Aachen: Die Pax-Bank feiert 100 Jahre

Aachen: Die Pax-Bank feiert 100 Jahre

Der Kölner Pfarrer Peter Limbach hat vermutlich nicht geahnt, dass man nach hundert Jahren seinen Namen noch immer nennt. In der Geschichte der Pax-Bank ist er fest verankert — als derjenige, der nicht locker ließ, als 1916 die Gründung einer Spar- und Darlehenskasse als Selbsthilfeorganisation für Priester zunächst nicht funktionierte: Die Fuldaer Bischofskonferenz sagte „nein“ — aber nur einmal.

„Ein Dekret von Papst Pius X. verbot dem Klerus damals noch die Teilnahme an Geldgeschäften“, wirft Michael Beekes (53), Leiter der Aachener Filiale einen Blick in die Vergangenheit.

Die Filiale der Paxbank in Aachen wird von Michael Beekes (kl. Foto) geleitet. Hier begann 1958 der Expansionsprozess des Bankhauses. Eine weitere Niederlassung gibt es in Rom. Foto: Rudolf Wichert/dreipunktdreiFoto

Dann wurde — trotz des Dekrets — in Regensburg die katholische Liga-Bank zugelassen. Und beim zweiten Anlauf, am 18. Oktober 1917, bekam Pfarrer Limberg schließlich die Erlaubnis zur Bankgründung in Köln. Am Mittwoch vor genau 100 Jahren.

Inzwischen hat die Pax-Bank neben der Zentrale in Köln Filialen: in Aachen, Trier, Essen, Mainz, Eichsfeld, Erfurt und Berlin. Eine weitere Filiale steht in Rom unweit des Vatikans. „Rom ist Drehscheibe für unsere vielfältigen Auslandsaktivitäten und nicht zuletzt mit dem Vatikan die Schaltzentrale der katholischen Kirche“, betont Beekes. „Vom Vatikan sind wir allerdings völlig unabhängig.“ Die Klientel besteht aus Bistümern, Ordensgemeinschaften, Kirchengemeinden und deren Sozialeinrichtungen sowie aus Privatkunden.

Fillialgründung in Aachen

Mit der Filialgründung in Aachen 1958, der kurz darauf Essen folgte, begann etwas Neues: Die Pax-Bank ging auf Expansionskurs, wuchs über den Standort Köln hinaus. „Aachen hat dabei großes Wachstumspotenzial bewiesen und ist heute nach Köln die größte Filiale“, berichtet ihr Chef, der 2015 die Leitung von Hans Mülders übernommen hat — nach 35 Jahren.

„Wir bauen auf seine Arbeit auf und stellen uns neuen Herausforderungen etwa im Bereich der Digitalisierung“, sagt Beekes. Das Bistum hatte 1967 auf die Gründung einer eigenen Darlehnskasse verzichtet — eine gute Basis, um zu wachsen. Bis 1968 gehörten rund 70 Prozent der Kirchengemeinden des Bistums zum Kundenkreis der Bank. Inzwischen gibt es 190 Mitarbeiter — 21 davon in Aachen.

Das Gründungsjahr 1917 war kurz — die Bilanzsumme betrug 57 110 Mark, immerhin. Das hat sich verändert: Der Geschäftsabschluss 2016 zeigte eine Summe von 2,56 Milliarden Euro, das gesamte Kundengeschäftsvolumen lag bei 6,2 Milliarden Euro.

Faire Beratung nach Ethik-Kodex

Die Pax-Bank hat einen Ethik-Kodex: Achtung von der Würde des Menschen, Gemeinwohlorientierung, Verantwortung für die Schöpfung sowie Fairness in der Kundenberatung. „Es ist wichtig, die mit einem beabsichtigten Geschäft verbundenen Chancen und Risiken offenzulegen“, erläutert Beekes. „Unsere Unternehmensgeschichte und -kultur fußt auf der christlichen Soziallehre.“

Investitionen etwa in Unternehmen die Atomkraftwerke unterhalten, Anti-Personen-Minen oder Streubomben herstellen, sind für das Unternehmen tabu. Als 2009 Anteile eines Rüstungs- und Tabakkonzerns sowie eines Pharmazieunternehmens, das den ethischen Prinzipien der Bank nicht entsprach, in einem Investmentfonds auftauchten, war das ein Schock, man handelte sofort.

„Wir haben damals festgestellte: Nachhaltigkeitskriterien zu erstellen ist das eine, diese in den international verflochtenen Kapitalmärkten umzusetzen, ist das andere.“ Hat man aus dieser Erfahrung gelernt? „Wir bedienen uns heute beim Auswahlprozess des Sachverstands von speziellen Partnerunternehmen, die sich bei internationalen Wirtschaftsunternehmen auskennen und die unsere ethischen Prinzipien respektieren“, versichert Beekes.

Geldgeschäfte sind eine Herausforderung: Hier ist man sich bei der Pax-Bank bewusst, dass man mit Geld „viel Gutes, aber auch Schlechtes“ tun kann. „Wir sehen unsere Aufgabe als Kirchenbank darin, soziales und gemeinnütziges Engagement von Kirche und Caritas zu unterstützen, dafür braucht man Geld!“ sagt Beekes.

Wichtig ist das Ehrenamt

Wie hat man die Zeit des Nationalsozialismus überlebt? Da die Schließung nur durch einen mehrheitlichen Gesellschafterbeschluss möglich gewesen wäre, konnten das die „Gründungsväter“ bis zum Kriegsende hinausschieben.

Muss man katholisch sein, um in dieser Bank zu arbeiten? „Nein“, versichert Beekes. „Wichtig ist die Fachlichkeit, aber Kenntnisse von Strukturen der Kirche und ehrenamtliches Engagement sind von Vorteil.“ In der ursprünglich von Priestern für Priester gegründeten Bank arbeiten viele Frauen, auch in Führungspositionen etwa als Abteilungsdirektorin oder im Aufsichtsrat.

Als erste deutsche Kirchenbank gibt es bei der Pax-Bank inzwischen eine „Crowdfundingplattform“, auf der gemeinnützige und öffentliche Einrichtungen/Träger Projektideen vorstellen dürfen, um so das nötige Kapital dafür zu finden.

Mit dem 2005 gegründeten und jährliche vergebenen Pax-Preis (dotiert mit 5000 Euro) setzt man zudem ein Zeichen für einen interkulturellen- und interreligiösen Dialog. Friedvoll — schließlich bedeutet „Pax“ auf Lateinisch „Frieden“.

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