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München: Campus-Projekt ist der Renner

München : Campus-Projekt ist der Renner

Die Immobilienbranche ist völlig aus dem Häuschen. Knapp 40.000 Menschen aus 80 Ländern strömen bis zum Mittwochabend über die Expo Real in München.

Die internationale Fachmesse präsentiert Gewerbeimmobilien auf imposanten 74.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Das entspricht aber nur knapp einem Viertel des Bodens für das gigantische RWTH-Campus-Projekt, das am Stand „1aachen” im Mittelpunkt des Interesses steht.

23 Institutionen und Unternehmen aus der Aachener Region werben hier augenscheinlich äußerst erfolgreich um Millionen-Investitionen. „Der Andrang am Messestand ist enorm. Unser Wissenschaftsthema stößt hier auf wachsendes Interesse”, sagt Fritz Rötting, Geschäftsführer der Industrie-und Handelskammer (IHK) Aachen.

Auf den ersten Blick ist die globale Finanzkrise an der Isar nur am verwaisten Ausstellungsstand der Hypo Real Estate auszumachen. Das „1aachen”-Motto „excellent” trifft die Stimmungslage der RWTH-Repräsentanten dagegen auf den Punkt. „Die Investoren laufen uns hier die Türen ein”, sagt die Leitende Regierungsbaudirektorin Gabriele Golubowitsch.

„Baufonds, Trägergesellschaften, Projektentwickler, Banken: Alle sind neugierig auf die drei RWTH-Campus-Standorte Melaten, Westbahnhof und Innenstadt”, betont sie. RWTH-Projektplanerin Maike Schlick: „Wir sind die Schmiede für den akademischen Nachwuchs, die von der Industrie so dringend benötigt werden.

Wenn sich Unternehmen im Campus ansiedeln, dann bleibt der hoch qualifizierte Nachwuchs in Aachen.” Projektmanagerin Martina Mainz gibt deswegen Gas: „Der Betriebs- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) hat nun die Aufgabe, den Bebauungsplan auf den Weg zu bringen.” BLB-Chef Harald K. Lange: „Jeder, der jetzt investieren will, kann sofort loslegen.” Noch 2008 soll die RWTH Campus GmbH gegründet werden, Anfang des Jahren der Bebauungsplan stehen.

Rund 500.000 Quadratmeter des Aachener Grundes werden insgesamt im Rahmen der Hochschulerweiterung überplant. Die RWTH rechnet mit 20.000 neuen Arbeitsplätzen. Darum muss parallel Wohnraum her. „Die Herausforderung, mit dem Fortgang des Campus-Projekts auch entsprechend hochwertige Wohngebiete auf den Punkt fertig zu stellen, ist riesig”, erklärt Aachens Baudirektorin Christiane Gastmann auf der Expo Real. „Klar wird hier, dass Aachen als Großstadt wahrgenommen wird - und als lohnender Investitionsstandort.”

Dem stimmt Projektentwickler Gerd Sauren nach dutzenden Gesprächen mit potenziellen Geldgebern zu: „Das Interesse an Gewerbeimmobilien im Einzelhandel ist ungebrochen hoch, Und auch die großen Hotelketten schauen sich jetzt in Aachen um.” Nach der jüngsten Analyse fehlen der Stadt rund 1000 Hotelbetten.

„Man kann hier prima Geschäfte für unsere Region anbahnen. Auf der anderen Seite der Medaille steht allerdings angesichts der Bankenkrise immer mehr die Unsicherheit, ob auch die Finanzierung klappt”, erklärt Sauren.

Sein Aachener Kollege Norbert Hermanns, Vorstand der Landmarken AG, sieht bei vermögenden Privatleuten hingegen einen Trend zu Immobilienkäufen. „Einzelhandelsimmobilien, Gewerbe, aber auch der Kauf eines Seniorenstifts verspricht bei langfristigen Mietverträgen eine sichere Rendite zwischen sechs und sieben Prozent”, sagte er. „Jetzt sind auch regionale deutsche Investoren, gerade aus dem regionalen Mittelstand, wieder als Käufer da.” In Aachen steht bei Hermanns zudem ein lukrativer Neubau von exklusiven Studentenappartments auf dem Plan.

Angesichts des Aachener Potenzials und ansehnlichem Wachstum der Stadt fällt der Blick auf der Immobilienmesse auf gigantische Messestände wie den von Moskau zwar bewundernd, aber kaum neidisch aus: Die russische Renova Stroygroup baut ab 2009 für 27,7 Milliarden US-Dollar eine komplett neue Satellitenstadt namens „Sunny Valley” für 120.000 Menschen. „Gerade mal halb so groß wie Aachen”, lächelt ein Aussteller am „1aachen2-Stand.