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Berlin: Designhotels - schrill, extravagant und teuer

Berlin : Designhotels - schrill, extravagant und teuer

Der Nischenmarkt Designhotels hat sich in den vergangenen Jahren trotz Konjunkturflaute behauptet.

Erkennungsmerkmale sind eine gewagte Architektur, eine sehr gute technische Infrastruktur - zum Beispiel schneller Internetzugang - sowie individueller Service. Eine Kategorisierung nach Sternen gibt es nicht. Die Hotels wollen keiner Klasse entsprechen, sondern ein außergewöhnliches Wohn- und Designerlebnis verkaufen.

Die Hotelkooperation design hotels mit Sitz in Berlin, die sich unter anderem um den Online-Vertrieb ihrer Mitgliederhotels kümmert, verweist auf eine im Vergleich mit Hotels ähnlich hoher Ansprüche 15 bis 25 Prozent höhere Auslastung.

Wie Unternehmenschef Claus Sendlinger erläutert, zählen in Deutschland derzeit sieben Hotels zu der Hotelkooperation design hotels, drei davon in Hamburg (Side, Gastwerk Hotel, 25hours Hotel), zwei in Berlin (Bleibtreu, Madison) sowie jeweils eins in München (Hotel Advokat) und Münster (Mauritzhof Hotel).

In Hamburg wird im Juli mit East ein weiteres Designhotel eröffnen. Trotz der Ballung auf wenige Standorte sieht Sendlinger für die nächsten Jahre noch weiteres Potenzial für dieses Marktsegment.

In Großstädten wie Berlin, in denen es einen Bettenüberhang gibt, wird man sich nach Einschätzung Sendlingers noch weiter auf bestimmte Zielgruppen konzentrieren. Zudem sollten Designhotels auch abseits der touristischen Metropolen eröffnet werden.

Haus in Maastricht

Inzwischen gebe es Designhotels auch in Graz, Maastricht, Bozen, Valencia und Bilbao. „Das wird in Deutschland mit Sicherheit auch kommen.” Auch sei in Deutschland noch Potenzial in der Ferienhotellerie vorhanden, wo Designhotels bisher noch keine Rolle spielten, betonte er.

Das erste Hotel entstand in New York unter der Regie der französischen Star-Architekten Philippe Starck und Andree Putman. Einige Häuser tragen auch die Handschrift des britischen Innenarchitekten Sir Terence Conran. In Europa hielten Designhotels zuerst in den Metropolen London und Paris Einzug.

In Deutschland sind die hochpreisigen Hotels derzeit noch auf Hamburg und Berlin konzentriert. Vor zehn Jahren kam die meist jüngere und zahlungskräftige Gästeklientel vorzugsweise aus der Werbe-, Medien- und IT-Branche, die einen großen Wert auf Individualität und Lifestyle legen.

Doch die Krise in der Internet- und Medienbranche sowie die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA sind auch an den Designhotels nicht spurlos vorüber gegangen. Inzwischen zählen Banken und Großindustrie zu den wichtigsten Kunden.

Trotz der harten ökonomischen Zeiten hat sich dieses Nischenprodukt der Hotellerie so gut etabliert, dass auch große Hotelketten eigene Designhotels auf dem Markt platzieren, wie beispielsweise das Dorint am Gendarmenmarkt in Berlin oder das Hotel Am Alten Wall in Hamburg.