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Aachen: Damit Experten durch die Krise kommen

Aachen : Damit Experten durch die Krise kommen

Die Reaktion der RWTH ließ nicht lange auf sich warten. Schon wenige Tage, nachdem die Regierung Mitte Dezember 2008 bekanntgab, dass Weiterbildung während der Kurzarbeit demnächst im großen Stil finanziell gefördert werde, beschloss das Rektorat, ein eigenes Angebot zu erstellen. Eines, das sich speziell an Fach- und Führungskräfte in Kurzarbeit richtet.

Denn nicht nur Niedrigqualifizierte seien von der Wirtschaftskrise betroffen, sagt Prof. Günther Schuh, Prorektor für Wirtschaft und Industrie der RWTH. „Auch die Arbeitsplätze von hochqualifizierten Kräften sind gefährdet.” Dies sei nicht nur aus Sicht der Arbeitnehmer, sondern auch für die Unternehmen problematisch. Sie liefen Gefahr, ihre dringend benötigten Experten zu verlieren. „Wenn man einem hochqualifizierten Ingenieur nur Kurzarbeit anbietet, wird er sich nach einer anderen Stelle umsehen.” Also müsse man die Loyalität zum Unternehmen stärken - durch die Möglichkeit, sich noch stärker zu qualifizieren.

Das Weiterbildungsangebot hat die Hochschule mit dem Informationsdienstleister Wolters Kluwer Deutschland umgesetzt. Kommende Woche wird es noch einmal hochschulintern geprüft, bevor es dann der Bundesagentur für Arbeit zur Zertifizierung vorgelegt wird. „Wir sind die erste Hochschule, die sich als Anbieter für die Weiterbildungsoffensive der Regierung qualifiziert”, sagt Schuh. Die Zertifizierung des Anbieters ist Voraussetzung, damit die Bundesagentur für Arbeit die Maßnahme finanziell unterstützt und die Beiträge zur Sozialversicherung übernimmt, sei es teilweise oder ganz.

Wolters Kluwer hat die RWTH zum einen mit ins Boot geholt, weil der Fachverlag mit Sitz in Köln das Weiterbildungsangebot thematisch ergänzt. Beispielweise um den Bereich Patentrecht. Zum anderen muss jede Maßnahme individuell auf den entsprechenden Arbeitnehmer abgestimmt werden. Dazu ist ein sogenanntes Profilscanning nötig - auch das übernimmt Wolters Kluwer mit einer speziellen Software.

„Unser Weiterbildungsangebot für Hochqualifizierte ist kein Standardprogramm, es gibt zum Beispiel nicht einfach einen EDV-Kurs”, sagt Ulrich Hermann, Geschäftsführer von Wolters Kluwer Deutschland. Deshalb musste es modular konzipiert werden. Die fünftägigen Module bestehen aus derzeit rund 30 Zertifikatkursen und reichen inhaltlich von strategischem Management über Betriebliche Anwendungssysteme bis zu Arbeitsrecht für Führungskräfte. „Der Bedarf an Weiterbildung ist ohnehin groß, von daher sollten die Unternehmen die Krise als Chance sehen und ihre Mitarbeiter noch weiter schulen”, sagt Hermann. Gerade Spitzenkräfte müssten bei aktuellen Entwicklungen am Ball bleiben.

„Ingenieure haben regulär schon mal einen 16-Stunden-Tag, da bleibt keine Zeit für Weiterbildung”, sagt Schuh. Der Aufbau des Programms macht es möglich, dass während der Kurzarbeit etwa wöchentlich gewechselt werden könnte: eine Woche Arbeit, eine Woche Weiterbildung.

Die Maßnahme kann je nach Wunsch im oder außerhalb des Unternehmens stattfinden. Dann kommt entweder die RWTH infrage oder eines der deutschlandweit 20 Schulungszentren von Wolters Kluwer. Die Gruppen sollen höchstens 25 Personen stark sein.

Zwei Unternehmen haben sich bereits für die Pilotphase angemeldet: Thyssen Krupp und Heidelberger Druck werden das Angebot für ihre Ingenieure nutzen, die zurzeit kurzarbeiten. Nach der Akkreditierung durch die Bundesagentur für Arbeit wird mit dem Heidelberger Maschinenbauer gestartet. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz hat bereits sein Interesse an dem deutschlandweit bisher einmaligen Konzept bekundet.

„Vielleicht geben wir ja eine Initialzündung und andere Hochschulen folgen unserem Vorbild”, sagt Schuh. Er hofft, auch mittelständische Unternehmen in der Region Aachen zum Weiterbilden ihrer Fach- und Führungskräfte gewinnen zu können.


Informationen zum Weiterbildungsangebot der RWTH Aachen und Wolters Kluwer Deutschland gibt es bei:

Dagmar Dirzus, RWTH Aachen Academy, 0241/80-28189, E-Mail: d.dirzus@academy.rwth-aachen.de

Elke Eschweiler, Wolters Kluwer Akademie, 0221/94373-7353, E-Mail: eeschweiler@wolterskluwer.de