Berlin/Aachen: Ein Gebäude mit „Gehirn“ wird auf dem RWTH-Campus getestet

Berlin/Aachen : Ein Gebäude mit „Gehirn“ wird auf dem RWTH-Campus getestet

Willkommen in der Zukunft! Das Gebäude, das gerade auf dem Vorplatz des Berliner Hauptbahnhofs, vis-à-vis vom Kanzleramt, hochgezogen wird, weist den Weg. „Cube Berlin“, ein Projekt des österreichischen Immobilienentwicklers CA Immo, soll ein Bürogebäude werden, das „zu denken beginnt“. Wie das funktioniert, kann man auf dem Campus der RWTH Aachen besichtigen.

Im Cluster Smart Logistik wird das „Gehirn“ des Gebäudes geprüft, damit beim für das Jahr 2020 angestrebten Einzug der Mieter auch alles funktioniert.

Simulation: Im Cluster Logistik auf dem Campus der RWTH werden die Abläufe im „Cube“ getestet und optimiert. Foto: Harald Krömer

Die Kerndaten des vom Architektenbüro 3XN Kopenhagen entworfenen Gebäudes: 42,5 Meter lang, breit und hoch (deshalb „Cube“), Glasfassade, Untergeschoss mit Tiefgarage, Erdgeschoss mit Lobby, zehn Obergeschosse mit Balkonen, Dachterrasse, 19.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche, die für Büros verwendet werden soll, in Mieteinheiten zwischen 300 und 1400 Quadratmetern. Die Investitionssumme beträgt rund 100 Millionen Euro. CA Immo hat den „Cube“ bereits an den Immobilien-Investmentmanager TH Real Estate verkauft — kein Wunder bei der absoluten Toplage im Zentrum Berlins, wo das Gebäude Teil eines neuen Stadtquartiers rund um den Hauptbahnhof werden soll: der Europacity.

Die Besonderheit des Gebäudes ist allerdings nicht nur seine spektakuläre architektonische Form, sondern vor allem das, was in ihm steckt. Genauer: Wie das, was in ihm steckt, miteinander vernetzt ist. In Berlin sprechen sie bereits vom „schlauesten Gebäude Europas“. Das ist mehr als ein Marketingschachzug, denn es verweist auf die Digitalisierung des „Cubes“, die von Drees & Sommer, einem international tätigen Beratungsunternehmen für den Bau- und Immobiliensektor, entworfen wurde. Damit haben wir auch die Verbindung zum Cluster Logistik und zum Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR), denn die Aachener Dependance von Drees & Sommer sitzt in direkter Nachbarschaft zum FIR auf dem Campus und pflegt den Austausch und die Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern.

Baubeginn für den „Cube“ war 2017, parallel dazu begann auch die Entwicklung und permanente Überprüfung des „Brain“ in Aachen. Dies geschieht in mehreren Laboren und zentral auf einem großen Leitstand, auf dem die Abläufe visualisiert und ausgewertet werden. Die Optimierung geschieht dann oft in direkter Kooperation mit den Herstellern der technischen Komponenten.

Gebündelt in einer App

Ziel des Projektes ist nichts weniger als die Integration einer künstlichen Intelligenz ins Gebäude, die alle technischen Anlagen und Sensoren miteinander verknüpft und Prozesse innerhalb des Hauses in Gang setzt und steuert. Und noch weitergehend: Das „Gehirn“ lernt aus den Daten des Betriebs, der Nutzer und der Umwelt, formuliert daraus Verbesserungsvorschläge und optimiert das System auf dieser Grundlage fortlaufend. Gebündelt wird das alles in einer App auf den Smartphones der Nutzer und Mieter des Hauses. „Hier geht es nicht mehr nur um Einzellösungen, die teilweise schon länger technisch machbar sind, sondern um die Vernetzung des gesamten Technik in einem selbstlernenden Computersystem“, beschreiben Matthias Schmidt von CA Immo und Klaus Dederichs von Drees & Sommer die Konzeption. Das geht weit über eine Zugangsberechtigung per Code auf dem Smartphone, über die Zuweisung eines Parkplatzes oder über die Regulierung von Temperatur und Licht hinaus.

Ein paar Beispiele: Ein Mitarbeiter kommt ins Gebäude, wo es keine festen Arbeitsplätze mehr gibt. Das „Brain“ kennt seinen Terminkalender und seine Vorlieben, weist ihm auf dieser Grundlage einen freien Arbeitsplatz zu und führt ihn dorthin. Bei flexiblen Arbeitszeiten schlägt es zusammenhängende Arbeitsplätze vor, so dass der Energieverbrauch für ungenutzte Bereiche gedrosselt werden kann. Das Facility Management kann darauf basierend einschätzen, wann wo gereinigt werden muss. Und so weiter.

Das alles soll auf freiwilliger Basis geschehen. Jeder Mieter kann selbst entscheiden, ob und in welchem Maße seine Daten verwendet werden. Jedes Bewegungsprofil wird anonymisiert. Grundlage dafür sind die Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung. Auch für die Datensicherheit legen die Entwickler und Betreiber ihre Hand ins Feuer: Professionelle Hacker stellen das ganze System während der Entwicklung und Testphase auf die Probe. Sobald das Gebäude in Betrieb genommen ist, sollen „Cyber Security“-Einheiten für Sicherheit sorgen.