige Adresse“, erklärt der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn.

Alles trifft sich in München. So lobt NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin ausdrücklich die Zusammenarbeit des Westzipfels. Für den Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK), Michael Bayer, ist auch das ein typisches Beispiel für perfekte Synergie-Effekte: „Das ist ein hervorragender Trend“, sagt er. So gibt‘s Neues und Bewährtes. Unter dem Dach der Kammer versammeln sich die Bau- und Immobilienfachleute der Aachener Region seit Jahren auf der „Expo Real“. Wer hier nicht mitspielt, verliert letztlich Anschluss und Geld — da sind sich alle einig. Trotz Eintrittsgeld, Burgerpreisrekord und Hotelbetten-Poker.