Claus Hipp spricht über den Erfolg seiner Firma Hipp

Jedes fünfte Glas isst ein Erwachsener : Claus Hipp erhält Unternehmerpreis des Business-Clubs Aachen-Maastricht

Claus Hipp hat gerade den Unternehmerpreis des Business-Clubs Aachen-Maastricht erhalten und wird am 22. Oktober 80 Jahre alt. Im Interview spricht er über die Herausforderungen bei der Produktion von Kindernahrung.

Er ist kein Mensch der vielen Worte. Seine Antworten sind knapp, freundlich und schnörkellos. Claus Hipp, der gerade den Unternehmerpreis des Business-Clubs Aachen-Maastricht entgegengenommen hat und am 22. Oktober den 80. Geburtstag feiert, ist persönlich haftender Gesellschafter der Hipp-Gruppe und hat das operative Geschäft bereits an seine Söhne Stefan und Sebastian abgegeben.

Im bekannten Werbespot für Hipp ist es daher inzwischen der Junior Stefan Hipp, der den berühmten Slogan „Dafür stehe ich mit meinem Namen“ weiterhin pflegt. Unsere Redakteurin Sabine Rother  sprach mit dem Unternehmer, der auch als Künstler erfolgreich und bis heute als Hochschuldozent aktiv ist.

Herr Hipp, Sie haben ja bereits zahlreiche Auszeichnungen entgegengenommen. Was bedeutet Ihnen dieser Unternehmerpreis?

Hipp: Diesen Preis nehme ich in erster Linie für meine Mitarbeiter entgegen, denn die machen ja die hauptsächliche Arbeit.

Sie haben bald Ihren 80. Geburtstag, was ist das für ein Gefühl?

Hipp: Kein anderes Gefühl als sonst, völlig normal. Ich hatte das Glück all das machen zu dürfen, das hat mir auch viel Freude bereitet. Ich bin ja da hineingewachsen.

Wo sehen Sie persönlich den roten Faden bei all Ihren Tätigkeiten – als Unternehmer, Künstler, Lehrender und sogar Musiker?

Hipp: Alles was ich zu tun hatte, habe ich versucht, auf anständige Weise zu tun, ohne anderen zu schaden, das war prägend für mich.

Ihnen hätten sich ja auch andere Karrieremöglichkeiten geboten. Haben Sie nie gezögert, ins Unternehmen einzusteigen?

Hipp: Es war für mich schon sicher, dass ich in der Firma weitermache,  denn das war eine sichere Sache, da konnte ich etwas entwickeln. Alle anderen Dinge wären eher unsicher gewesen. Ob die Welt auf mich als Künstler gewartet hat, weiß ich nicht.

Sie haben eine Professur an der Staatlichen Kunstakademie in Tiflis in Georgien und hatten einen Lehrauftrag an der Kunstakademie Bad Reichenhall. Sind Sie noch in der Lehre aktiv? Was möchten Sie den Studieren vermitteln?

Hipp: Ja, ich lehre noch. Dort möchte ich den Studierenden vermitteln, dass weniger oft mehr sein kann als viel, dass sie sich in der Farbe bescheiden bewegen und nicht denken sollten, bunt ist alles. Dass sie wissen, dass es einfach ist, aber nicht leicht und dass sie nicht ihre Person in den Vordergrund stellen sollten, weil sie sonst nur schreiende Plakate schaffen.

Ist das auch Ihr Lebensprinzip, das Sie da weitergeben?

Hipp: Natürlich, ich werde nicht lehren, was ich nicht selbst tue.

Gab es in frühen Jahren Kritik an der Kindernahrung aus dem Glas? Wurde nicht betont, dass selbstgekochtes Essen besser ist.

Hipp: Ja, solche Stimmen gibt es. Aber keine Privatküche kann die Lebensmittel so gründlich untersuchen, wie wir es tun. Wir beginnen mit unseren Qualitätskontrollen ja schon bei der Auswahl der Anbauflächen, und erst, wenn die Rohstoffe einwandfrei sind, werden sie weiterverarbeitet. Jedes Gläschen durchläuft mindestens 260 Kontrollen..

Wie gehen Sie mit dem Thema Unverträglichkeiten und Allergien um?

Hipp: Zum Beispiel haben wir sogenannte Monoartikel geschaffen, die nur wenige unterschiedliche Bestandteile haben. Da können sich die Eltern herantasten und herausfinden, was das eigene Kind verträgt oder worauf es allergisch reagiert.

Wie viele Sorten Hipp-Nahrung  gibt es denn inzwischen?

Hipp: Bei der Beikost sind es etwa 200, wobei für unsere Auslandsmärkte teilweise auch andere Rezepte haben als in Deutschland. Bei uns sind Möhren besonders beliebt, in Ungarn ist es eher der Kürbis. Auf die individuellen Ernährungsgewohnheiten nehmen wir natürlich Rücksicht

Es ist nicht allein die schonende Verarbeitung der Produkte, die bei Ihnen die Herstellung prägt. Sie haben auch Hipp-interne Grenzwerte, wer legt die fest?

Hipp: Die Grenzwerte entwickeln wir permanent weiter, weil es beständig Fortschritte in den Untersuchungsmethoden gibt. Produktqualität und Qualitätssicherung stehen bei uns an erster Stelle - dabei sind wir strenger als das Gesetz es fordert. Das ist schon ein Unterschied.

Hat sich das Klima in Ihrer Branche in den letzten Jahrzehnten gewandelt?

Hipp: Schon immer legen wir großen Wert auf beste Qualität und seit über 60 Jahren setzen wir Bio-Rohstoffe in unserer Babynahrung ein – damit haben wir Maßstäbe gesetzt. Die anderen mussten nachziehen. So scheuen wir immer, dass wir den anderen voraus sind. Das hat sich bisher gut bewährt.

Wie haben Sie es geschafft, Familie und die Präsenz im Unternehmen miteinander zu vereinen?

Hipp: Schon früh habe ich mich darum bemüht, den Kindern die Freude am Unternehmen nahezubringen. Die Kinder habe ich mit in die Firma genommen und ihnen erzählt, was wir dort tun. Natürlich durften sie auch von den Hipp-Produkten kosten. So sind sie ganz natürlich hineingewachsen, und ich bin froh, dass sie das Unternehmen heute weiterführen.

Sie stammen aus einer Bauernfamilie. Wollten Sie nicht lieber Bauer sein?

Hipp: Das bin ich ja. Wir haben einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Grünland,  Kühen, Pferden und Hühnern – ein Musterbetrieb für biologische Vielfalt. Da können wir unseren Bio-Bauern praktisch zeigen, wie sich zum Erhalt der Natur und zum Schutz der Arten Gutes tun lässt, ohne viel Geld auszugeben. Inzwischen macht das meine Tochter mit ihrem Mann, die auch auf dem Hof leben. Meine Frau und ich sind sozusagen die Austragsbauern.

Die Bevölkerungsentwicklung wird dahin gehen, dass es in Zukunft immer mehr ältere Menschen gibt. Wie reagiert Hipp darauf?

Hipp: 20 bis 25 Prozent unserer Produkte werden bereits heute von Erwachsenen  gekauft, die sie auch verzehren.

Sie werden gefeiert, aber glamouröse Feste liegen Ihnen nicht. Wo sind Sie an Ihrem Geburtstag?

Hipp: Da werde ich werde in der Firma sein, denn ich habe alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem Mittagessen eingeladen. Damit ich mit jedem reden kann, werde ich die Mittagszeit ausdehnen. Am Tag darauf habe ich dann die aktiven Mitglieder und Sponsoren der Münchner Tafel eingeladen, da bin seit Gründung Schirmherr. Das ganze Jahr über wird dort großartige Arbeit geleistet. Die Tafel versorgt 20.000 Bedürftige in München.

Mehr von Aachener Nachrichten