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Aachen: Drei Jahre steuerfrei für Existenzgründer

Aachen : Drei Jahre steuerfrei für Existenzgründer

Gerade in Krisenzeiten sei unternehmerische Initiative gefragt, appellierte der frühere baden-württembergische Ministerpräsident und nachmalige Jenoptik-Chef Prof. Lothar Späth am Donnerstag an die Studierenden beim ATEC-Treffen in Aachen.

„Jetzt ist die Zeit der Entrepreneure”, ergänzte er und warb dafür, als Existenzgründer den Sprung ins Risiko zu wagen. Mit Späth sprach unser Redakteur Ulrich Kölsch.

Ist ein Einbruch bei den Existenzgründerzahlen als Folge der Finanzkrise und der schärferen Kreditvergabe zu erwarten?

Späth: Es gibt eine ganze Reihe von Risikokapitalanbietern, so dass man nicht von einer generellen Kreditklemme sprechen kann. Man kann nicht sagen, dass es für gute Projekte kein Geld mehr gibt. Wünschenswert wäre eine ganz unbürokratische Starthilfe. Wenn man sieht, welche Fördermittel zum Abbau der Arbeitslosigkeit bereitstehen, dann überlege ich, ob man nicht ebenso ideenreiche junge Unternehmen stärker beim Start unterstützen soll. Dabei würde man kein größeres Risiko eingehen wie im Fall des Arbeitsmarktes.

Gibt es generell genügend Fördermöglichkeiten für technologieorientierte Existenzgründer?

Späth: Ich glaube nicht. Es gibt überall Förderprogramme, aber darunter ist kein lockeres Programm, wo man ohne viele Kontrollfunktion wirtschaften kann. Der junge Existenzgründer sollte eigentlich einen Begleiter haben, der ihm lästige Aufgaben abnimmt, so dass er sich nur auf die zukunftsträchtige Idee konzentrieren kann.

Sie plädieren für eine dreijährige Steuerbefreiung für Unternehmensgründer. Ist das realistisch und politisch durchsetzbar?

Späth: Dafür gibt es noch keine Vorbilder in anderen Ländern. Denn da kommen sofort alle Steuerexperten und sagen: Das ist wegen des Gleichheitsgrundsatzes rechtlich nicht zulässig.

Verschiedene Möglichkeiten würden sich in der Praxis anbieten. So könnte man sagen: Nach drei Jahren stellen wir die Steuerschuld fest und das wirtschaftliche Ergebnis. Ich persönlich würde dem erfolgreichen Existenzgründer die Steuerschuld wegen des volkswirtschaftlichen Nutzens erlassen.

Und Sie werben für diese Idee?

Späth: Ja, pausenlos. Ich glaube, dass uns Zeiten bevorstehen, in denen wir Unternehmer brauchen, die so etwas einmal riskiert haben.

Welche Rolle spielen die Business Angels bei der Existenzgründung?

Späth: Das ist eine ganz spannende Aufgabe für ältere Unternehmer, die ihren Betrieb schon an den Nachfolger abgegeben haben und über einiges Kapital verfügen. Die brauchen eine neue Aufgabe.

Reicht nicht der Golfplatz?Späth: Da ich nicht Golf spiele, bin ich persönlich immer wieder versucht, bei solchen jungen Unternehmen mitzumachen, um sie eine Weile zu begleiten. Es gibt auch solche, die sich mit einem größeren Eigenkapital engagieren und das Unternehmen fachlich betreuen, um zum Ziel zu kommen. Wir haben eine große Erfahrungskompetenz bei diesen Unternehmern, die nicht brach liegen soll.