Datenbrillen-Startup Oculavis hofft auf Gründerpreis

Aachen : Aachener Datenbrillen-Startup hofft auf Deutschen Gründerpreis

Nur weil eine Idee die Arbeit in der Theorie erheblich erleichtert, heißt das noch nicht, dass sie in der Praxis auch tatsächlich angenommen wird. Das mussten Martin Plutz, Philipp Siebenkotten und Markus Große Böckmann feststellen, als sie vor gut zwei Jahren die Oculavis GmbH gegründet hatten und daran gingen, ihren Business-Plan in die Realität umzusetzen.

Neun Module hatten die Alumni der RWTH für ihr Geschäftsmodell eingeplant. Neun Anwendungsbereiche, für die sie Software für Smart Glasses, also Datenbrillen, programmieren und anbieten wollten. Insbesondere im Bereich der Warenkommissionierung sahen sie großes Potenzial. „Der Hauptvorteil bei der Verwendung von Datenbrillen ist schließlich, dass derjenige, der damit arbeitet, die Hände frei hat“, erklärt Martin Plutz. Doch Lagerbestände von heute auf morgen statt mit Stift und Klemmbrett mit einer Datenbrille aufzunehmen, habe sich als nicht durchsetzbar erwiesen. „Der Technologiesprung war einfach zu groß“, sagt Plutz.

Heute beschäftigt das Unternehmen dennoch 25 Mitarbeiter und hat sich am Markt etablieren können. Aus den neun ursprünglichen Ideen hat sich schnell eine andere als besonders praktikabel erwiesen: „Unser Fokus liegt inzwischen auf dem Remote Support“, sagt Philipp Siebenkotten, der als gelernter Informatiker die Software-Entwicklung der Firma betreut. „Remote“, also aus der Ferne, ermöglichen die Produkte des Start-ups Hilfe bei der Problemlösung oder der Wartung von Maschinen.

„Die Software lässt sich immer dann anwenden, wenn man virtuell vor Ort sein will, ohne selbst hinreisen zu müssen“, beschreibt Plutz. In der Praxis heißt das: Der Experte sitzt zum Beispiel in Aachen und kann, ohne den Schreibtisch zu verlassen, einem Servicetechniker in China dabei helfen, Fehler an einer Maschine zu beheben. Alles, was der Techniker sieht, wird von der Kamera der Datenbrille auf den Computer des Experten übertragen. Die Software ermöglicht dem Experten dann unter anderem, Maschinenteile farbig zu markieren oder auf Schalter an der Maschine zu deuten.

Zwar sind die Aachener nicht die einzigen, die solche Software anbieten. „Was uns von den meisten Konkurrenten abhebt, ist, dass wir selbst Ingenieure sind und nicht ursprünglich aus dem IT -Bereich kommen“, sagt Plutz. Bei den Fach-Kollegen kommt das gut an: Rund 100 Kunden haben die Jungunternehmer seit Geschäftsgründung bereits an Land gezogen. Vorwiegend sind das Anlagenbauer, die dem Kunden zur Maschine eine Datenbrille inklusive Service-Paket anbieten. Aber auch der Hafen von Singapur gehört dazu: Die dortigen Kranführer benutzen die Produkte des Start-ups, um aus dem Führerhaus untereinander zu kommunizieren.

Nach dem rasanten Aufstieg sind die Jungunternehmer jetzt für den Deutschen Gründerpreis nominiert. Die Anwendung im Remote Support wollen sie künftig weiter ausbauen. So soll es zum Beispiel bald möglich sein, beim Blick auf eine Maschine eine 3-D- Einsicht ins Innere auf den Gläsern der Brille zu sehen.

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