Auftragsbücher sind randvoll: Das Handwerk profitiert von der Hochkonjunktur

Auftragsbücher sind randvoll : Das Handwerk profitiert von der Hochkonjunktur

Das Handwerk profitiert von der Hochkonjunktur. Herausforderungen sieht die Aachener Kammer bei Betriebsnachfolgern, Digitalisierung, Ausbildung und Fachkräftenachwuchs.

Die fetten Jahre sind noch nicht vorbei. Die Handwerkskammer hat ermittelt, dass 92 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk mit der Geschäftslage zufrieden sind. 55 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre Ergebnisse im Jahr 2018 mit „gut“, 37 Prozent sind immerhin zufrieden. Im Vorjahr waren 93 Prozent zufrieden mit ihrer Geschäftslage.

Vor allem im Baugewerbe rechnet Hauptgeschäftsführer Peter Deckers mit weiteren sehr guten Jahren und stützt sich dabei auf Prognosen von Großunternehmen wie Hochtief.

 Zum Bereich der Kammer gehören die Städteregion Aachen sowie die Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg. Mitglieder der Kammer sind unter anderem Bäcker, Friseure und Tischler ebenso wie Elektrotechniker, Metallbau- und KFZ-Betriebe. Seit 2014 befindet sich das Handwerk auf einem konjunkturellen Dauerhoch. Daran ändert auch die gedämpfte Prognose von Bundesfinanzminister Olaf Scholz nichts. „Das geht am Handwerk hier bei uns völlig vorbei“ sagt Deckers. Wenn man auf NRW schaue, sei man nur in der Region Bielefeld noch optimistischer. Auch der Brexit und ein drohender Handelskrieg mit den USA könnten daran nichts ändern, so Deckers.

Rekordwerte hat die Handwerkskammer Aachen im Baugewerbe ermittelt. Hier beurteilen 98 Prozent der Firmen ihre Lage positiv. Kunden müssen hier im Durchschnitt fast eine Woche länger auf einen Handwerker warten. Wer neu bauen will, wartet 17 Wochen, wer ausbaut, muss 9,4 Wochen warten. Das entspricht einem Zuwachs mit Blick auf das Frühjahr 2018 von 0,9 Wochen. Für die Kammer ist das ein Beweis dafür, dass es auch stark weitergeht für die Branche.

Weniger Optimismus

Gewerbliche Betriebe wie Elektrotechniker, Gebäudereiniger und Sanitärbetriebe sind hingegen weniger optimistisch. 83 Prozent der befragten Betriebe sind zufrieden mit ihren Geschäftsergebnissen, 2018 waren es noch 92 Prozent. Im Bereich der Gesundheitsberufe, zu denen beispielsweise Optiker gehören, sinkt die Zufriedenheit auf 82 Prozent um vier Prozentpunkte. Allerdings sieht die stellvertretende Geschäftsführerin Nicole Tomys hier eine grundsätzlich positive Entwicklung, die vielleicht durch Schwierigkeiten bei der Suche nach Auszubildenden im letzten Jahr etwas eingetrübt sei. Vor zehn Jahren habe man in diesem Bereich noch Zufriedenheitswerte im Bereich von 70 bis 75 Prozent ermittelt. Insofern ist sie mit dem Ergebnis zufrieden.

Beruhigt habe sich auch die durch Diesel-Affäre und drohende Fahrverbote gebeutelte Kfz-Branche in der Region. Die Angst vor Fahrverboten lasse nach, die Kammer ist dazu nach eigenen Angaben in „guten Gesprächen“ mit der Stadt Aachen. Selbst wenn das Urteil des OVG Münster im Juli negativ ausfalle, rechnet die Kammer fest mit Ausnahmegenehmigungen für Handwerker. Die Branche berichtet außerdem wieder von steigenden Zahlen bei den Verkäufen von Dieselfahrzeugen. 87 Prozent der Betriebe sind derzeit mit der Geschäftslage zufrieden, im Frühjahr 2018 waren es nur 76 Prozent der Firmen der Autobranche.

Schwierigkeiten macht hingegen allen Betrieben die Suche nach Auszubildenden. 2018 wurden 2202 neue Lehrverträge abgeschlossen, 1,9 Prozent weniger als 2017. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Die Kreise Düren und Heinsberg liegen unter den Werten für 2017, der Kreis Euskirchen, der grundsätzlich von der Nähe zu Köln und Bonn profitiere, und die Städteregion hätten einen Zuwachs zu verzeichnen. Damit ist der Kammerbezirk Aachen insgesamt schlechter aufgestellt als das Bundesgebiet.

Gründe dafür sieht Geschäftsführer Deckers teilweise in der „Akademikergläubigkeit“ und der starken Konkurrenz durch ausgezeichnete Hochschulen in der Region. Außerdem habe es die Industrie leichter bei der Suche nach Auszubildenden, weil viele große Betriebe bekannter seien als Firmen aus dem Handwerk. Man wolle hier aber mehr tun, auch mit Blick auf die Digitalisierung der Branchen. Im Aachener „Digital Hub“, eine Initiative, die Betriebe aus dem IT-Bereich mit dem Mittelstand vernetzt, sei bisher nur die Aachener Tischlerei Korr Mitglied.

„Trend zur Konzentration“

Mehr tun müsse sich auch bei der Suche nach Unternehmensnachfolgern. Die Handwerkskammer rechnet in den nächsten fünf Jahren mit 2200 Betrieben, deren Geschäftsführer einen Betrieb altersbedingt abgeben wollen. Insgesamt betreut die Kammer rund 16.600 Firmen. „Wir stellen einen Trend zur Konzentration fest. Immer mehr Betriebe schließen sich zusammen“ so Deckers. Anfragen hierfür erreichen die Kammer auch aus Städten wie Berlin. Firmen, die mit Fachkräftemangel zu kämpfen haben, wie Elektrotechnikunternehmen, wollen regionale Unternehmen aufkaufen, um die Fachkräfte abzuwerben. Das Handwerk wird sich weiter verändern.

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