AC2-Innovationspreis: Cognesys lässt den Computer antworten

AC2-Innovationspreis : Cognesys lässt den Computer antworten

Die Aachener Firma Cognesys entwickelt eine Software, die den Inhalt von Texten erfasst. Mit der Idee gewann sie zwei Preise.

Wie denken wir? Wie verstehen wir Sprache und Texte? Wie fällen wir Entscheidungen? Fragen, die Bernd Schönebeck seit jeher antreiben: „Ich wollte immer herausfinden, wie das menschliche Gehirn funktioniert.“ 22 Jahre lang hat der studierte Psychologe Grundlagenforschung betrieben – zunächst an der Humboldt-Universität Berlin, schließlich an der RWTH Aachen. Heute gehört er zu den Top-Innovatoren im deutschen Mittelstand: Die Cognesys GmbH erhielt nicht nur den „AC2-Innovationspreis Region Aachen“ für ihre patentierte Technologie, sondern schaffte es Ende Juni bei ihrer erneuten Auszeichnung im renommierten „TOP 100“-Wettbewerb sogar unter die Top 3 in ihrer Größenklasse.

Unternehmen suchen Lösungen

Ein Erfolg, der sich bereits bemerkbar macht: „Wir hatten schon einige Anrufe von Unternehmen, die genau solche Lösungen suchen“, erzählt Schönebeck stolz. Mit derzeit 24 Mitarbeitern entwickelt er an der Aachener Theaterstraße eine Software, die Schrift- und Sprachinformationen von Kunden automatisch erfasst, versteht und weiterverarbeitet. Das Besondere an dieser semantischen Technologie: Es wird nicht wie üblich nach Schlüsselbegriffen gesucht, sondern auch der Zusammenhang und Sinn des Gesagten oder Geschriebenen wird berücksichtigt. „Unsere Engine versteht den Inhalt von beliebig formulierten Texten“, erklärt der Cognesys-Geschäftsführer. „Auch fehlerhafte Grammatik und Syntax, Rechtschreibfehler oder internetspezifische Abkürzungen werden korrekt verarbeitet.“ Interessant sei dies für alle Branchen – von Kommunikationsdienstleistern über Logistikunternehmen bis hin zu Lebensmittelkonzernen. „Im Prinzip für alle, die ihre Kundenkommunikation optimieren und Kundenmeinungen erfassen wollen, sei es per E-Mail, im Chat, via Voice-File oder in den sozialen Netzwerken“, resümiert Schönebeck.

Der Bedarf an der Technologie sei in den letzten Jahren drastisch gestiegen, berichtet der Wahl-Aachener, der Cognesys 2005 als Spin-off der RWTH auf den Weg brachte. In den ersten Jahren zählte sein Team zeitweise vier Mitarbeiter: „Das war vor der sogenannten Digitalisierung“, schmunzelt er. „Damals hat man Dokumente klassifiziert und weiter nichts gemacht. Jetzt aber geht es darum, ganze Prozesse vollautomatisch, fallabschließend und in Echtzeit zu erledigen – mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.“ Die Dienstleister, die heute die Menge an Kundenanfragen- und -kontakten kaum noch bewältigen könnten, sollen auf diese Weise entlastet werden. Und dafür müsse man ganz genau verstehen, was der Kunde eigentlich möchte. „Und genau das“, so Schönebeck, „können wir außerordentlich gut.“

Die Grundlage für das Verstehen ist eine semantische Wissensbasis, die von den Mitarbeitern angelegt und kundenspezifisch erweitert wird. Dafür hat Schönebeck die Stelle des Semantik-Experten eingeführt: „Bei uns arbeiten nicht nur Softwareentwickler und Mathematiker, sondern auch Geisteswissenschaftler und Linguisten.“ Cognesys glänzt mit einer für die Branche ungewöhnlich hohen Frauenquote von 50 Prozent.

Einer der ältesten Kunden ist der Mobilfunkanbieter Vodafone, der jetzt bereits seit über acht Jahren auf die Lösung des Aachener IT-Unternehmens setzt. „Das überschreitet schon längst die übliche Verweildauer für eine Software“, meint Schönebeck. Sich gegen die großen Firmen mit ihrer gewaltigen Marketingpower durchzusetzen, sei nicht immer leicht. „Anbieter wie IBM sind sehr gut vernetzt. Die klopfen bei den Konzernen in der obersten Etage an. Wir kommen meist nur über die Problemlösung von unten rein.“ Im direkten Vergleich habe Cognesys jedoch immer sehr gute Karten. „Wo viel Bedarf ist, herrscht zwar ein harter Wettbewerb“, sagt Schönebeck selbstbewusst: „Aber wenn wir auf die Leistungsebene schauen, dann haben wir so gut wie keine Konkurrenz.“

Der Firmenchef hat klare Vorstellungen davon, wo es in Zukunft hingehen kann. Er nennt zum Beispiel das Thema Mehrsprachigkeit zwecks Internationalisierung, erzählt von der Herausforderung, längere Textdokumente mit mehreren Kapiteln auszuwerten, und von einem Chatbot, der nicht nur texten, sondern mit der Kundschaft auch strukturierte Interviews führen kann. „Unsere Engine, so wie sie jetzt gebaut ist, nutzt bisher nur 40 Prozent von dem, was möglich ist“, erklärt er. Da sei noch reichlich Luft nach oben. „Wenn wir sagen, unser System versteht die menschliche Kommunikation, und darauf lasse ich mich gerne festnageln, dann kann man da sehr viel mit machen.“

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