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Sparkasse Aachen: Der Sparbrief ist zurück

Sparkasse Aachen : Der Sparbrief ist zurück

Die Sparkasse Aachen reagiert auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Doch ungetrübt ist die Freude nicht.

Es gibt wieder Zinsen.“ Erleichtert reagiert Norbert Laufs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen, auf die kürzlich getroffene Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Jahre der ultralockeren Geldpolitik zu beenden. Im Juli will die EZB ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anheben – die erste Erhöhung seit mehr als einem Jahrzehnt. Diese Zinswende sei von Kreditwirtsschaft und Anlegern stark „herbeigesehnt“ worden, sagt Laufs bei der Vorstellung der Sparkassen-Ergebnisse per Mai 2022. Es seien die ersten vorsichtigen Schritte in eine „normale“ Zinswelt.

Auch wenn der offizielle Leitzins damit immer noch auf dem Rekordtief von null Prozent verharrt, hat die Ankündigung Auswirkungen auf die Kundinnen und Kunden: So will die Sparkasse Aachen das Verwahrentgeld, die ungeliebten Negativzinsen für Geldeinlagen, anpassen. „Wir werden die angekündigten Zinsmaßnhamen der EZB parallel an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben“, sagt Laufs.

Seit diesem Monat bietet die Sparkasse Aachen auch wieder Sparbriefe an. „Wir sind froh, auf diese Weise zur Förderung des Sparsinns beizutragen, einer der grundlegenden Aufgaben einer Sparkasse“, betont der Vorstandschef. Ungetrübt ist die Freude dennoch nicht. Laufs: „Bei der aktuell sehr hohen Inflation reichen die Zinsen nach wie vor nicht aus, um einen Realzinsverlust zu vermeiden.“

Von einem „gesunden Wachstum“ spricht Laufs mit Blick auf die Entwicklung der Kundeneinlagen, die in den ersten fünf Monaten des Jahres um 211 Millionen Euro auf 10,7 Milliarden Euro gesunken seien. Privatkunden legten im gleichen Zeitraum 336 Millionen Euro (5/2021: 306 Millionen Euro) in Wertpapieren an. Bei der derzeitigen Inflation bleibe die Anlage in Wertpapieren eine sinnvolle Ergänzung für die meisten Kundinnen und Kunden.

Von einem „sensationellen Zuwachs“ im Kreditgeschäft spricht der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Christian Burmester. So entwickelte sich das Kreditvolumen der Sparkasse Aachen bis Mai mit einem Zuwachs von 316 Millionen Euro nach 71 Millionen im Jahr 2021 sehr dynamisch. Dabei hatten langfristige Kredite mit einem Anteil von 270 Millionen Euro den Hauptanteil. „Viele Kunden haben sich in Erwartung steigender Zinsen eine günstige Kondition für ihren Kredit gesichert“, sagt Burmester. Insgesamt sagte die Sparkasse ihren Kunden Darlehen in Höhe von mehr als 900 Millionen Euro zu. „Ein sehr erfreuliches Ergebnis, das ohne das hohe Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kaum zu stemmen gewesen wäre“, resümiert Burmester. Für das Geschäftsjahr 2022 geht die Sparkasse Aachen von einem nahezu gleichbleibenden Betriebsergebnis von 0,71 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme aus.

Für ihre Kundschaft will sich die Sparkasse noch zielgerichteter aufstellen. „Da Serviceleistungen zunehmend bequem online oder per Sparkassen-App abgewickelt werden, kommt der Beratung eine immer größere Bedeutung zu“, sagt Laufs. In vier neuen Abteilungen kümmern sich die Beraterinnen und Berater künftig intensiver um die Anforderungen von Firmen- und Gewerbekunden. Für die Weiterentwicklung der digitalen Angebote gibt es jetzt eine Direkton „Zentrale Vertriebseinheiten“, in der die Sparkasse flexible Finanzberatung, die digitalen Geschäftsstelle und ihr Kommunikations-Center bündelt. Digitale Beratungsangebote wie Beratung per Video, Telefon, Chat oder E-Mail werden dort angeboten.

Voran geht es nach Auskunft des Vorstandsvorsitzenden auch bei den Filialen: Der Neubau in Imgenbroich hat begonnen, der Neubau in Broichweiden kommt gut voran. Auch in den vom Hochwasser betroffenen Filialen tut sich einiges: Eschweiler ist bereits seit längerem wieder am Start, die Stolberger Filiale bezieht aktuell ein vorübergehendes Ausweichquartier in der Nähe des beschädigten Standortes, und der Wiederaufbau der Zweigstellen in Weisweiler und Kornelimünster kommt voran. (red)