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Aachen: Die Schatten sind länger geworden

Aachen : Die Schatten sind länger geworden

Die Unternehmen der Region Aachen werden die Hoffnung auf eine konjunkturelle Belebung wohl auf das Jahr 2003 verschieben müssen.

Dies sagte am Dienstag der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Jürgen Drewes. Er sprach von einer „teilweise kritischen Phase”.
Lage und Stimmung in der Industrie und bei den Verbrauchern sind schlecht.

Dieses Fazit zog IHK-Hauptgeschäftsführer Drewes am Dienstag nach der Auswertung der Herbst-Konjunkturumfrage der Aachener Kammer.

Deutliches Signal dafür: Der regionale Klimaindex, der die derzeitige Geschäftslage und die zukünftigen Erwartungen zusammenfasst, fiel auf den tiefsten Stand seit der Einführung dieser Kennzahl im Jahr 1994.

Statt Hoffnung auf Aufschwung jetzt wieder größere Skepsis. Die Umfrage - es beteiligten sich 579 regionale Unternehmen mit genau 63 364 Beschäftigten - lässt befürchten, dass einige Branchen die Talsohle noch nicht erreicht sehen. Dies gilt insbesondere für das Baugewerbe.

Drewes: „Die unsichere Wirtschaftslage lähmt den gewerblichen Hochbau, anhaltend stark sinkende Auftragseingänge sowie der weiterhin schwache Wohnungsbau geben kaum Anlass zur Hoffnung.” Da bleiben natürlich auch viele notwendige Investitionen auf der Strecke. Fast die Hälfte der Bauunternehmen gaben sinkende Investitionsausgaben für das laufende Jahr an.

In der Industrie beklagt jedes dritte Unternehmen eine schlechte Geschäftslage, wobei Textilbranche und Maschinenbau sich stimmungsmäßig am unteren Ende der Skala befinden.

Die gedrückte Stimmung in der Industrie wirkt sich auch verstärkt auf die Dienstleister und den EDV-Bereich aus. Das in der EDV-Branche nur noch knapp zehn Prozent der befragten Unternehmen ihre Situation als gut einschätzen, unterstreicht die inzwischen stark rückläufige Entwicklung im einst so erwartungsfrohen regionalen IT-Sektor.

Lichtblick unter dem Stichwort Dienstleister: Im Kreditgewerbe überwiegen die positiven Stimmen, so Drewes. Dies wirkt sich auch auf die Beschäftigung aus. Während zum Beispiel im gesamten Dienstleistungsbereich jedes dritte Unternehmen mit abnehmender Beschäftigung rechnet, hat das Kreditgewerbe die Beschäftigtenprognose „nach den Umstrukturierungsmaßnahmen vom Frühjahr etwas nach oben korrigiert”.

Eine positive Ausnahme bildet beim insgesamt negativen Beschäftigungsausblick auch das Ernährungsgewerbe. Ansonsten gilt aber die Feststellung, dass generell „die Arbeitslosigkeit auf sehr hohem Niveau verharrt” und vor allem im Einzelhandel und im Baugewerbe weiter von Stellenabbau die Rede ist. Die geringe Kaufbereitschaft belastet natürlich vor allem den Einzelhandel.

Es bringt aber auch neue Sorgen für die Gesamtwirtschaft, die durch den Export allein nicht mehr gestützt werden könne, so Drewes.

Vor allem der Maschinenbau hatte seinen Angaben zufolge deutliche Rückgänge zu verkraften. Inzwischen sei auch die nachlassende Dynamik in der USA-Wirtschaft in der exportorientierten Region Aachen zu spüren.

Einschränkend verwies er allerdings darauf, dass nur etwa zehn Prozent der regionalen Ausfuhren nach Amerika gehen. Um die Abhängigkeit von den bisherigen Märkten zu mindern, plane die IHK eine „Export-Offensive nach Asien”, sagte Drewes, der von wichtigen Zukunftsmärkten sprach.

Gespaltene Prognose für den Handel: Während der Großhandel laut IHK eine „stabile Gesamtprognose” für 2002 vorlegt, sieht der Einzelhandel auch die weitere Entwicklung pessimistisch. Die „Kauflust” bleibt trotz niedriger Inflation wohl auch in nächster Zeit schwach.