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Aachen: Bombardier-Werk liefert den ersten von 50 Intercity-Triebzügen aus

Aachen : Bombardier-Werk liefert den ersten von 50 Intercity-Triebzügen aus

Flatternde Fahnen und Feststimmung am Bombardier-Standort in Aachen. Zusammen mit der Auslieferung des ersten von insgesamt 50 Doppeldecker Intercity-Zügen an die Nederlandse Spoorwegen (NS) wurde das 170-jährige Bestehen des Waggonbaustandorts Aachen mit einem Familienfest für alle Werksangehörigen gefeiert.

Höhepunkt war das Roll-Out des Triebzugs vom Typ VIRM4, der dabei recht effektvoll eine Wand aus Styropor-Steinen durchbrechen musste.

Der bereits Ende 2006 abgeschlossene Großauftrag für die Lieferung der Triebzüge im Wert von 433 Millionen Euro hat die deutschen Arbeitsplätze sicherer gemacht. Die Züge werden bis zum März 2009 ausgeliefert. Die Fertigung erfolgt dezentral an den einzelnen deutschen Bombardier-Standorten. Die VIRM-Wagenkästen werden in Görlitz hergestellt, die Drehgestelle kommen aus Siegen. Das Aachener Werk ist zuständig für Montage, Innenausbau, Prüfung und Inbetriebnahme der Fahrzeuge.

Mit den Intercity-Zügen festigte das Aachener Werk seine Position als Hauptlieferant der niederländischen Bahn (siehe Interview). Der erste Auftrag aus den Niederlanden erging 1968 an das Familienunternehmen Talbot. Es war in der Folgezeit kein Zufall, dass in der Belegschaft auffallend viele Niederländer vertreten waren.

Der Doppeldecker-Triebzug vom Typ VIRM (Verlengd Inter Regio Materieel) wurde in den 90er Jahren gemeinsam von Bombardier Transportation - das kanadische Unternehmen hatte Talbot 1995 gekauft - und der NS speziell für den Intercity-Dienst in den Niederlanden entwickelt. Es handelt sich um einen Elektro-Triebzug mit energiesparender Dreiphasen-Antriebstechnologie, der als ideale Verkehrslösung in städtischen Ballungsräumen gilt. Zwei zusammengekoppelte Züge mit 14 Wagen bieten 1400 Sitzplätze.

Clou am Rande: Die VIRM-Züge sind mit einem Bio-WC ausgerüstet. Statt konventioneller „Fallrohr-Entsorgung” oder geschlossener Systeme werden die Abfälle zu Humus reduziert und die Behälter nur alle drei Monate geleert.

Seit 170 Jahren Waggonbau in Aachen

Seit 170 Jahren werden in Aachen Waggons gebaut. Wir geben einen kurzen Überblick:

1838 gründen Hugo Jacob Talbot und der belgische Kutschenfabrikant Pierre Pauwels den Waggonstandort Aachen, um einen Großauftrag über 200 Personen- und Güterwagen auszuführen.

1894 baut das Werk neben Waggons für die Bahnen in Deutschland, Belgien und dien Niederlanden den „Talbot-Selbstentlader”.

1913 kauft Talbot die konkurrierende Waggonfsbrik J. P. Goossens in Eschweiler und verlagert 1923 die gesamte Fabrikation an den vergrößerten Aachener Standort.

Talbot verkauft 1989 die Beteiligung am Düsseldorf-Krefelder Waggonhersteller DUEWAG an die Siemens AG.

Bombardier, weltweit vertretener kanadischer Bahn-und Luftfahrtkonzern kauft das Familienunternehmen Talbot für 140 Millionen DM.