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Aachen: Der Winter lässt den Bau nicht los

Aachen : Der Winter lässt den Bau nicht los

Seit neun Jahren bestimmen rückläufige Wirtschaftszahlen die Baubranche. Auch im ersten Quartal 2003 ist von einer Frühjahrsbelebung keine Spur, nachdem der Auftragseingang 2002 in der Region Aachen nochmals um 13,6 Prozent zurückging.

Vor dem Hintergrund der lang anhaltenden Talfahrt will Joachim Neßeler, Vorsitzender des Verbandsbezirks Aachen der Wirtschaftsvereinigung Bauindustrie, auch nicht mehr von einer konjunkturellen Krise sprechen.

Vielmehr handele es sich um strukturelle Ursachen, die dazu führten, dass immer mehr Arbeitsleistung auf dem deutschen Baumarkt von ausländischen Billiglöhnern erbracht werde.

Angesichts der EU-Erweiterung befürchtet er, dass bald kaum noch deutsche Arbeiter auf hiesigen Baustellen anzutreffen sind.

In der Region Aachen sei die Zahl der Beschäftigten am Bau in zwanzig Jahren um fast zwei Drittel auf 5519 gesunken.

Neßeler fordert deshalb zum Gegensteuern auf, „denn wir können nicht endlos auf hohem Niveau jammern”. Ein von ihm entwickeltes Konzept zielt auf eine drastische Senkung der Lohnstückkosten, um Bauen auch für die Kommunen und private Bauherren wieder attraktiver zu machen.

Damit verbunden ist eine um zehn Arbeitstage verlängerte Jahresleistung und eine Erhöhung der täglichen Arbeitszeit von acht auf 8,8 Stunden.

Durch die so erzielte Kostensenkung um zehn Prozent könnten die Baufirmen auch mit deutschen Arbeitern wieder wettbewerbsfähig anbieten.

Nach dem Neßeler-Modell ergibt sich unter dem Strich wegen der Mehrarbeit für die Beschäftigten keine finanziellen Einbußen. „Die verlängerte Arbeitszeit garantiert ihnen, dass ihre Arbeitsplätze sicherer werden”, versichert er.

Derartige Modelle sind nach Beobachtung von Georg Quadflieg, Obermeister der Bau-Innung Aachen, in Ostdeutschland an der Tagesordnung. Dort seien die meisten Firmen aus den Tarifverbänden ausgetreten und zahlten nur noch „Mindestlöhne”.

Die Krise der Baubranche spiegeln auch die am Mittwoch in Aachen vorgelegten Zahlen wider. Danach ging die Baunachfrage im Bezirk Aachen im vergangenen Jahr um 13,6 Prozent zurück.

Am schlechtesten schnitt der öffentliche Hochbau mit - 32,5 Prozent ab, gefolgt vom Wirtschaftsbau (- 24 Prozent) und vom Straßenbau mit - 10,7 Prozent.

Die überraschende Zunahme der Wohnungsbaunachfrage um 13 Prozent gegen den bundesweiten Trend begründet Quadflieg mit statistischen Gründen: Im Jahr 2001 hatte es einen Rückschlag um über 22 Prozent gegeben.

Ergänzt wird diese negative Entwicklung durch einen Umsatzrückgang bei den Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten im Kammerbezirk Aachen um 11,8 Prozent auf 627,8 Millionen Euro.

Die Zahl der Beschäftigten sank 2002 um 8,3 Prozent auf 5519. Die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter stieg in der Region um 8,1 Prozent auf 2431.