Gewerbeflächen in Weisweiler und Stolberg: Ein Industriekreuz mit 9200 neuen Jobs?

Gewerbeflächen in Weisweiler und Stolberg : Ein Industriekreuz mit 9200 neuen Jobs?

Mit dem Ende des Braunkohletagebaus werden in der Region nach Schätzungen von Experten rund 10.000 Arbeitsplätze fortfallen. 9200 neue Jobs könnten am geplanten Industriekreuz Weisweiler, Inden, Stolberg neu entstehen, wenn der Strukturwandel geordnet verläuft.

Diese Zahl nennt jedenfalls eine Machbarkeitsstudie, die das Unternehmen NRW.Urban erarbeitet hat. Am Dienstag wurde sie in Weisweiler der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Masterplan, der von einer Reihe von Kommunen und diversen anderen Gebietskörperschaften in Auftrag gegeben worden war, geht von einer knapp 240 Hektar großen Fläche aus, auf der neue Unternehmen angesiedelt werden können. Zum einen 193,7 Hektar rund um das derzeitige Braunkohlekraftwerk Weisweiler. Zum anderen 43,6 Hektar im Umfeld des Stolberger Bahnhofs. „Es sind Flächen mit einem hohen Potenzial“, betonte Jens Kohnen, Autor der Studie. Um dieses abzurufen, seien aber einige Rahmenbedingungen zu erfüllen.

Für die Flächen in Weisweiler schlägt Kohnen beispielsweise ein „breites Nutzungsspektrum“ sowohl gewerblicher als auch industrieller Art vor. Konkret heißt das: Geworben werden soll vor allem um die Ansiedlung kleiner und mittelständischer Unternehmen, die in den Bereichen wertschaffende Logistik oder Energie tätig sind. Offen gehalten ist zudem die Option für ein Gas-Kraftwerk. Auch zukunftsorientiert forschende Firmen mit einer Nähe zur RWTH Aachen oder dem Forschungszentrum Jülich sind hier ausdrücklich erwünscht. Dadurch könnten laut Kohnen in Weisweiler „nach ersten Schätzungen“ rund 7800 Arbeitsplätze geschaffen werden. Und zwar nicht nur solche für hochqualifizierte Arbeitnehmer, sondern auch einfache Jobs.

Planungsrechtlich gibt es für den Standort Weisweiler offenbar keine größeren Probleme. Mehr als 90 Prozent der Flächen sind bereits als Gewerbegebiet ausgewiesen. Entsprechend zügig könnten laut der Studie einige Teilflächen des Areals bereits bis 2022 entwickelt sein. Anders sieht es hingegen mit der Verkehrsanbindung aus. Sie muss laut Masterplan optimiert werden – etwa durch einen Kreuzungsumbau des Knotenpunkts Weisweiler oder durch eine Neugestaltung der Autobahnanschlussstelle Eschweiler-West.

Von Letzterem könnte auch der andere Standort profitieren, nämlich Stolberg. Durch den geplanten Euregio-Railport, der den Gütertransport auf der Schiene zu den großen Nordseehäfen Rotterdam oder Antwerpen verbessern soll, entstehen laut Studie in der Kupferstadt bis zu 1400 neue Arbeitsplätze – vornehmlich in der Logistik. „Die besten Gewerbegebiete nutzen allerdings nichts, wenn ihre Verkehrsanbindung schlecht ist“, betonte Kohnen. Er empfiehlt deshalb einen Autobahnanschluss für Stolberg an die A44 in Höhe von Aachen-Eilendorf.

Neben einer Reihe weiterer Hinweise gab Kohnen den Kommunen der Region den Tipp, weiterhin eng und vertrauensvoll bei der Erschließung von Gewerbegebieten zusammenzuarbeiten: „Sich gegenseitig zu kannibalisieren, schadet.allen.“ Die anwesenden Kommunalpolitiker widersprachen ihm nicht.

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