1. Wirtschaft

Ergebnisse der Konjunkturbefragung von IHK vorgestellt

Konjunkturbarometer : Rosige Lage, gebremste Erwartung

Die Lage ist (noch) rosig, aber die Erwartungen sinken deutlich. So könnte man die Ergebnisse der Konjunkturbefragung zusammenfassen, an der 2800 Unternehmen aus sieben Kammerbezirken im rheinland teilgenommen haben.

Der Wirtschaft im Rheinland geht es nach wie vor sehr gut: Fast die Hälfte der Betriebe meldet eine positive Geschäftslage, nur rund jedes zehnte Unternehmen ist unzufrieden. Der Geschäftslageindex, der die Differenz aus guten und schlechten Einschätzungen abbildet, erreicht mit 36,8 Punkten den viertbesten Wert seit Beginn der Konjunkturbefragung im Rheinland im Jahr 2003. Er liegt damit auch weit über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre von 25,0 Punkten.

„Die Lage der Wirtschaft ist immer noch rosig“, sagte Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, am Dienstag bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage. Vom 5. Dezember bis 14. Januar wurden 2800 Unternehmen in den Kammerbezirken Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Köln, Mittlerer Niederrhein, Niederrhein und Wuppertal-Solingen-Remscheid befragt. Positive Faktoren für die gute Geschäftslage seien vor allem die geringe Arbeitslosigkeit und die positive Lohnentwicklung, die die Binnennachfrage stärkten, sowie die hohe Investitionsbereitschaft der Unternehmen.

Die Branchen: Die Geschäftslage in der Industrie ist gegenüber der Umfrage im Herbst zwar rückläufig, bleibt aber weiterhin im positiven Bereich: 46 Prozent der Befragten bewerten ihre Situation als gut, nur jedes zehnte Unternehmen ist unzufrieden. Von guten Geschäften berichtet – neben dem Maschinen- und Fahrzeugbau und der Elektroindustrie – vor allem das Baugewerbe: „Der Bauboom sorgt für die beste beim Konjunkturbarometer jemals gemessene Geschäftslage der Bauunternehmen zu Jahresbeginn“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Die gute Stimmung im Handel hat sich seit dem Herbst kaum verändert. Auch die Dienstleister bewerten die aktuellen Geschäfte überwiegend positiv. Am besten geht es erwartungsgemäß der IT-Branche.

Die Aussichten: Anders ist es um die Geschäftsaussichten bestellt: „Die Betriebe sind mit gebremsten Erwartungen in das neue Jahr gestartet“, erklärt Bayer. „Der Erwartungsindex ist auf den niedrigsten Wert seit sechs Jahren gesunken, bleibt aber weiterhin im positiven Bereich.“ Rund ein Fünftel der Befragten rechnet damit, dass sich die Geschäfte in den nächsten zwölf Monaten positiv entwickeln werden, jeder sechste Betrieb erwartet eine Verschlechterung. „Ich sehe hier keine Panikwolken am Himmel, aber eine deutliche Konjunkturberuhigung“, führt Bayer aus. Nach zehn Jahren Aufschwung sei es aber vielleicht auch nicht verkehrt, wenn das Rheinland in eine ruhige Wachstumsphase hineinkomme: „Wir sprechen ja immer noch von Wachstum.“

Die Probleme: Neben der Konjunkturschwäche in wichtigen Absatzmärkten – zum Beispiel China – spielen vor allem der Handelsstreit mit den USA oder der weiterhin ungeregelte Brexit eine wichtige Rolle. „Die globalen Konflikte sind in der Geschäftswelt angekommen, führen  aber nicht zu einem Brachliegen der Investitionsaktivitäten“, erläutert Bayer. Im Gegenteil: 81 Prozent der Betriebe lassen sich von der wachsenden Unsicherheit nicht beeinflussen und wollen wie geplant investieren. Nur rund zehn Prozent möchten bei den Auslandsinvestitionen sparen, 13 Prozent bei Investitionen im Inland.

Das mit Abstand größte Konjunkturrisiko ist der Mangel an Fachkräften. „Angesichts der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt, der guten Konjunktur und des steigenden Altersgefüges in den Unternehmen bleibt der Fachkräftemangel das Dauerbrennerthema Nummer eins“, betont Bayer und verweist auch auf den gemeinsamen Fachkräftereport der IHK-Initiative Rheinland. Demnach werden in der Metropolregion Rheinland bis zum Jahr 2030 345.000 Fachkräfte benötigt, „die wir wahrscheinlich nicht haben werden“.