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Krefeld: Die Milch wird teurer

Krefeld : Die Milch wird teurer

Bei Milchprodukten müssen die Verbraucher tendenziell mit steigenden Preisen rechnen - nach einem jahrelangen Abwärtstrend auf Druck der Lebenmittel-Discounter. Diese Prognose trafen Molkereivertreter am Mittwoch in Krefeld bei der Jahresbilanz der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalens.

„Wir haben derzeit ein Niedrigstpreisniveau bei Milch”, sagte der Geschäftsführende Vorstand der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW, Rudolf Heidhues. In der anstehenden Verhandlungsrunde mit den Handelsunternehmen im Frühjahr strebten Milchverarbeiter deutliche Preiserhöhungen an.

„Wir haben gestiegene Kosten in den Unternehmen”, schilderte Heidhues, der zugleich Vorstandsvorsitzender des Molkereiriesens Humana ist. Vor allem die Transport- und die Energiekosten seien gestiegen. Auch aus Sicht der Milcherzeuger müsse es zu einer deutlichen Preiserhöhung kommen. Sonst hörten immer mehr Landwirte mit der Milchkuhhaltung auf und sattelten auf andere Erwerbsfelder um.

Die Forderungen nach Preiserhöhungen gegenüber dem Handel dürften sich bei pasteurisierter Vollmilch nach Einschätzung von Heidhues eher in einer Größenordung von 10 Prozent als von 5 Prozent bewegen.

Die Verbraucherpreise für Vollmilch seien 2006 im Durchschnitt geringfügig um 2 Cent auf 59 Cent je Liter gestiegen, sagte Reinhard Pauw, Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW. Dabei habe der Handel seine Spanne von knapp 11 Cent (2005) auf gut 14 Cent je Liter (2006) erhöht.

Die Abgabepreise der Molkereien an den Handel seien 2006 um rund 1,5 Cent auf 44,6 Cent je Liter Vollmilch gesunken. Bei fettarmer H-Milch seien Verbraucherpreise mit 49 Cent je Liter im Durchschnitt stabil geblieben. Die Handelsspanne sei zugunsten der Molkereien von 11 auf 9 Cent je Liter gesunken. Im vergangenen Jahr verringerte sich die Zahl der Milchkuhhalter landesweit um 428 auf 8580.

Mit einem Rückgang von fast 5 Prozent habe sich der Strukturwandel ungebremst fortgesetzt. Seit dem Jahr 2000 habe inzwischen mehr als jeder vierte Milchkuhhalter aufgeben. Die Preise, die Landwirte von den Molkereien für ihre Milch bekommen, bewegten sich nach wie vor auf dem Niveau von vor drei Jahrzehnten.

Im Bundesdurchschnitt seien sie im Gesamtjahr 2006 um schätzungsweise 0,3 Cent auf 27,3 Cent je Liter (ohne Mehrwersteuer, ab Hof) weiter gesunken. Allerdings habe es Ende 2006 einen Aufwärtstrend gegeben.

In NRW wurde 2006 so wenig Milch erzeugt wie etwa seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Milchmenge sank den Angaben zufolge deutlich um 2,9 Prozent auf 2,58 Millionen Tonnen. Die Menge der in NRW verarbeiteten Milch sank noch kräftiger um 3,9 Prozent auf 2,46 Millionen Tonnen. Die Zahl der Molkereien in NRW mit eigener Milchanlieferung sank im vergangenen Jahr weiter von 11 auf 10.