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Aachen: Das letzte Wort fällt im fernen Hongkong

Aachen : Das letzte Wort fällt im fernen Hongkong

Wieso entscheidet ein Firmenchef im fernen Asien, dass in Aachen Mitte des nächsten Jahres 1000 Mitarbeiter ihren Job verlieren?

Der weite Entscheidungsweg hängt mit der komplexen multinationalen Firmenstruktur zusammen: Der Bildröhrenhersteller LG Philips Displays mit einem Standort in Aachen-Rothe Erde ist ein Joint Venture zwischen zwei „global players”: Jeweils 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten seit Juli 2001 der niederländische Konzern Royal Philips Electronics und die südkoreanische Lucky Goldstar (LG) Electronics.

LG Philips Displays bezeichnet sich als weltweit größter Lieferant von Bildröhren für Fernseher und Computermonitore. Und die Geschicke der rund 30000 Mitarbeiter in den 27 Fabriken - von Aachen bis nach Brasilien und China - lenkt die Konzernzentrale in der Business-Metropole Hongkong.

Die Mutterfirma LG Electronics wurde 1958 unter dem Namen GoldStar in Korea gegründet. Angefangen mit Radios und Kühlschränken reicht die Hightech-Produktpalette heute von DVD-Playern bis zu Klimaanlagen. Über 55000 Beschäftigte arbeiten weltweit für LG Electronics, die wiederum der koreanischen LG Gruppe angehört. Der andere „Elternteil”, Philips, ist ebenfalls einer der größten Elektronikkonzerne der Welt - mit rund 166500 Mitarbeitern in über 60 Ländern und einem Jahresumsatz von 31,8 Milliarden Euro (2002).

Die Tochterfirma LG Philips Displays erzielte im vergangenen Jahr nach Angaben von „Financial Times Deutschland” einen Umsatz von mehr als 4,4 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn lag bei 165 Millionen Dollar. Die Schließung des Aachener Werks wird vor allem auf die rasante technologische Entwicklung zurückgeführt.

Denn LG Philips Displays stellt konventionelle Kathodenstrahlröhren her. Experten erwarten aber, dass diese größeren Bildröhren durch Flachbildschirme auf Basis von Flüssigkeitskristallen, den so genannten LCDs, abgelöst werden. Davon könnte wiederum das zweite Joint Venture der niederländischen und koreanischen Partner profitieren: die LG Philips LCD.

Dagegen kündigte die Bildröhren-Tochter LG Philips Displays an, ihre Glasfabrik mit 265 Beschäftigten in Simonstone (Großbritannien) zu schließen. Zudem werden die Werke in Dreux (Frankreich) und Durham (Großbritannien) ihre Produktion drosseln. Im vorigen Jahr hatten bereits Werke im österreichischen Lebring und in Ottawa (Ohio) geschlossen.

Auf dem Gelände Rothe Erde befindet sich neben LG Philips Displays Germany ein weiteres Werk des Joint Ventures: die LG Philips Displays Glass Germany, die größte Fernsehglasfabrik Europas. Deren 800 Mitarbeiter müssen derzeit nicht um ihre Jobs bangen.