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Aachen: DocMorris von Behörde ausgebremst

Aachen : DocMorris von Behörde ausgebremst

Friedrich-Wilhelm Wendel aus Heinsberg versteht die Welt nicht mehr. Seit Jahren bezog der chronisch kranke Mann seine Arzneimittel bei der Versandapotheke DocMorris im niederländischen Landgraaf.

Wendel sparte so pro Quartal rund 70 Euro, die er ansonsten als Zuzahlung hätte entrichten müssen, wenn er die Medikamente von der Apotheke vor Ort bekommen hätte.

Seine Krankenkasse, die Barmer Ersatzkasse, rechnete mit der Versandapotheke ab - völlig problemlos.

Das ist jetzt anders. Über einen so genannten Verpflichtungsbescheid mit sofortigem Vollzug untersagte das Bundesversicherungsamt in Bonn der Barmer Ersatzkasse, weiter mit DocMorris zusammenzuarbeiten.

Die Barmer legte postwendend Klage ein. Das Sozialgericht in Düsseldorf lehnte den Antrag auf Einstweilige Verfügung gegen das Verbot ab. Nun will die Kasse vors Landessozialgericht ziehen.

Für Susanne Rüsberg-Uhrig, Pressesprecherin der Barmer Ersatzkasse in Wuppertal, ist das Vorgehen des Bundesversicherungsamtes „völlig rätselhaft”.
Rüsberg-Uhrig sagte auf AZ-Anfrage: „Ich verstehe das nicht, zumal in Kürze die Freigabe des Versandhandels durch den Europäischen Gerichtshof erwartet wird.”

Auch im Entwurf zur Gesundheitsreform wird die Zulassung des Versandhandels von Arzneimitteln in Aussicht gestellt.

Beim Bundesversicherungsamt gibt man sich unterdessen wortkarg. Pressesprecher Theo Eberenz erklärte nur: „Es sind rund 30 Bescheide an Kassen herausgegangen. Die Rechtslage ist klar.”

Der Patientenschutz steht danach im Vordergrund. Das heißt: Die Arzneimittelsicherheit sei nur gewährleistet, wenn ein Apotheker dem Patienten ein Medikament persönlich in die Hand gibt.

Die Versandapotheker in Landgraaf bleiben unterdessen - gewohnt - gelassen und beschäftigen weiter die Gerichte. Sie berufen sich auf EU-Recht, das Vorrang vor dem deutschen Arzneimittelgesetz hat. Ende offen...