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Brüssel: Deutscher Meisterbrief soll „europafest” werden

Brüssel : Deutscher Meisterbrief soll „europafest” werden

Ungeachtet wachsenden Drucks aus der EU-Kommission und verschiedenen Mitgliedsländern ist das deutsche Handwerk entschlossen, grundsätzlich am Meisterbrief, dem Großen Befähigungsnachweis und der Handwerksordnung festzuhalten.

Zugleich sollen in Zukunft erheblich mehr Bereiche als bisher für die Selbstständigkeit aus dem „Meisterzwang” herausgenommen würden. Das kündigte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Dieter Philipp, in Brüssel an.

Das deutsche Handwerk will das bestehende System sowohl den durch neue Berufe entstehenden Herausforderungen anpassen als auch mehr Verknüpfungen zu den Organisationsformen in anderen EU-Staaten schaffen.

Der Meisterbrief solle „europafest” gemacht werden, sagte Philipp am Donnerstag in Brüssel. Diese Thematik stand auch im Mittelpunkt einer zweitägigen Klausurtagung des ZDH-Präsidiums in Brüssel sowie intensiver Gespräche mit Angehörigen der EU-Kommission.

Vor der Presse kündigte Philipp an, dass in Zukunft wahrscheinlich erheblich mehr Bereiche als bisher für die Selbstständigkeit aus dem „Meisterzwang” herausgenommen würden.

Einzelheiten nannte er allerdings nicht. Nach den Worten Philipps muss es oberstes Ziel aller Überlegungen und Maßnahmen sein, die in Europa existierenden Organisationsformen im Handwerk möglichst eng miteinander zu verzahnen und grenzübergreifende Zugänge zum Beispiel zu den Ausbildungssystemen zu schaffen, ohne freilich den in Deutschland herrschenden Standard abzusenken. Gedacht ist, eine Art Baukastensystem aufzubauen.

Ein nach Deutschland kommender Ausländer soll danach die Chance haben, sich im neuen Betrieb ein seiner Ausbildung gemäßes „Arbeits-Element” auszusuchen.

Das Handwerk, so der ZDH-Chef, besitze im internationalen Vergleich noch immer eine hohe Wettbewerbsfähigkeit; das müsse auch so bleiben. Unzufrieden äußerte sich Philipp über die noch immer zu beobachtende Zurückhaltung der Klein- und Mittelbetriebe, die Chancen des europäischen Binnenmarktes zu nutzen und grenzübergreifend tätig zu werden.

Er regte an, in der EU für diesen Wirtschaftszweig eine verstärkte Messe-Tätigkeit zu entfalten, damit er sich besser darstellen könne.