Aachen: Ein Elektro-Porsche „made in Aachen“

Aachen : Ein Elektro-Porsche „made in Aachen“

Noch ist der schwarze, blitzblank polierte Porsche mit roten Nummernschildern versehen. Doch schon bald, so verrät Ernst August Werner, soll das Schmuckstück ganz offiziell über den Asphalt rollen dürfen. Denn auch wenn es auf den ersten Blick so erscheinen mag: Es handelt sich nicht um einen handelsüblichen Porsche 911 Targa aus dem Jahr 1981, sondern um den ersten Elektro-Porsche „made in Aachen“.

Erst als der Geschäftsführer des Aachener Unternehmens Engiro GmbH, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von hochleistungsfähigen E-Maschinen, elektrischen Getrieben und Antriebssystemen spezialisiert hat, Motorhaube und Heckklappe der edlen Karosse öffnet, offenbart sich mit Blick auf das Innenleben der Unterschied: Anstatt eines Verbrennungsmotors befindet sich dort ein hocheffizienter Elektromotor. Aufgrund seiner kompakten Form konnte im Heck noch ein Teil der Batterie untergebracht werden.

„Porsche-Feeling“ bleibt erhalten

Das Besondere: Engiro hat nicht nur den Antriebsmotor entwickelt und geliefert, sondern auch die komplette Systemauslegung und -steuerung. Sogar die alten originalen Instrumente werden von der neuen Technik mitversorgt, eine elektrisch angetriebene Klimaanlage ist ebenfalls verbaut. „Wichtig war uns natürlich trotz aller Nachhaltigkeit, dass das unverwechselbare Porsche-Feeling erhalten bleibt“, schmunzelt Werner, der neben seiner unternehmerischen Tätigkeit die Funktion als Vorstandsvorsitzender des Aachener Automotive Kompetenzclusters car e.V. ausübt.

Und so ist der Aachener E-Porsche in der Lage, mit einer Ladung 250 Kilometer zurückzulegen. Und auch auf Schnelligkeit muss nicht verzichtet werden: Bis zu 200 Stundenkilometer sind möglich. Alles jedoch leiser und umweltfreundlicher.

Als Entwickler für diese neue Batterietechnik hat Engiro vor Ort mit dem Unternehmen e-creativ einen kompetenten Partner für den Umbau gefunden. Eine Win-win-Situation. „Wir erreichen mit den Engiro-Komponenten nunmehr Spitzen-Fahrleistungen und Reichweiten, die ansonsten nur mit deutlich größeren Batteriekapazitäten und schweren Motoren zu erreichen wären“, erklärt Josef Eberhardt von e-creativ.

Einziges Manko: Der Stauraum im Kofferraum fällt nun weg, was in diesem Fall aber nicht weiter schlimm sein dürfte. Der erste E-Porsche dieser Art soll nach der Zulassung als Dienstwagen der Geschäftsführung in einem mittelständischen deutschen Unternehmen zum Einsatz kommen.

Nach zwei Jahren Entwicklungszeit warten die Projektbeteiligten nun nur noch auf die endgültige Typzulassung für die Serie. Damit fügt sich der E-Porsche am Standort Aachen in puncto Elektrifizierung von Fahrzeugen in die Reihe von Erfolgsprojekten wie Streetscooter und E.Go ein. Die Entwickler hoffen nun, dass auf den Prototypen weitere Aufträge in Form von kleinen Serien folgen. Ein vielversprechender Nischenmarkt. Denkbar ist es zum Beispiel, den bereits vorhandenen Fuhrpark eines Unternehmens auf diese Weise umzurüsten.

Hier sieht auch Peter Tsao-Adolphs als „Ideengeber“ dieses Projektes großes Potenzial. „Kundenspezifische Entwicklungen dieser Art sind sehr gefragt und können enorme Vorteile gegenüber großen Serien haben, gerade in puncto Nachhaltigkeit. Schließlich sind die Fahrzeuge schon vorhanden, zudem verbrauchen die von Engiro produzierten Batterien weniger Energie.“ Zunächst möchte man sich bei der Markterschließung auf Deutschland und das angrenzende europäische Ausland konzentrieren.

Früher oder später sollen aber auch Metropolen wie Singapur, London, Paris oder New York ins Visier genommen werden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass E-Autos vor allem im Stadtverkehr in Zukunft eine große Rolle spielen werden. Auch im Zug-, Flug- und Schiffsverkehr könnte diese Technik zum Einsatz kommen.

Die Entwickler stehen auf jeden Fall bereit, denn die Nachfrage ist da. 50 bis 100 Fahrzeuge pro Jahr sind für den Anfang realistisch. Steigern ließe sich das Ganze auf bis zu 1200 Autos pro Jahr. „Durch die Standardisierung sind wir nun in der Lage, ein Kit anzubieten, das den Einbau extrem vereinfacht“, so Werner. Keine Frage: Das Kapitel „Elektrifizierung von Fahrzeugen“ wird in Aachen weitergeschrieben!