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Aachen: DHL plant Elektroauto-Testzentrum auf Avantis

Aachen : DHL plant Elektroauto-Testzentrum auf Avantis

Die Deutsche Post will im deutsch-niederländischen Gewerbegebiet Avantis ein Testzentrum für Elektrofahrzeuge bauen. Wie das Postunternehmen am Donnerstag bekanntgab, sollen die Bauarbeiten auf dem Gelände zwischen Aachen und Heerlen schon Ende Juni beginnen. Für das Aachener Elektroauto-Projekt Streetscooter ist das eine weitere gute Nachricht.

Auf dem rund 20.000 Quadratmeter großen Areal soll den Plänen nach bis zum Ende des Jahres ein sogenannter Innovationspark entstehen. Nach den guten Erfahrungen mit den - an der RWTH entwickelten - Streetscooter-Zustellfahrzeugen bei einem Pilotprojekt in Bonn will die Deutsche Post weiter in die Erprobung neuer Zustellformen einsteigen. Auf Avantis wird nun ein Prüfzentrum zum Testbetrieb der Streetscooter „sowie weiterer innovativer Zustellkonzepte“ entstehen.

 Dieses Zustellfahrzeug ist bis zu 85 km/h schnell, hat eine Motorleistung von 45 kW und eine Reichweite 120 Kilometern.
Dieses Zustellfahrzeug ist bis zu 85 km/h schnell, hat eine Motorleistung von 45 kW und eine Reichweite 120 Kilometern. Foto: Marc Heckert

Der weltgrößte Logistikdienstleister setzt damit voll auf Elektromobilität. Der Bonner Konzern sich selbst das Ziel vorgegeben, bis 2020 seine CO2-Effizienz um 30 Prozent zu verbessern. Der bei Talbot in Aachen hergestellte Streetscooter steht dabei im Mittelpunkt. „Der Testbetrieb von speziell für die Brief- und Paketzustellung entwickelten Elektrofahrzeugen soll nun am neuen Standort intensiviert und ausgebaut werden, um dieses Ziel zu erreichen“, sagte Jürgen Gerdes, Konzernvorstand für den Unternehmensbereich Post/eCommerce/Parcel.

 Die Deutsche Post AG gab am Donnerstag bekannt, im Gewerbegebiet Avantis ein Prüfzentrum für Elektrofahrzeuge bauen zu wollen.
Die Deutsche Post AG gab am Donnerstag bekannt, im Gewerbegebiet Avantis ein Prüfzentrum für Elektrofahrzeuge bauen zu wollen. Foto: Michael Jaspers

Für das ehrgeizige Aachener Streetscooter-Projekt ist die heutige Meldung eine weitere Erfolgsnachricht. Das an der RWTH unter Professor Achim Kampker entwickelte Elektroauto bewährt sich derzeit in mehreren Testumgebungen. Rund 50 Fahrzeuge sind bei der Deutschen Post unter anderem im Raum Bonn im Einsatz. Bei der Stadt Aachen, der Städteregion und der Sparkasse Aachen wurden Ende Mai die ersten drei von insgesamt 100 Fahrzeugen in Betrieb genommen. Sie alle sollen bis Ende des Jahres ausgeliefert werden.

Die Serienfertigung des Elektroautos beim einstigen Bombardier-Triebwagenwerk soll Mitte des Jahres anlaufen. Geplant sind zunächst 3000 Exemplare pro Jahr, später könnten es 5000 werden. An der Streetscooter-Plattform arbeiten mehr als 80 Unternehmen aus der Region und darüber hinaus zusammen. Im November 2013 war auf dem Campus der Universität ein neues Zentrum für Elektromobil-Produktion (ZEP) eingeweiht worden.

Auf Seiten der Stadt Aachen dürfte besondere Freude ausgelöst haben, dass die Deutsche Post für ihr Bauvorhaben das lange als schwer vermarktbar geltende Gewerbegebiet Avantis zwischen Aachen und Heerlen gewählt hat. „Seit Mai 2013 konnte damit ein Viertel der gesamten Nettogewerbefläche vermarktet werden — Avantis lebt“, betont Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp am Donnerstag. Die Deutsche Post wiederum hebt in ihrer Pressemitteilung zum Projektstart ausdrücklich die „Nähe zur exzellenten Hochschullandschaft“ hervor. Die wissenschaftsorientierte Neuansiedlung auf Avantis beweise einmal mehr die Bedeutung der Hochschulen am grenzüberschreitenden Standort Aachen-Heerlen.

Im März hatte Europas größte Versandapotheke DocMorris bekanntgegeben, sich auf dem niederländischen Teil von Avantis niederlassen zu wollen. Geplant sind dort auf einem rund 30.000 Quadratmeter großen Grundstück ein vierstöckiger Verwaltungsbau und ein Logistikzentrum. Das Vorhaben soll einen Wert von rund 20 Millionen Euro haben.