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München/Aachen: Das Thema Wohnen gewinnt wieder an Bedeutung

München/Aachen : Das Thema Wohnen gewinnt wieder an Bedeutung

Dieser Trend sorgt auf Europas größter Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München für Erleichterung: Das Thema Wohnen gewinnt im Geschäft zwischen zahllosen Handels-, Hotel- und Geschäftsgebäuden immens an Bedeutung. Auch damit federt die Branche Umsatzeinbrüche vergangener Jahre spürbar ab.

Davon profitiert die Standgemeinschaft „aachen1a“ auf der Messe mit fast 40.000 Teilnehmern und knapp 1600 Ausstellern aus 33 Ländern zwischen Ausstellern wie dem russischen Nischni Nowgorod und dem Nachbarstandort „Niederrhein“. Dass NRW-Bauminister Michael Groschek an der Isar die Dreiländerregion unter Federführung der Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK) zum vielschichtig attraktiven Angebot beglückwünscht, freut Organisator Fritz Rötting.

„Wir haben uns hier in 14 Jahren tatsächlich zu einem Magneten entwickelt; das Interesse ist riesig“, sagt er. Am grellgrünen „aachen1a“-Stand bilden sich tatsächlich über Stunden Menschentrauben. Investoren verhandeln mit Projektentwicklern, mit Wirtschaftsförderern, mit über einem Dutzend Bürgermeistern und Landräten, die eigens nach München gereist sind. Wer noch ein Fleckchen Gewerbegebiet anzupreisen hat, muss hier am Start sein. „Auffallend ist dieses Jahr aber darüber hinaus, dass andere Themen eine ebenso große Rolle spielen“, erklärt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Und meint damit das Thema Wohnen, aber eben auch das von Groschek am Vortag angepriesene „Express-Baurecht“ zur schnelleren Verwirklichung von Flüchtlingsunterkünften. Aachens Baudezernent Werner Wingenfeld dämpft zu große Euphorie: „Es kann nicht sein, dass über dieses Vehikel kommunale Flächen preiswert bebaut werden, die dafür überhaupt nicht vorgesehen sind — und damit schwierig rückgängig zu machende Fehler begangen werden“, warnt er.

Er setzt — wie Aachens OB und weitere Verwaltungschefs von Jülich bis Euskirchen — vor allem auf Wachstumsraten im öffentlich geförderten Wohnungsbau. Weil preiswerter Wohnraum fehlt.

Generell gilt aber: Das Dreiländereck boomt. Die Zuwächse in allen Marktsegmenten der Immobilienbranche sind imposant. So hat sich zum Beispiel 2014 die Zahl der Baugenehmigungen in Aachen für Projekte mit mindestens drei Wohnungen laut städtischem Immobilienbericht im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht.

Paradebeispiele dafür liefert „aachen1a“: etwa drei Dutzend Grundstücke, die Landrat Wolfgang Spelthahn und Wirtschaftsförderin Anette Winkler im Kreis Düren zu Sonderkonditionen unter dem Projektnamen „Faktor X“ anbieten.

Oder über 200 Wohnungen, welche Sylvia Friederich von der Landmarken AG unter dem Quartierstitel „Guter Freund“ auf einer ehemaligen Militärbrache im Aachener Osten aus dem Boden stampft. Baubeginn ist noch dieses Jahr. Selbstverständlich bleibt die RWTH Campus GmbH mit ihrem Milliarden-Projekt in Aachen ein Dauerbrenner: Projektentwickler Norbert Hermanns (Landmarken AG) geht gerade mit dem Photonik-Cluster in die Endphase des Baus.

Und nebenan steht die Frauenrath Bauconcept GmbH in den Startlöchern für das Cluster Biomedizintechnik. Projektleiter Johannes Jansen: „Wir bauen nicht nur ein Gebäude, sondern ein Eingangstor aus Stahl und Glas — das ist eine großartige Herausforderung.“

Da passt es prächtig, dass IHK-Präsident Bert Wirtz mit seinem Projekt „Bauen 21“ die vielfältigen Aktivitäten rund um das Bauen — der Hochschulen TH und FH sowie der regionalen Bauwirtschaft — künftig spürbar effektiver vernetzen will. Warum nicht ein weiteres Campus-Cluster „Bauen“ zur Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft in Aachen verwirklichen?

„Das muss das Ziel sein“, betont Wirtz. „Wir haben sowohl aus den Hochschulen als auch aus der Bauindustrie entsprechend positive Signale erhalten. Jetzt muss man das Profil schärfen und sich um die Finanzierung kümmern“, erklärt der IHK-Präsident.

Damit definiert die IHK einen weiteren Trend: Die Aachener Region avanciert zum Kompetenzzentrum für die Bau- und Immobilienwirtschaft.