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Aachen: Dieter Philipp: Der Mittelstand kommt zu kurz

Aachen : Dieter Philipp: Der Mittelstand kommt zu kurz

Der Mittelstand, so sagt Handwerkspräsident Dieter Philipp, sei das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Zahlen bestätigen die Aussage: Mit rund 3,3 Millionen Unternehmen sind mehr als 90 Prozent „mittelständisch”.

Diese wiederum beschäftigen fast 70 Prozent aller Erwerbstätigen. Der Umsatz von 1,2 Billionen Euro bedeutet 60 Prozent der Bruttowertschöpfung.

Das eindrucksvolle Zahlenbild, das Philipp am Dienstag vor dem regionalen Wirtschaftsrat der CDU in Aachen erläuterte, hat aber auch eine negative Kehrseite. Der Motor der wirtschaftlichen Leistungskraft, so Philipp, stottert gewaltig.

Allein im Handwerk seien im letzten Jahr 200 000 Arbeitsplätze verloren gegangen; in diesem Jahr stehen seinen Angaben zufolge weitere 200 000 auf der Kippe. Letztere Befürchtung geht nicht zuletzt auf die Verschiebung der 2. Stufe der Steuerreform zurück. Dies verstärke die Ungleichbehandlung zu Lasten des Mittelstandes erneut, klagt Philipp.

Finanzielle Solidarität mit den von der Flutopferkatastrophe Geschädigten dürfe nicht durch die Verweigerung zugesagter Hilfe geleistet werden, die wiederum zusätzliche Wachstumsprobleme aufwerfe.

Sie müsse vielmehr durch Einsparungen und Umschichtungen in staatlichen Haushalten möglich sein, schließlich gehe es bisherigen Berechnungen zufolge nur „um 1,5 Prozent des Gesamtvolumens der öffentlichen Haushalte”.

Staatsausgaben, Steuerlast und Sozialversicherungskosten müssten aufeinander abgestimmt werden, fordert der Handwerkspräsident, der auch im finanziellen Ausbluten der Kommunen eine große Gefahr für die Gesellschaft sieht.

Nur über Wachstum und Investitionen würden neue Arbeitsplätze geschaffen. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung müsse dabei „attraktiver” gemacht und die gesamte Sozialversicherungsabgabe unter die 40-Prozent-Marke gesenkt werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für Philipp der Abbau der Bürokratie. Seine Klage: „721 Stunden pro Jahr muss sich ein Unternehmen im Durchschnitt mit bürokratischen Hilfsarbeiten plagen. Das kostet überschlägig ca. 32.000 Euro jährlich.”